02.10.2013: The Dillinger Escape Plan, Maybeshewill, The Hirsch Effekt - Karlsruhe - Substage

 


3 Bands und zugleich 3 Live-Premieren für mich an einem Abend. Natürlich hatte ich THE HIRSCH EFFEKT mit ihrem zurecht hochgelobten letzten Album "Anamnesis" schon länger auf dem Schirm und selbstredend sind auch THE DILLINGER ESCAPE PLAN mir seit ihrer Zeit auf Relapse Records ein Begriff, aber live hatte ich bisher jeweils noch nie das Vergnügen.
Um 20 Uhr sollte es losgehen, als ich 19:55 Uhr den Substage betrat, standen THE HIRSCH EFFEKT schon auf der Bühne in einem noch sehr spärlich besuchten Substage. Später bekam ich mit das gegen 20 Uhr einige Leute vor verschlossener Tür standen und da die Kasse an diesem Abend in den Konzertraum verlegt wurde, blieb das für kurze Zeit auch unbemerkt. Der Platz vor der Bühne füllte sich so erst zusehends während des Sets von THE HIRSCH EFFEKT. Das Trio machte einen gut gelaunten frischen Eindruck und legte ein soliden Auftritt hin, wobei ich im Nachhinein den Eindruck hatte, dass man sich für diesen Abend, die etwas zugänglicheren und weniger vertrackten Songs ausgesucht hatte. THE HIRSCH EFFEKT wurden am Ende jedenfalls von den Anwesenden mit mehr als nur wohlwollendem Applaus verabschiedet.
Im Anschluss betraten MAYBESHEWILL aus Leicester die Bühne, welche im Gegensatz zu THE HIRSCH EFFEKT die komplette Europatour von THE DILLINGER ESCAPE PLAN als Support fungieren. Die folgenden 45 Minuten nahmen MAYBESHEWILL die Zuhörer mit auf eine Reise durch das Universum ihres instrumentalen Post-Rocks. Wunderschöne Melodiebögen in den Gitarrenriffs lassen einen träumen und in den Klängen der Gitarren oder des Keyboards ist man versucht zu versinken bevor im nächsten brachial und nach vorne treibende, wie ein plötzlicher Sturm, Gitarren rhythmisch brachial losbrechen. Absolut ergreifend und mitreissend. Hoffentlich sehen wir MAYBESHEWILL bald wieder.
Nun machten sich alle bereit für das Quintett aus New Jersey. Der Platz vor der Bühne war nun komplett gefüllt und man konnte sich nur wundern, wo plötzlich die ganzen Leute herkamen. Ein großes Banner hinter der Bühne, zwei Leinwände für Videoinstallationen bildeten mit jeder Menge zusätzlicher Beleuchtung den Rahmen für das was nun folgen sollten. Mit basslastigen Beats, startender Videoinstallation und grellem im Takt zu den Beats pulsierendem Licht inkl. mehrerer Stroboskoplampen, welche von der Bühne direkt auf das Publikum gerichtet wurden, ging es los, bevor kurz darauf THE DILLINGER ESCAPE PLAN die Bühne betraten und mit "Prancer", der Opener des aktuellen Albums " One Of Us Is The Killer", starteten. Wer nun dachte das Licht würde nun auf die Lampen oberhalb der Bühne wechseln, um die Band und Bühne zu beleuchten, sah sich getäuscht. Das komplette Set wurden ausschließlich die zusätzlich rechts und links am Bühnenrand und hinter dem Schlagzeug platzierten Spots verwendet, um Frontal ins Publikum zu strahlen. So war schnell klar, das würde heute ein Ereignis, welches intensiv mehrere Sinne beanspruchen würde. Der nicht gerade leicht verdauliche Mathcore gepaart mit grellem und pulsierendem Licht, war somit für Ohren und Augen ein Trip am Rande des Wahnsinns. Das Publikum vor der Bühne und vor allem Gitarrist und Mastermind Ben Weinman und Sänger Greg Puciato sind fortan kaum zu halten. Keine Gitarren- und Bassbox oder das Schlagzeug sind vor Ben sicher. Er lässt sich stehend durch das Publikum tragen, während Greg das Funkmikro kurzer Hand einem Stagediver im Publikum auf 3-4m zu wirft, dieser singt textsicher den Song weiter und wirft das Mikro einige Takte später zu Greg so zielsicher zurück, so dass dieser direkt weitersingen kann und man fast den Eindruck bekommen könnte, dass es sich um eine einstudiertes Ritual handelt. Zwischen den Songs wird kaum gesprochen, ein kurzes Dankeschön, die Ankündigung des nächsten Songs, mehr nicht. Der Hauptaugenmerk liegt auf den Songs der letzten beiden Alben, aber man hat an diesem Abend den Eindruck, dass jeder Song begeistert aufgenommen wird, egal aus welcher Epoche des Schaffens er kommen mag. Mit einem klaren, druckvollen Sound ausgestattet präsentieren sich die Jungs technisch auf den Punkt, auch wenn das bei Bens Hyperaktivität nur schwer vorstellbar erscheint.
Nach gut einer Stunde verabschieden sich DILLINGER ESCAPE PLAN mit "43% Burnt" von der Bühne, um kurz darauf mit "Gold Teeth On a Burn" und "Sunshine The Werewolf" noch einmal für 2 Songs zurückzukommen. Nach dem Sänger Greg während der letzten Takte den Mikro Ständer in das Schlagzeug geworfen hat und Schlagzeuger Billy darauf den Rest, des noch nicht abgeräumten Schlagzeugsets, umwirft, ist klar, dass es keine weitere Zugabe geben wird. Nach 75 Minuten endet eine brachiale leidenschaftliche Show, anstrengend einerseits, aber dennoch eine der aussergewöhnlichsten und besten Livebands, die ich seit sehr langer Zeit sehen durfte. Das Gesehene und Gehörte muss erstmal verdaut werden, aber eines ist sicher, ich werde wiederkommen, den es war einfach nur großartig. Letztendlich sorgten aber auch die Supportbands an diesem Abend dafür, dass es ein herausragendes Konzert war, das einem in Erinnerung bleiben wird.