01.08.2014: Weezer, Waters, Saint Motel - The Chelsea - Cosmopolitan, Las Vegas

 

Zunächst ist es nur lustig - der Mikroständer auf der Bühne wackelt ein bisschen hin und her. Kurze Zeit spaeter fuehlt man sich wie auf dem Bahnsteig, wenn ein schwerer Güterzug vorbeirauscht. Dann jedoch schuettelt das auf- und abspringende Publikum den Fussboden des Chelsea derartig durch, dass manche der weitaufgerissenen Augen von Begeisterung auf Panik umspringen. Ein Grossteil der Besucher im riesigen Venue, welches in atemberaubender Superlativ-Manier aus der hinterletzten Ecke des "Cosmopolitan"-Hotels entspringt, ist zum Zeitpunkt von "Keep Fishin'" allerdings eh zu betrunken um den Unterschied zwischen Alkohol- und rein physikalischem Einfluss herauszufiltern. Hoffentlich haelt der Fussboden.
"It's your friends from L.A. - Weezer!" sind die ersten Worte, die Rivers Cuomo heute an den Saal richtet, nachdem er sich persönlich und mit neonfarbenem Sicherheitshelm ausgestattet dem Soundcheck angenommen hat. Nur vereinzelte Shows stehen auf dem Plan der kalifornischen Powerpopband, bevor es mit "Everything Will Be Alright In The End" Ende September Ernst wird.



Bei aller Vorfreude auf das Hit-Potpourri bleiben sowohl die sympathischen Flowerpopper von WATERS aus San Francisco als auch die eher discotrunkenen SAINT MOTEL fast links liegen. Schon zu frueher Stunde besteht die dritte Hoteletage, die das Chelsea im hinteren Teil beherbergt und nur Sekunden von der Zocker-Hoehle entfernt liegt, eigentlich bloss aus einer einzigen Menschenschlange. Mit Einlass in den Edel-Saal wird klar warum: Die Halle fasst knapp dreitausend Fans, die vom eroeffnenden "My Name Is Jonas" ueber das beinahe zweckmaessig vorgetragene "Troublemaker" bis hin zum Dezibel- und Stimmungsrekord "Bevery Hills" kaum vorbildlicher gelaunt sein koennten. Es bedarf kaum intensiverer Ansagen oder uebermaessiger Publikumsinteraktion - WEEZER behalten mit forscher Tightness und einer Verfolgungsjagd an Hits von 1994 bis 2014 ihr Eisen im Feuer. Das beinhaltet die vollkommenen Harmonien zu "Island In The Sun" sowie die glasklare Hauptstimme von Bassist Scott Shriner bei "Dope Nose" genauso wie das uebergrosse "Say It Ain't So", bei dem sich angereiste Studenten ebenso in den Armen liegen wie das Ü-30-Paerchen im schicken Abenddress. WEEZER? Verbindet. Heute in Las Vegas vor allem Generationen und Musikliebhaber verschiedenster Sparten, Herkunftslaender und Promillelevel. "Back to The Shack" bleibt in der Setmitte auch live der einzige, aber gluehende Vorreiter aufs neue Album. "Hash Pipe" groovt frueh durchs Set, "Pork And Beans" erst spaet aber mit extra Hackengas und "Photograph" klingt als pompoeses Finale aus.



Cuomo und Shriner spielen Instrumentenroulette mit ihren Kollegen Brian Bell und Patrick Wilson, der die Trommelstoecke grosszuegig gegen Cuomos Stratocaster tauscht. So unauffaellig wie die vier Musiker die riesige, aber kahl und unscheinbar wirkende Buehne betreten haben, lassen sie sie nach gut achtzig Minuten auch zurueck. Warm und stetig hat lediglich das uebergrosse "W" ueber dem Schlagzeugpodest aufgeblinkt und mehrere tausend Beinpaare zum Huepfen angestiftet.
Nach "Undone" verbleibt einzig "Buddy Holly", um vielleicht doch noch ernsthaften Schaden am Gebaeude anzurichten. Dann pumpt sich die Menschenmenge gespentisch schnell aus dem prunkvollen Chelsea - fuer das lokale Punkerkid soll das die Nacht ebenso wenig gewesen sein wie fuer den eigentlich desinteressierten Schampus-Anwalt in der privaten Balkonbox. Einen erstklassigen Auftakt allerdings haben WEEZER alle Mal hingelegt - und mit Bierpreisen um die fuenfzehn Dollar sicherlich sogar fuer ein vorruebergehendes Abklingen des Exzesstourismus gesorgt.