(09.04.2010): The Chariot, Iwrestledabearonce, The Eyes Of A Traitor - Paris (F) - Batofar

 

Ein Konzert auf einem Schiff ist für die alternativ geprägten Musikfreunde der französischen Hauptstadt nichts Besonderes. Anders für zwei Mädels aus dem Kölner Umland, in deren Urlaubsplanung zufällig das Konzert von The Chariot fällt. Keine Frage, dass man sich das Spektakel auf der Seine nicht entgehen lassen will. Und so trifft man zu gewohnt frühabendlicher Stunde am La Batofar ein. Nahe einer Brücke liegt das unscheinbare, kleine, rote Schiff scheinbar Bewegungslos an seinem Anliegeplatz. Aber der harmlose Eindruck des Schiffes und der müde auf einer Treppe sitzenden Franzosen trügt.

Kaum hat der massige Türsteher das Zeichen gegeben, dass der Einlass nun beginnt, schon bildet sich innerhalb von nicht mal einer Minute eine lauthals schnatternde, meterlange Schlange aus den zuvor noch so brav wirkenden Wartenden. Und auch im Bauch des Schiffes wird nicht lange Gefackelt, ehe The Eyes Of A Traitor die Bühne betreten. Viel anzufangen wissen die meisten Konzertbesucher jedoch nicht mit den Fünf von der Insel (GB/Reading). Aber die Band macht es einem zu Anfang auch nicht grade leicht sie zu mögen. Wenig Kommunikation mit dem Publikum und eine recht starre Bühnenperformance. Nicht abzustreiten ist jedoch, dass musikalisch eigentlich ganz schön Power in ihren progessiven Songs streckt. Nur am schwachen Backgroundgesang müsste man noch mal feilen.



Nach dem Auftritt von The Eyes Of A Traitor stellt man fest, dass Franzosen nicht nur im Punkto Einlass und Beginn fix sind. Auch der Umbau geht schnell vonstatten. Kaum Zeit genug sich ein kleines Bier für satte 7,00 Euro zu genehmigen. Jedoch verschaffen einem I Wrestle A Bear Once neue Zeitpolster. Deren Darbietung ist schlichtweg nicht zu ertragen. So leid es einem auch um die kleine, über die Bühne wirbelnde Sängerin tut - ihr Gesang/Shouts ist mehr ein Gekeife. Die Franzosen stört das weniger. Sie powern vor der Bühne ganz schön los. Kein Wunder, dass man nun zu spüren bekommt, dass man sich ja auf einen Schiff bewegt. Auch wenn es nicht all zu sehr schaukelt, bei der ausgelassenen Moshaktion von links nach rechts bekommt das La Batofar ein wenig Schlagseite.




Eine schlichtweg beeindruckende Performance liefern im Anschluss The Chariot. Im Stockfinstern betreten sie die in Nebel getauchte Bühne, ehe ihr Set losbricht und die Fans ihrerseits ihr Bestes in Sache Mitsingen und Moshen geben. Die Konzertbesucher sind teils ähnlich skrupellos wie im heimischen Ruhrpott. Zu mindestens läuft hier alles nach dem Prinzip Wer-hinfällt-hat-Pech-gehabt. Aber auch The Chariot geben sich recht ruppig. Bereits beim ersten Song räumen sie das halbe Schlagzeug ab und verursachen volle 45 Minuten lang ordentlich Chaos auf der Bühne. Jedoch keinesfalls in negativer Hinsicht. Sie hängen sich an die schweren Eisenträger über ihren Köpfen, werfen sich zappelnd ins Publikum, setzen oder legen sich total unerwartet hin und albern an Stofffetzen rum, die an den Wänden hängen. Die fast manische Art ihre Songs zu spielen lässt einen automatisch die Hände in die Luft reißen und den Wunsch entstehen, einfach nur zu Schreien. Egal was und egal warum. Eine seltsame Form aufkeimender Aggression. Zur Untermalung kommt nun auch die recht ausgefallende Lichttechnik so richtig zur Geltung. Zu guter Letzt gibt es noch eine kleine, lautstark geforderte Zugabe, bei der es sich der im Publikum anwesende Bassist von Admiral’s Arms nicht nehmen lässt, das Mikro zu ergreifen und den letzten Song zu beenden.