01.05.2007: Ignite, Death By Stereo, Burn The 8 Track - Köln - Underground

 


Ahnen konnten wir es schon vorher, doch die Bestätigung bekommen wir erst beim Eintreffen im Underground: „Ignite – Today: Sold Out“ prangt in zackigen Lettern auf einem Fetzen Papier vor einem gnadenlos überfüllten Biergarten. Und es ist deutlich zu sehen wer keine Karten hat. Die Langgesichter wissen es genauso wie die Grinsgesichter die lässig ihre Karten herzeigen („Shake it like a polaroid picture!“). Die Vorfreude ist nicht zuletzt wegen der zunächst abgesagten Tour schon jetzt, vor dem ersten Powerchord deutlich spürbar.
Das ganze Ausmaß der menschlichen Schwemme steht dem noch immer freundlich gestimmten Tourmanager ins Gesicht geschrieben. Da ist Freude weil so viel los ist, und da ist ein Haarraufen weil selbst Labelbedienstete ob des biblischen Ausmaßes der Gästeliste gestrichen werden mussten.

Da der Kollege Utecht und meine Wenigkeit neben fast schon an Suggestivkraft grenzenden Einfluss auch noch unwiderstehlichen Charme zu unseren Eigenschaften zählen können gibt es trotzdem ein Review. Auch wenn die Chancen zunächst denkbar ungünstig standen.
Bis jedoch die richtigen Leute gefunden und die nötigen Abmachungen getroffen werden konnten verrinnt die Zeit schnell. Leider sind aufgrund der Menschenmassen BURN THE 8 TRACK nur durch einige Dezimeter Beton zu hören. Aber trotz Steinfilter klingt die Chose ganz ordentlich… Okay, war nur ein Scherz, kein Review von „durch die Wand“.

Nach kurzer Schleusung seitens des Tourmanagements (Danke!) sind wir jedoch pünktlich zu DEATH BY STEREO vor der Bühne. Wie schon auf dem Groezrock ein paar Tage zuvor eröffnet „No Shirt, No Shoes, No Salvation“ den metallischen Schlagabtausch a la DEATH BY STEREO. Ein wenig scheint das Publikum auf so was wie ein Startzeichen gewartet zu haben, denn es gleicht überraschter Verwirrung wie sie da stehen, die Menschen. Doch nach kurzer Orientierungsphase zünden die Kerzen, und ein kontinuierliches, angenehm kickbox- freies Moshen beginnt. Doch Sänger Efrem Schulz ist das nicht genug. Er ist gut drauf heute Abend. Zu Song zwei sieht es sich genötigt der bequem am Rand auf leicht erhöhter Position platzierten Damenschaft ein wenig ins Gesicht zu schreien. Großartig mit welchen Grimassen danach direkt auf der Tanzfläche neu Position bezogen wird. Und so geht es weiter, von links nach rechts einmal quer durch die temporäre Behausung und schon ist das Eis gebrochen. Ab hier wird abwechselnd gemosht, mit dem Zeigefinger die Luft durchlöchert und mit geschrieen was die Biologie hergibt. „Let Down And Alone“ , „I Wouldn `t Piss In Your Ear If Your Brain Was On Fire“ sind wie eh und je wahre Brecher vor dem Herrn, während die Song aus der „If Looks Could Kill, I `d Watch You Die“ mit thrashigem Hardcore- Charme bestechen. „Wasted Words“ markiert den unumstößlichen Schlusspunkt des Quintetts, und glücklich werden sich im Pit dank überzeugender Leistung von Publikum und Band die Hände geschüttelt.

Nach einer kurzen Umbaupause geht’s mit den Headlinern des Abends weiter. Zoli Teglas und Band beginnen Stilecht und unter großem Jubel in den mittlerweile arg gequetschten Menge mit „Bleeding“ für Action zu sorgen. Doch leider macht sich schon zu Beginn des Sets bemerkbar, dass Zoli nicht voll bei Stimme ist. Zwar trifft er jeden Ton ohne Probleme, lässt jedoch längere Passagen als sonst vom Publikum übernehmen. Trotzdem ist die band gut drauf, zeigt feine Bühnenpräsenz und angenehme Ansagen, die schon fast als Reden zu bezeichnen sind, runden das positive Gesamtbild ab. Spätestens als Zoli den Sänger der ersten Combo dieses Abends für einen gut gefeierten Song auf die Bühne bittet wird klar: Gesund und munter ist etwas anderes. Zwar kommen „Embrace“, „Run, Run, Run“ und „Veteran“ sowie „Sunday, Bloody Sunday” gewohnt hochkarätig in den Gehörgang, doch Zoli mit teilweise schmerzverzerrtem Gesicht beim Singen zuzusehen ist tut fast schon selber weh. Trotzdem gibt es sogar eine Zugabe, und Zoli verspricht, nach einer Speiseröhren- Op oder Ähnlichem, zwei Stunden für das Kölner Publikum zu singen. Verdient hätte es das, so textsicher wie die Anwesenden mitgegangen und in brütender Hitze und Enge ausgeharrt haben. Im nächsten Jahr auf jeden Fall gerne wieder. Wie bei diesem Line- Up eigentlich nicht anders zu erwarten eine klasse Show.