01.10.2013: Seahaven, The Story So Far - Cassiopeia, Berlin

01.10.2013
 

 



Ich erinnere mich, als mir eine Freundin von einem BRAND NEW Konzert erzählte. Sie hätte den Drang verspürt, auf die Bühne zu gehen und Jesse Lacey zu umarmen, ihm zu sagen, dass alles einmal gut wird. So sehr habe er gelitten. Ich musste daran denken, während SEHAVEN ihr Set begannen. Man sah Sänger Kyle Soto an, dass ihm das alles nicht ganz so leicht fällt. Das Unwohlsein, es stellte sich ein, als SEAHAVEN ihr Set begannen. Wie gewohnt für eine Ami-Band beherrschte man Instrumente und Songs perfekt. Einzig Sänger Soto ließ diverse Passagen der Tracks - vielleicht - bewusst aus während er andere in sich gekehrt mit geschlossenen Augen flüsterte. Es könnte sein, dass dies alles ein bisschen zu intim war, dass "Head In The Sand (Blinding Son)" zuviel Kraft abverlangte oder, dass er vielleicht nur erschöpft war.
Aber was bringt das fachsimpeln? SEAHAVEN waren wie die kleinen BRAND NEW und boten ein Set, welches simpler nicht hätte sein können, dadurch aber auch nicht packender: "Black & White", der schizophrene 'Hit' könnte teils von Lacey persönlich geschrieben sein und erfüllt live alle Erwartungen. Die Wucht die das Schlagzeug transportiert stellt das Gerüst für das gesamte Set. Während "Cobarde" sieht man kurz den traurigen Blake Schwarzenbach und doch gibt Soto sich selbst die Freiheit, dank unfassbarer Ausstrahlung, ein originelles, intimes, großartiges Set zu spielen. Es war hoffentlich nicht der letzte Besuch von SEAHAVEN in Deutschland.

Dann ging alles relativ schnell. Eine kurze Umbaupause, 5 Typen auf der Bühne, die ersten Töne und schon stand das Cassiopeia kopf. Viel Bewegung, Stage Dives ohne Ende und ein ziemlich textsicheres Publikum. Dabei reihten THE STORY SO FAR Hit an Hit und und kehrten die Atmosphäre, die SEAHAVEN errichtete, ins Gegenteil. Kein Leid, keine Depression - hier sorgte man für strahlende Gesichter in jeder Ecke. Es wurde sich höflich bedankt, mehrfach entschuldigt, dass die Stimme so im Eimer sei, eine Krankheit ist schuld. Im Endeffekt aber egal - das Publikum half perfekt aus. Ein kurzer Zwischenfall von einem Typen der sich auf der Bühne ausziehen wollte und dann ging es weiter. Die Frage ist, wie das musikalisch überhaupt passt. SEAHAVEN in ihrer konzentrierten Trauer und THE STORY SO FAR mit dieser Spielfreude und diesem absoluten Tempo. Spaß gemacht haben dennoch beide Bands, wobei SEAHAVEN für mich persönlich den absoluten Nachhall für sich behaupten können.