01.12.2012: The Bones, Stars Of The Silverscreen - Faust, Hannover

 

Ein fast nostalgischer Abend im Siegertreppchen--Gewand: THE wer? Die touren doch schon ergrauten Hauptes! Und das nicht zu knapp. Zumindest dort, wo man noch Haare sieht. Bei Spooky Fred ist das nicht der Fall. Der Glatzkopf trommelt wie ein Uhrwerk auf Metamphetamin durch "Home Sweet Hell" und "Screwed, Blued And Tattooed", ist nicht unschuldig am monströsen Sound in der Konzerthalle und der passend unspektakulären Show seiner Band THE BONES, die Deutschland als lohnenswerten Zweitwohnsitz eintragen könnte.
Mit Frontmann Boner, dem das würdevolle Altern in einer Rock´N´Roll-Band am ehesten anzusehen ist, Beef Bonanza unter schützender Sonnenbrille und Andi Nero mit fest verwachsenem Cowboyhut agiert die Band aus Karlskrona heute fast als Klassentreffenmagnet: Haargegelte Herren liegen sich bei "Hate" in den Armen, brüllen und prosten lauthals zu Songs der aktuellen Platte "Monkeys With Guns" wie "Wendy" und "Shooting Blanks". Und es wären nicht THE BONES, wenn sie sich nicht mit den wichtigen zwischenmenschlichen Themen auseinandersetzen würden: "Seid ihr alle auch besoffen? It´s a Friday... - no, a Satuday night!" Keine Sorge, Hannover arbeitet sich bereits hoch.


Geht leider bloß der dritte Platz des Siegertreppchens an den jungen Support von STARS OF THE SILVERSCREEN und ihrem klassischen, aber unaufgeregten Kotelettenrock, so fühlt sich der Abend mit jedem losgelassenen Songpaket des Hauptacts gesünder und lebendiger an: "Flatline Fever" zum fleißig mitwippen, "Denial" zum ausklinken und nach vorne drängeln im Endspurt oder "Half Of Nothing" um (natürlich) innig und nüchtern der Liebe zu gedenken.
Für THE BONES und ihren Backcatalogue keine Schwierigkeit, ein sechzigminütiges Set schier lücken- und stimmpausenlos mit Hits zu füllen - so wollen es die chrom- und alkoholverliebten Skandinavier auch heute in die hiesigen Bühnenbretter meißeln. Gitarrist Beef wartet mit persönlichem Bier-Sklaven für den Eigengebrauch auf, der sonst grimmig am Bühnenrand festklebt und nur gelegentlich verwirrte Stagediver von der Bühne bitten darf. Platz zwei für dieses herzlose, aber überlebenswichtige Jobangebot und dessen Sitz im Nightliner, welcher noch heute Nacht seinen Weg gen Heimat antreten wird. "Gazoline Business" erinnert nochmal in Songform ans empfohlene Mittel gegen Langeweile - "Smile Of The Cobra" rückt die gut gefüllte Faust erneut zusammen.
Haben sich THE BONES auch Zeit zwischen ihren letzten Studioalben gelassen, "Goddamnit, You Said It..." aus hunderten Kehlen erklärt, dass die vier Herren noch lange nicht von irgendeiner Favoriten-Liste gestrichen wurden. Mögen die Fähr-Fahrpläne oder die anstehende Feiertagsidylle Schuld sein - der Blick auf die Uhr wirkt beinahe illusorisch, als um 22.15 Uhr der Hammer fällt.
Noch schnell der mutigen Ananasfrucht, die den ganzen langen Abend über wacker ihre Stellung vor der Bassdrum gehalten hat, zu ihrem verdienten ersten Platz gratulieren und auf dem Weg nach Hause bloß nach keinem "warum" fragen. "It's True: All You Gotta Do, Is Fill My Tank With Booze...“ So wird am Ende noch ein Schuh draus.