02.12.2011: The Xcerts, Frank Turner - Postbahnhof, Berlin

 



Es scheint fast so, als hätte FRANK TURNER es geschafft. Mit jedem Release wurden die Venues größer, die Shows professioneller, das Auftreten sicherer. Doch die entscheidenden Werte blieben: Diese Sympathie, das grundsolide Auftreten und natürlich das mehr als großartige und simple Songmaterial des Herren. Auf seiner derzeitigen Europa-Tour macht Frank Turner und seine Band also Halt im ausverkauften Postbahnhof Berlin.

Doch nach der Reihe. Der Support namens THE XCERTS ist auf der gesamten Tour mit dabei und wo man eigentlich denken könnte, dass so ein Toursupport es denkbar schwer hat für Frank Turner zu eröffnen, weil ja nunmal (fast) alle für den Hauptact da sind, weiß der augenscheinlich sehr junge Dreier trotzdem selbstsicher zu punkten. Das liegt nicht zuletzt an dem klaren Sound, der den gesamten Abend vorherrschen soll. So vergeht die halbe Stunde an dem Abend leider viel zu schnell, dafür passiert aber doch eine Menge. THE XCERTS spielen irgendwie eine Mischung aus der zweiten Emo-Generation, dreckigen und puren Rock sowie einem Fitzelchen druckvoller Intensität. Manche Songstellen lassen selbst die Thekengespräche für eine Sekunde leiser werden, weil der Schlagzeuger es vermag Atmosphäre mit der eingängigen Stimme des Sängers zu vermischen und so einen fast hypnotischen guten Emo-Moment zu zaubern. Das konnten zuletzt jene Bands, die vor Silverstein und co. mal das sagen hatten! Hier sollte man eventuell mal ein Auge drauf halten. Sehr guter Support.

Was danach kommt ist das, was man wohl eine typische 'Weiterentwicklung' nennt. Eine gut gekleidete Band, ein Frontmann der sympathischer und verschmitzter gar nicht über die gegebenen Umstände grinsen könnte: Da lacht auch das Fanherz gleich mit! Begonnen wird passend mit der QUEEN-Hommage "Eulogy", gefolgt vom flotten "Try This At Home". Er geht auf Nummer Sicher, was er eben auch darf. Das großartige "The Road" folgt, dazwischen schleicht sich endlich Tiefgang in Form der nahezu genialen Heimweh-Hymne "I Am Disapeared". Schön auch, dass Frank Turner, erstmal eine Hand voll songs spielt, bevor er mit dem Publikum kommuniziert. Kein dämliches 'best show on this tour'-Gerede, viel eher aufrichtiges Bedanken, gefolgt von einer willkommenen Mischung aus allen drei bislang veröffentlichten Studio-Alben. Mit dem schönen "Rock N' Roll Romance" schleicht sich sogar eine B-Seite ins Set, die zwischen den meist schnelleren Songs ebenfalls für Tiefgang und etwas Ruhe sorgt. Aber ansonsten? Frank Turner versteht es, den sympathischen Entertainer zu geben, ohne sich komplett zum Horst zu machen. Zwar mag das QUEEN-Cover am Ende des regulären Sets streitbar sein, aber diese selbstironische Aufführung, das ungeübte Getanze und auch diese sympathisch sichtbare Unsicherheit ohne den Schutz einer Gitarre über die Bühne zu schlendern zeichnen FRANK TURNER heute Abend mal wieder aus. Nach 90 Minuten fast durchgängiger Gänsehaut wegen dieser tollen Stimmung und den großartigen Songs, könnte ich mir vorstellen, dass es damals bei diesem Typen aus New Jersey ähnlich vor sich ging. Dieses kontinuierliche Wachsen, die Bodenständigkeit, die Sympathie mit angekratzter Stimme trotzdem alles zu geben: FRANK TURNER kann, muss und wird mit aller Sicherheit noch größer werden, damit die gesamte Musiklandschaft wenigstens einen Sympathieträger mehr auf seiner Seite hat. Großartig.

Alte Kommentare

von jensen 06.12.2011 08:12

Schöne Kritik! Von mir aus darf er gerne einer der ganz großen Rockstars unserer Zeit werden. Klingt vielleicht unrealistisch - aber nur für jemanden, der ihn noch nicht live erlebt hat.