01.03.2014: Being As An Ocean, Hundredth, Counterparts, Expire, Coldburn, Choking On Illusions, Seasons in Wreckage - Trier - Exhaus

 



Zum verfrühten Frühlingsbeginn werden am 1. März in Trier gleich 3 Tourpakete zusammengelegt: Während sich SEASONS IN WRECKAGE und CHOKING ON ILLUSIONS sehr passend in die Reihe POLAR, COUNTERPARTS, HUNDRETH und BEING AS AN OCEAN einfügen, tanzen COLDBURN und EXPIRE etwas aus der Reihe. Funktioniert dieses minifestivalartige Konzert unter dem Namen „Passion, Heart & Soul“?

Ohne Zweifel ist der Laden jedenfalls gleich zum Einlass um 17.30 Uhr bestens besucht, man muss gar an der Kasse anstehen, bevor man rein kommt. So steigen die Ersten die Treppen herunter ins Trier Exil. Etwa eine Viertelstunde später ist es an SEASONS IN WRECKAGE, das Konzert zu eröffnen. Die jungen Briten sind gerade mit der deutschen Band Choking on Illusion auf Tour (allerdings erst am 2. Tourtrag) und freuen sich sichtbar über das wahrscheinlich bestbesuchteste Konzert ihrer Tour (schätze ich doch mal). Obwohl die Menge noch recht verhalten ist, kann vereinzelt an einigen Stellen auch mitgesungen werden, was den Jungspunden umso mehr Spaß macht. Gerade der letzte Song, „Above the Trees“, zu dem SEASONS IN WRECKAGE auch ein Video veröffentlicht haben, sticht da heraus. Der Sound der Band erinnert an vielen Stellen an Heart in Hand oder Capsize und weiß daher einen Großteil des Publikums gleich zu begeistern. Trotz des jungen Durchschnittsalters wirkt der Fünfer zwar noch nicht wie ein Headliner, aber wie eine tourende und routinierte Band.

Die Verhaltenheit des Ex-Hauses hat sich dann auch, als CHOKING ON ILLUSIONS ihr Set eröffnen. Diese zweite Band des Abends kann man durchaus als Lokalmatador bezeichnen, obwohl sie eigentlich aus dem nahen Saarbrücken und dem weiter entfernten Kaiserslautern stammt. Schon mehrmals konnten die sympathischen Jungs um Sänger Mario Strasser ihre Live-Tauglichkeiten in Trier unter Beweis stellen, daher ist es klar, dass die Leute hier auch ein bisschen mehr mitmachen. Beim letzten Besuch von Being as an Ocean in Trier (im September 2013) war man auch schon mit am Start. Das Ausmaß, in dem die Leute mitmachen, scheint aber auch die Band zu überraschen. Von weit weg betrachtet stehen CHOKING ON ILLUSIONS den nachfolgenden Kapellen in Sachen Publikumsbeteiligung in wenig nach, Sing-A-Longs sind eher die Regel als die Ausnahme, besonders Ohrwürmer wie „Leaving Home“ oder „Nothing“ ganz zum Schluss bringen den Abend endgültig ins Rollen. Kein Wunder, dass das Team von alphadoubleplus gleich am nächsten Tag CHOKING ON ILLUSIONS auch für das letzte Summerblast Festival veröffentlicht. Bis dahin haben sie aber hoffentlich ein neues Album im Gepäck.

POLAR reihen sich in die Vielzahl aufstrebender melodischer UK-Hardcore-Bands ein, sind allerdings alles andere als „nur“ ein Geheimtipp. Für viele war es gar nicht mal eine so große Überraschung, als die fünf Jungs als Teil dieses gigantischen Tourpaketes um Being as an Ocean angesagt wurden. Die Tour könnte zweifelsohne einen kleinen Durchbruch für die Kapelle bedeuten. Fest steht, dass sie viele neue potenzielle Hörer beschallen dürfen, auch heute in Trier. Wenn die Menge dann von Minute eins so mitmacht, überzeugt das natürlich gleich noch mehr. „Bloodlines“, „Glass Cutter“ und „Black Days“ haben sich scheinbar schon in viele Gehörgänge eingebrannt. Auch die Single namens „Mountain Throne“ wird zum Besten gegeben. Es ist also vor allem das neueste Release „Shadows by Vultures“, das die Setlist dominiert. Besser so. POLAR haben nämlich nach zwei eher mässigen EPs (vor allem auf den Gesang bezogen) endlich mal ein richtig rundes Ding rausgehauen. Geblieben ist das treibende, rockige, manchmal southern-anmutende Riffing, das die Band ausmacht und mich an Bands wie die Cancer Bats und Every Time I Die erinnert. Die Shouts von Frontmann Adam Woodford kommen kraftvoll rüber, wie auf Platte. Nach diesem schönen Fast-Tourfinale in Trier geht es ab 4. März auf Headliner-Tour im Heimatland.

Josh Kelting von Expire stellt sich ans Mikro und trällert für eine halbe Minute „Bump n Grind“ von R Kelly runter. Das Ex-Haus kriegt sich kaum mehr ein. COLDBURN aus Leipzig feiern heute ihren Einstand in Trier. Wohl kaum eine deutsche Hardcore-Band hatte einen dermaßen denkwürdigen ersten Auftritt in der einsamen Stadt an der Mosel. Das Exil ist bis an die Bühne brechend voll, als „Losing Game“ das Set eröffnet. Gleich wird gestagedivet und mitgesungen, schließlich handelt es sich um einen der größten Hits der Band. Es zeigt sich auch, dass COLDBURN ein etwas anderes Klientel vor die Bühne locken können als die drei Bands zuvor. Jedoch reiht sich auch der brachiale, groovige Hardcore-Sound der Band, der an No Warning, Madball und Backtrack erinnert, gut in das Geschehen ein und wird von der breiten Masse gut aufgenommen. Frontmann Johannes berichtet von der Tour mit Expire, die heute leider schon zum Ende kommt und davon, wie grandios diese dreieinhalb Wochen gewesen sind – vielleicht sogar die beste Tour, die die Band bisjetzt hatte. Es ist schon verblüffend, wie steil es für COLDBURN seit der Veröffentlichung von „The Harsh Fangs of Life“ aufwärts geht, nach Touren mit Brutality Will Prevail und Your Demise scheint kein Ende des Aufstiegs in Sicht, was sich die Jungs aber auch verdient haben. Entsprechend routiniert und professionell wirkt der Auftritt der Band auch bei anderen Songs wie „Sons of the Night“, bei denen die Fans weniger mitsingen. Trotz Line-Up-Wechsel an der Gitarre klingt alles wie aus einem Guss. Nochmal wird betont, dass die Dinge, die die Jungs auf Tour erlebt haben sie mehr gelehrt haben, als die vielen Jahre in der Schule. Damit erntet man natürlich Applaus, für mich ist das leider eine hohle Hardcore-Standardphrase die ich exakt so schon von genug anderen Bands gehört habe. Aber auch der einzige „Minuspunkt“ an dem Auftritt, den man mit „D.T.E.“ und anschließend „Love Left Me“ perfekter nicht hätte beenden können.

Dann sind die Tourbuddies von EXPIRE an der Reihe, die morgen wieder heimwärts fliegen werden. Nichtsdestotrotz wird auch nach so einer langen Tour nicht halblang gemacht, „Bark“ geht gleich in die Vollen. Auch hier sind Stagedives an der Tagesordnung, was angesichts der vielen Leute vor der Bühne auch sehr gut funktioniert. Die vier Herren aus Wisconsin sind sichtlich bestens gelaunt, loben auch das bunt gemischte Line-Up (mit Counterparts und Hundredth sind sie anscheinend bald auch selbst auf Tour, allerdings nicht in Europa) und ihre Kollegen von Coldburn. Musikalisch wird hier vor allem das aktuelle Album „Pendulum Swings“ präsentiert, mit „Abyss“, „Anxiety“, „Spit Out“ und „Just Fine“ pickt man sich nur das Beste raus. Auch „Focus“ und „Sleep Lost“, die ja auf der Suffer the Cycle EP schon vertreten waren, dürfen da nicht fehlen, mit „Anchor“ ist sogar ein ganz alter Song vertreten. Auch hier ist die Publikumsbeteiligung hoch. Lediglich bei einem neuen Song, dem Titelsong des neuen Albums „Pretty Low“ (das im Sommer erscheint), geht logischerweise nicht viel ab und die Menge lauscht gespannt. Bis auf wenige Einzelheiten klingt das nach dem gewohnten EXPIRE-Sound, dennoch darf man natürlich gespannt sein. Angesichts der Ieperfest-Zusage ist es gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass die Band Europa im Spätsommer erneut beehrt – etabliert haben EXPIRE sich hierzulande jedenfalls ohne Frage, was auf der ersten Tour mit Foundation vor ein paar Jahren noch deutlich anders aussah.

Da haben COUNTERPARTS nun wirklich was zu überbieten. Mit „Witness“ und „Debris“ zeigen sich die Jungs aus Hamilton gleich von ihrer besten Seite: Treibende Drums, chaotische neben melodischen Passagen und kraftvolle Shouts von Brendan Murphy. Mit dem Breakdown von „Slave“ zeigen sich COUNTERPARTS mit ungewohnter Härte, was im Moshpit gut ankommt. Die Band scheint ziemlich stolz auf ihr neues Album „The Difference Between Hell and Home“ zu sein. Zurecht: Auch „Outlier“ gibt dem Publikum keine Verschnaufpause. Hier singt neben dem Publikum zum Ende des Songs auch Ex-The Elijah-Gitarrist Michael McGough mit, der jetzt mit Being as an Ocean eine neue Band gefunden hat. Auch COUNTERPARTS befinden das Line-Up als ausgezeichnet und erinnern sich an ihre erste Europa-Show, die sie oben im Balkensaal des Trierer Ex-Hauses hatten. Mit „Reflection“ wird dann nach dem fünften neuen Song („Wither) endlich auch mal ein älterer gespielt, sofort gefolgt von „The Disconnect“, der vielleicht der Höhepunkt des Sets ist. Definitiv sind vor der Bühne auch viele Fans der ersten Stunde vertreten, die jetzt auf ihre Kosten kommen. Trotz der enormen Geschwindigkeit ihrer Songs und ihres gesamten Auftritts wirken COUNTERPARTS zu keinem Zeitpunkt ermüdet und bringen das ohnehin kochende Exil in Sauna-ähnliche Zustände. „Compass“ nimmt dann nach fast einer halben Stunde nochmal ein wenig Tempo heraus und entlässt das Trierer Publikum in eine wohlverdiente Frischluft-Pause.

Der oft-zitierte Monolog aus dem Film Network (1976) wird dann von HUNDREDTH als kurzes Sample-Intro genutzt. Gleich im Anschluss rastet die Menge zu „Weathered Town“ mehr denn je an diesem Abend aus. Was wie die Show eines Headliners aussieht, ist „nur“ die eines Co-Headliners und stellt vielleicht sogar die spätere Show der letzten Band in den Schatten. Selten bebte das Exil so, ein Glück dass solche Shows ohne Absperrung stattfinden. Auch bei „Carry On“, einem weiteren Song der die positive Einstellung von HUNDREDTH zum Ausdruck bringt, singt der ganze Raum lauthals mit. Es folgt ein brandneuer Song namens „Demons“, der wahrscheinlich auf der neuen EP in diesem Jahr herauskommen wird. Auch letztes Jahr haben HUNDREDTH bereits mit Stick to Your Guns auf derselben Bühne gespielt, anscheinend waren einige Zuschauer auch an diesem Abend zu Gast. Wie sich das so gehört lässt man schön für die anderen Bands des Abends applaudieren, bevor „Ruin“ von der Revolt EP gespielt wird. „Free Mind, Open Spirit“, zu dem ein Video auf genau derselben Bühne in Trier abgedreht wurde, wird auch genau dementsprechend abgefeiert. Wenn HUNDREDTH in anderen Städten genau so gut ankommen, kann man von vielen weiteren Touren in den nächsten Jahren ausgehen. Der Aufstieg dieser Band, die ich eigentlich eher in die Metalcore-Schublade gesteckt hatte, ging etwas an mir vorbei. Mit Parkway Drive und Killswitch Engage hat der Sound allerdings nicht so viel zu tun, da passen Counterparts oder eben Stick to Your Guns schon deutlich besser in die benachbarten Künstler, das lerne ich heute bei dieser Live-Show. An Schubladen sollte man sich in der modernen Musikwelt ja sowieso nicht aufhalten. Insbesondere durch das „Hurt“-Cover von den Nine Inch Nails hatten HUNDREDTH im Vorfeld meine Aufmerksamkeit erhascht, dieses fand ich jedoch ziemlich unnötig, und so freue ich mich auch nicht besonders, als es heute live präsentiert wird. Das Exil sieht dies jedoch größtenteils anders. Nach dieser inszenierten Ruhe vor dem Sturm folgt als Abschluss mit „Desolate“ die erste Single des 2010er-Albums „When Will We Surrender“ und damit einer der größten bandinternen Hits.

Haben Hundredth jetzt dem Headliner die Butter vom Brot genommen? Eher nicht. Zwar hat sich der hintere Bereich des Exils etwas geleert, vor der Bühne findet man jedoch nach wie vor kaum Platz. „Nothing, Save The Power They’re Given“ ist einer der starken Songs des Debüt-Albums von BEING AS AN OCEAN und beinhaltet alles, was diese Band ausmacht. Vielschichtige Gitarrenarbeit, im generellen ein ausgeklügeltes Songwriting, rauer Schreigesang und Clean-Vocal-Passagen. Als Anheizer funktioniert die Nummer immer gut. Doch auch beim zweiten Song „The Hardest Part Is Forgetting Those You Swore You Would Never Forget” sind gefühlt die ersten 10 Menschenreihen voll dabei. Spätestens jetzt dürfte auch denen, die es nicht mitbekommen haben, klar werden, dass BEING AS AN OCEAN ganz schön am Personalrad gedreht haben: An Bord sind nun ein neuer Drummer und als für die Clean-Vocal-Passagen zuständiger Gitarrist bereits erwähnter Michael McGough (ehemals bei The Elijah), der nun die vielleicht eingängigste Passage des letzten Albums trällert. Für meinen Geschmack ist da, genau wie bei seiner ehemaligen Band, etwas zu viel Pop-Geschnulze mit im Spiel. Umso gespannter kann man sein, wie wohl das bald erscheinende neue Album „How We Both Wondrously Perish“ im Vergleich zu der vorangegangenen Veröffentlichung ausfallen wird. Mit neuem Longplayer werden BEING AS AN OCEAN im Übrigen auch Teil des letzten Summerblast Festivals sein, genau wie Hundredth mit ihrer neuen EP. Dass beide in der Moselstadt extrem gut ankommen, zeigt der heutige Abend eindrucksvoll. Mit „The People Who Share My Name“ wird dann gegen Schluss des Sets auch ein neuerer Song gespielt, der nicht auf dem Album zu finden ist. Allerdings wurde dieser ja auch vor den Besetzungswechseln geschrieben, weshalb man ihn vielleicht nur bedingt als Richtungsweiser ansehen kann. Nach bereits 6 Liedern ist dann scheinbar schon Schluss. Warum BEING AS AN OCEAN dann ellenlang abwarten, bevor sie ihre Zugabe geben (etliche Konzertbesucher sind nun schon aus dem Exil verschwunden), das verstehe wer will. Extrawurst nur für die eingefleischten Fans? Keine Ahnung. Seltsam. Insgesamt jedoch auch mit Verlängerung ein ziemlich kurzes Set für einen Headliner, aber nach 8 Bands bin ich ihnen nicht sauer.

Alte Kommentare

von ike 11.03.2014 14:02

Bis zu BAAO kann ich allem zustimmen, aber deren Auftritt war ein Witz. Was interessiert es denn, wieviele Bands vorher gespielt haben? Als Headliner ne 30min Nummer ist einfach zu kurz und die Zugabe wirkte eher erzwungen als gewollt. Fand den Auftritt dazu echt schwach, wobei ich mich mit dem unsäglichen Cleangesang einfach nicht anfreunden konnte, aber das ist natürlich nur meine subjektive Meinung. Mich konnten sie jedenfalls nicht als neuen Fan gewinnen, der Rest vom Abend war dafür umso besser!