01.01.2008: Blacklisted, Shipwreck A.D., Soul Control - Hamburg - Hafenklang

 


Dort angekommen traf man gleich auf viele bekannte Gesichter. Aufgrund des besonderen Datums bot es sich sofort an darüber zu philosophieren, ob man seine Plattensammlung nun neu ordnen müsse oder nicht und wie viel man überhaupt das ganze Jahr über in Musik investiert hat. Über diesen kleinen Umweg kamen wir dann auch dazu jeweils einen Tipp abzugeben, welches wohl die beste Live-Band des Abends werden würde und - bei aller Bescheidenheit - ich sollte mit dem Namen SOUL CONTROL recht behalten.

Eben jene eröffneten die Show mit einem verdammt Energie geladenen Set, der kaum Wünsche offen ließ. Mit "Involution" haben die 4 Mannen aus Providence/RI allerdings auch ein Album am Start (oder besser gesagt eine Zusammenstellung von zwei EP's), das an Intensität kaum zu übertreffen ist. Die groovige Schnittmenge aus BURN, QUICKSAND und 108 kam live noch kraftvoller daher, auch wenn während der ersten 2 Songs das Mikro des Sängers komplett den Job verweigerte. Wie auch immer, SOUL CONTROL ließen sich davon nicht beirren und lieferten eine beeindruckend athletische Show hin. Besonders der Sänger und der Bassist drehten gewaltig am Rad und verweilten keine Sekunde am selben Fleck und nutzten den Platz der nicht vorhandenen Bühne gut aus. Zwar ließ sich das verständlicher Weise etwas träge Publikum nicht dazu bringen das Tanzbein zu schwingen, beschwingtes Mitwippen und freudige Gesichter der ca. 60 Anwesenden zeugten aber von einer durchweg positiven Resonanz. Nach ungefähr 25 Minuten beendeten SOUL CONTROL ihren Set mit "Involution" (erinnert der Chorus bzw. die Betonung eigentlich nur mich so krass an Snapcase's "Incarnation?!) und man konnte ohne wenn und aber von einem sehr gelungenen Auftakt sprechen.

Nach einer angenehm kurzen Umbaupause ging es dann auch schon mit Boston's SHIPWRECK A.D. weiter. Mit "Abyss" haben die Jungs gerade ein verdammt starkes Album abgeliefert, allerdings blieb abzuwarten wie der düstere, INTEGRITY/MAYDAY-beeinflusste mid-tempo Sound der Band live so zünden würde. Tja, was soll ich lange rumeiern: was SHIPWRECK A.D. an diesem Abend ablieferten, war schlicht und ergreifend eine Frechheit und eine Beleidigung jedem Besucher gegenüber, der Geld für ihren Auftritt bezahlt hat. Keine Frage, jede Band hat mal einen schlechten Tag und nach Silvester habe ich dafür sogar noch mehr Verständnis. Aber was SHIPWRECK A.D. da veranstaltet haben war einfach nur der blanke Hohn. Während der Gitarrist (der Zweite
fehlte) das komplette Set regungslos und mit dem Rücken zum Publikum absolvierte, zeigte sich der Sänger beinahe noch lustloser. Ebenfalls weitestgehend mit dem Rücken zu den Anwesenden stand der gute Mann die Hälfte der Auftritts vor dem Drum-Kit und kratze sich komplett gelangweilt am Kopf. Die langen Pausen zwischen den Songs wurden mit Schweigen verbracht, noch nicht mal das obligatorische "We 're Shipwreck from Boston" wurde über die Lippen gebracht. Ohne Ankündigung verließ die Band dann auch nach gerade mal 5 Songs den Raum und ließ die Menge entgeistert zurück. Nicht nur wir fragten uns "Was zur Hölle war das denn jetzt?!", vielmehr schienen alle Anwesenden vollkommen perplex. Sei es drum, ich kann mir das Ganze nur so erklären, dass da irgendetwas schwerwiegendes Band-Intern oder privat vorgefallen sein muss, denn anders lässt sich eine derart offen zur Schau gestellte Bocklosigkeit nicht begründen.

Als BLACKLISTED dann wenig später an der Reihe waren, war zu hoffen, dass die Stimmung noch mal aus dem Keller kommen würde, doch sie tat es nicht wirklich. Der Auftakt ließ sogar Schlimmstes befürchten: keine Bewegung, keine Energie, keine Kommunikation, nichts. Stattdessen ließ der Sänger die ganze Show über das Mikro im Ständer stecken und sang weitestgehend mit auf dem Rücken verschränkten Armen. Gar nicht zuträglich für ein Hardcore-Konzert. Und dass das Publikum sich dann entsprechend reserviert gab, war auch nicht weiter verwunderlich. Nach dem dritten Song zeigte die Band dann aber plötzlich, dass sie es doch eigentlich kann und gab richtig Gas - leider aber nur für ein paar Sekunden, danach gab's wieder Standfußball. Einige Anwesende nutzten die kurze Phase für ein paar Windmills, allerdings schien es mir so, als habe es sich dabei eher um Tourbegleiter gehandelt, die ein wenig die Stimmung aufheizen wollten. BLACKLISTED spielten übrigens weitestgehend die Songs von ihrer letzten EP, aber auch den einen oder anderen Track von "The Beat Goes On". Außerdem gab es zwei neue Songs zu hören, die auf dem bald erscheinenden nächsten Long-Player zu finden sein werden. Letztere klangen noch mal ne ganze Ecke rockiger, als die eh schon rockige "Peace On Earth, Hell On Stage" 7inch. Man darf auf jeden Fall gespannt sein, denn schlecht klang das nicht. Nach etwas über einer halben Stunde beendeten dann auch BLACKLISTED ihren Auftritt und erneut blieb festzustellen, dass sie auf Platte einfach tausend Mal besser sind, als live.

Gemessen an dem extrem vielversprechenden Line-Up war das sicher eine reichlich enttäuschende Show, dennoch wussten wenigstens SOUL CONTROL voll zu überzeugen. Und da es nun mal der erste Tag im neuen Jahr war, wollen wir auch mal nicht ganz so streng sein.