01.02.2017: ARKELLS, FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS - Vancouver - Thunderbird Stadium

 

FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS prangte es einige Tage vorher noch in groessten Lettern von der Tafel des Warfield in San Francisco. Klein und verloren darunter ein anderer Bandname zu lesen: ARKELLS. Ab dem heutigen Abend hat das Tourgespann die kanadische Grenze ueberquert und der Spiess dreht sich: Der lange, schmale Barde aus Grossbritannien eroeffnet den Abend viel zu frueh und in einer viel zu leeren, riesigen Mehrzweckhalle inmitten des immensen Campusgelaendes der University of British Columbia. Seiner tighten Band und dem Elan von Stehaufmaennlein FRANK TURNER tut das wenig, nur gehen die geballte Energie und ein Grossteil der intimen Waerme von TURNER's Songs in dem kahlen Venue beinahe verloren. Der Mix auf der Setlist zieht sich durch die mittlerweile reichhaltige Diskographie des Briten, der die Tour mit seinen neuen Freunden aus Hamilton sowie Teilsupport von JOHN K SAMSON wirklich zu geniessen scheint. Mit Verlaub gesagt ist das "Thunderbird Stadium" eher ein Witz als ein Veranstaltungsort: Die Halle ist kalt, es zieht, das Minibier im Plastikbecher kostet mehr als ein Mittagessen in der Sushi-Bar. Nach lediglich vierzig Minuten geben sich die SLEEPING SOULS und FRANK TURNER geschlagen. Der Wunsch nach dem Charme des auf der letzten Tour Turner's besuchten Venues in Vancouver - dem "Commodore Ballroom" wird nicht nur einmal geaeussert: Selbst der kanadische Headliner versucht Anteilnahme und Atmosphaere anzuzetteln, wirkt aber dennoch keinesfalls verloren oder schuechtern.

 

Was fuer ein unfassbar langer Tag bereits hinter den ARKELLS liegt - spielte die Band doch zuvor zwei Akustikshows plus Radio-Performance - ist nicht ansatzweise zu vernehmen. "A Little Rain" und "Hey Kids!" sind voll da, auschgeschlafen und feierbereit - das Rundumpaket aus Publikumsinteraktion und erstklassigem Livesound fest verschnuert. Mit seiner lupenreinen und intensiven Stimme wusste Max Kerman zuvor schon in kleinem Rahmen und zur Akustikgitarre zu begeistern, hier gibt er den perfekten Entertainer, Taenzer und Sunnyboy in einem. Das macht enorm Spass bei "Never Thought That This Would Happen" wie auch bei der Soloperformance in der Menge zum Slackerpop von "Drake's Dad". Die Backgroundchoere klingen wie bei den Supremes - scharf und tonal einwandfrei. Nicht mal die aktuellen Singles "Private School" oder "My Heart's Always Yours" kommen cheezy daher, der 500%igen Sympathie auf der Buehne sei Dank. Legt Nick Dika heute wirklich sein erstes Crowdsurfing hin? Unwichtig. Werden FRANK TURNER's Rock'n'Roll-Kenntnisse seinem selbstauferlegten Doktortitel gerecht? Die ARKELLS bitten ihren Support zur Springsteen-Karaoke. Spaetestens "Hungry Heart" beweist: Hier hat niemand gemogelt. Dann sollen die "dancing shoes" nochmal gluehen, meint Kerman.  "Dirty Blonde", "Hung Up" und  "11:11" beseitigen moegliche Zweifel, ob die ARKELLS in der Oberliga der kanadischen Livebands mitmischen. Die Zugabe ist mehr als offensichtlich, denn auch die junggebliebene Mutti aus dem Vorort will zu "Leather Jacket" nochmal alles geben auf dem Rang. Links ist der Nachbar aus unerklaerbaren Gruenden nicht vom Handybildschirm wegzubewegen, rechts faellt ein uebermuetiger Fan tanzend und kreischend die Treppe herunter. Hundert Minuten spaeter: Die ARKELLS haben abgeliefert. Alles. In Reinform. So ueberlebt man in Krisenzeiten.