02.8 - 04.08.2007: Wacken Open Air - Wacken

 

Es war einmal ein kleines verschlafenes Dorf in Norddeutschland, das mehr Kühe als Einwohner zählte. Bauer Tredes Kühe grasten friedlich auf unberührten saftig grünen Äckern, kurzum – das Leben war noch in Ordnung. An jenem Tag im August 1990 sollte diese Idylle endgültig zerstört werden, langhaarig und schwarz gekleidet nahmen sie Einzug – die Metaller waren da!

18 Jahre später - Münster, 31.07.2007:

Schnell wurden die letzten Vorbereitungen getroffen, wir versorgten uns mit allem mehr oder weniger lebensnotwendigen – Dosenfutter, Fertiggerichte und natürlich jede Menge Gerstensaft. Nachdem auch der Rest unserer Reisegruppe in Münster eingetroffen war, feierten wir noch eine kleine vor-Wacken-Party, denn schon morgen wollten wir, wie auch viele tausend andere Metaller, Richtung heiligem Acker pilgern.

Münster / Wacken, 01.08.2007:


Petrus war uns nicht gut gesonnen - im Minutentakt erreichten uns schreckliche Neuigkeiten – der heilige Acker solle unter Wasser stehen und damit unzählige Metaller für das erste August Wochenende heimatlos machen. Dennoch ließen wir uns nicht entmutigen, zeigte der Himmel doch heute so ein strahlendes Blau und so kam es, dass wir gen Mittag mit voll geladenem Bus los fuhren. Der erste Teil der Reise verlief Problemlos und unsere Herzen schlugen höher als uns immer häufiger Autos mit dem Schriftzug „W:O:A“ überholten – ja wir kamen unserem Ziel immer näher! Sollte unsere Reise wirklich so problemlos verlaufen? „Nein“ dachte sich der Verkehrsfunk und prophezeite uns 18 Kilometer Stau (wie passend, da es schließlich das 18 Wacken Open Air war…).Zum Glück erhielten wir einen Insider – Tipp, der uns den größten Teil des Staus ersparte, so fuhren wir über Landstraße parallel zum Stau, bis auch hier nichts mehr ging und die Autos sich schon mehrere Kilometer vom Ziel nur noch meterweise nach vorne bewegten. Was war hier los? Das man mal ein Weilchen im Stau stand, kennt man ja bereits, das war die Jahre zuvor selten anders gewesen. Da ging es aber immer wenigstens weiter – wenn auch langsam. Heute bewegte sich mal eine Stunde lang gar nichts, dann ging es 200m weiter, dann wieder Stillstand. Wir nahmen es gelassen – vorerst zumindest, denn im Stau kann man für gewöhnlich auch schon mal gut Party machen, und da das Wetter weiterhin hielt, was es am morgen versprochen hatte, blieb die Laune auch gut. Doch auch das sollte sich ändern – es wurde immer später und später, aber trotzdem näherten wir uns unseren Ziel immer nur in sehr kleinen Stückchen, und spätestens, als es zu dämmern begann sank die Laune merklich (vor allem von mir und unserem 2. Fahrer - man bemerke dabei: Wir warn gegen Mittag losgefahren und normal sind es nicht viel mehr als 4 Stunden Fahrzeit…mittlerweile saßen wir geschlagene 8 Stunden im Auto.). Endlich ging es ein großes Stück weiter – die Polizei lotste uns wieder auf die Autobahn – auch gut, die wissen scheinbar was sie da taten – wir fuhren jedenfalls als eine der ersten auf eine wie ausgestorben leere Autobahn, um sie bei der nächsten wieder zu verlassen und über eine Umleitung in den nächsten Stau fuhren – na toll. Dieser erwies sich aber zum Glück als nicht so lang, und außerdem ging es hier wenigstens voran. Nach ca. einer weiteren Stunde wurden wir dann auf einen vermeidlichen Campingplatz geleitet – es hieß, wir sollten unsere Autos hier parken und unsere Sachen auf einen der nicht befahrbaren Campingplätze schleppen. Ähm ja – ok – und as war aus unserer Reservierung geworden?? Und – wo zu Hölle waren wir hier überhaupt? Von einem Steward, der das ganze wohl auf die leichte Schulter nahm und zum Glück kein wenig genervt war (Achtung – Ironie) erfuhren wir dann, dass wir auf P gelandet waren – auf gut deutsch – am Arsch der Welt. Da ich Wacken mittlerweile ein wenig kenne, beschloss ich sofort kehrt zu machen und es über den anderen Eingang zu versuchen, um wenigstens etwas weiter nach vorn zu kommen. Die Reservierten Plätze hatten wir uns mittlerweile abgeschminkt, aber wir wollten nicht von unseren Autos getrennt zelten, da wir geplant hatten, im extra dafür gemieteten Bulli zu schlafen. Gesagt, getan, wir fuhren also wieder runter und nachdem wir dem Polizisten erklärt hatten, warum wir wieder raus wollten, hatte er ein einsehen mit uns und ließ uns zur Haupteinfahrt durchfahren. Hierhin ging es sehr schnell voran, und schon bald sahen wir den Grund dafür das unsere Reservierungen geplatzt waren – der Platz war echt kaum zu befahren – zumindest wenn man nicht noch mal so ein Chaos wie 2005 haben wollte. So folgten wir den anderen Fahrzeugen, auf der Suche nach einem Platz, wo man am Auto campen konnte, Aber halt – wo wollte man uns denn hier schon wieder hinlotsen? Oh nein – nicht schon wieder P – von dort kam ich gerade… So langsam war es nun auch mit meiner Geduld am Ende, und ich fragte einen Steward, was das denn nun solle, und ob wir da nicht einfach den kleinen Hügel (der sah halbwegs befahrbar aus) rauf fahren könnten, und uns da niederlassen könnten. Dieser hatte anscheinend Mitleid mit uns und ließ unsere beiden Autos durchfahren (dieses war der Platz F wie wir nachher feststellten.). Oben wurden wir sofort auf einen schönen Platz gewiesen, wo wir uns sofort niederließen. Wir waren angekommen, nach 9 Stunden auf der Autobahn und im Stau. Mittlerweile war es schon dunkel, so dass wir beschlossen, unser Lager erst am nächsten Tag komplett aufzubauen und beließen es somit beim nötigsten. Der Mittwoch, den wir eigentlich zum Vorfeiern und genüsslichen voll laufen lassen geplant hatten war somit komplett für Autofahrt und Platzsuche draufgegangen. Später erfuhr ich, dass wir sogar noch glimpflich weggekommen waren. Viele standen über 8 Stunden allein auf der Autobahn um dann auf Reserveparkplätze(meist spontan dazu gepachtete und mal eben abgemähte Maisfelder) verfrachtet zu werden. Das Wetter hatte die Anreise wohl mehr als nur schwierig gestaltet – oder war es doch die Tatsache, dass mit Sicherheit einige Besucher mehr als erwartet angereist waren? Fakt ist, dass einige Flächen echt sehr übel aussahen, das offenbarte uns ein Rundgang am nächsten morgen. Gerüchten nach stand da Festival aufgrund des Wetters kurz vor der Absage – das Festivalgelände war nämlich noch ein paar Tage vorher ein einziges Schlammloch (2005 lässt grüßen).

Wacken, 2. August 2007:


Nach dem ganzen Chaos gestern, sah es an diesem Morgen um einiges besser aus: das Wetter versprach gutes und nach ausreichend Schlaf war in unseren Truppe auch kein genervtes Gesicht mehr zu sehen. Schon sehr früh begab sich ein Teil von uns auf den Weg in die Stadt um ein paar Sachen einzukaufen oder Presseausweise abzuholen. Dieses gestaltete sich 2007 nicht so schwierig wie das Jahr zuvor. Zügig ging es voran und binnen einer halben Stunde war alles erledigt – so hat man das gern. Wieder zurück waren die anderen auch aufgestanden und hatten schon damit begonnen den Rest des Lagers aufzuschlagen und einige verschollene zu uns zu lotsen. Gegen Abend ging es für mich das erste Mal gen Festivalgelände. Ich wollte mir gern die Jungs von TYR ansehen, die ich auf der letzten Tour mit Wintersun und Amon Amarth noch unterschätzt und deswegen immer verpasst hatte (mehr oder weniger absichtlich). Nachdem ich mich aber mit ihren Platten näher beschäftigt hatte, wollte ich sie mir doch noch mal live ansehen und begab mich somit auf den Weg zur WET Stage. Was sich dort für ein Bild bot, war aber alles andere als schön: Schon vor dem Zelt herrschte ein Gedränge, das fast kein durchkommen mehr war, man kam nicht mal zum Eingang des Zeltes. Ich dachte mir – Ok, bleib ich eben hier stehen und höre sie mir wenigstens an. Aber auch dies war nicht möglich – Sodom prügelten auf der Black Stage alles dermaßen in Grund und Boden, und das in einer Lautstärke die nichts anderes mehr zuließ. Na gut, vielleicht hab ich ja bei der nächsten Band im Zelt, Letzte Instanz, mehr Glück. Dem war aber nicht so, ganz im Gegenteil: Der Publikumswechsel, der ganz zwangsläufig stattfinden musste, ging auf eine Art und Weise über die Bühne, wie man es von einem Metal Festival nicht gewohnt war – es wurde geschubst und gedrängelt bis zum geht nicht mehr – hier und da fielen Leute einfach um – Kreislaufkollaps. Ich hatte effektiv genug für heute und machte mich gefrustet auf den Weg zum Camp zurück. Die Party da war jedenfalls besser als diese Überfüllung, so hoffte ich, das es morgen besser werden würde, und strich schweren Herzens sämtliche Bands im Zelt von meinem Plan – zum Glück waren dies nicht allzu viele.

Im Gegensatz zu Cynthia hatte ich das Glück erst am Donnerstag anzureisen und so jeglichen Stau zu umfahren. Nach kurzem Zeltaufbau und der ersten alkoholischen Stärkung des Tages ging es dann gegen 17 Uhr direkt auf das Gelände, wo man sich aufgrund versteckter Schlammlöcher und knietief getürmten Stroh nur schwerlich fortbewegen konnte. Doch trotz dieser Anfangsschwierigkeiten und zugesauten Klamotten schaffte ich es pünktlich zu dem Auftritt von THE SORROW zur Partystage, die bereits von vielen Heads belagert wurde. Als die Österreicher von THE SORROW die Bühne betraten, bot sich bereits ein sehr ansehnliches Bild vor der Stage und der Auftritt gab den Leuten genügend Gründe so früh anzutanzen. Tight und auf den Punkt gespielter Metalcore, der zwar sehr stark an Killswitch Engage erinnert, aber immer noch eine eigene Note aufweist, wurde dargeboten und beglückte die ersten Metaller und Bollo-Kids (kein Witz – selbst auf dem Wacken ist man vor solchen komischen Leuten nicht sicher). Nach einer viel zu kurzweiligen halben Stunde war leider Schluss und es bleibt die Erkenntnis, dass THE SORROW live im Gegensatz zu mach einer anderen band aus dem Genre, ihre Leistung von CD ohne Probleme auch Live darbieten können.

Im Anschluss an THE SORROW waren diverse weitere angesagte Metalcore-Kapellen am Start, die ich aber alle getrost links liegen lassen hab, denn auf der Mainstage spielte niemand geringeres als SODOM auf. Die deutsche Thrash-Legende schlechthin, da können All That Remains, Narziss und wie sie nicht alle heißen einfach mal ihre Koffer packen und sich von Tom Angelripper persönlich den Arsch versohlen lassen. SODOM spielten auch dieses Jahr auf dem Wacken ein wunderbares Programm, bei dem solche Hits wie ‚Ausgebombt’ natürlich nicht fehlen durften. Zwar war mir persönlich die Setlänge mit über 90 Minuten ein wenig zu lang, aber den meisten Anwesenden hat es zugesprochen und die Band wurde völlig zu Recht abgefeiert.

Nach SODOM stand erstmal wieder eine gemütliche Pause an, bevor es mit ALL THAT REMAINS weiterging, die aber aufgrund eines grottenschlechten Sounds und einer schwachen Gesangsleistung jegliches Interesse meinerseits innerhalb von 10 Minuten zunichte machten.

Doch bei MAROON sollte alles besser werden – Denkste! Da will man sich gemütlich ein Konzert im Zelt anschauen und was passiert? Man hört das komplette Set über die Hauptbühne. Auf der spielten SAXON und folgerichtig durfte ich mir den neuesten Heavy Metalcore-Act MAXON reinziehen, auf den ich aber eigentlich keine Lust hatte und letztendlich zu dem Punkt führte, an dem ich entnervt zur Camping-Area aufbrach um meine Kräfte für den zweiten Tag zu sammeln.

Wacken 3. August 2007:


Auch heute gab es wieder Sonne galore zum Frühstück – das gute Wetter ließ die meisten von uns einige Festival Unannehmlichkeiten vergessen und trotz Überfüllung eine geile Party aus dem diesjährigen Wacken machen.

Den Guten Morgen Apell übernahmen dankenswerter Weise die Jungs von THE BLACK DAHLIA MURDER, die fast so verpennt wie ich das erste musikalische Highlight des Tages setzten. Im Anschluss an die Grunz- und Keiforgien von The Black Dahlia Murder, wurde es zeit für ein wenig Grindcore der Marke NAPALM DEATH. Diese mussten aufgrund eines Feuers vor True Metal Stage früher ran und nicht wenige Besucher gaben Fersengeld um die Band noch zu erleben. So füllte sich der anfangs spärlich gefüllte Platz vor der Hauptbühne und bot doch noch eine grandiose Kulisse für die Grindmacht schlechthin. Generell lässt sich zu dieser Band einfach nichts mehr sagen, außer dass man immer wieder die Tatsache wiederholen muss, dass niemand so gut den Grindcore repräsentieren kann wie eben NAPALM DEATH un ihr durchgeschossener Frontmann Barney. ‚Nazi Punks Fuck Off’ stellte ein großes Highlight im Set der Briten dar und man kann nur hoffen das die Band immer so weitermachen wird. Thumbs Up!

Mit Amorphis ging es dann weiter, die ich zwar schon des öfteren live gesehen hatte, aber zu meiner Schande immer nur am Rande wahrgenommen hatte. Seit der letzten Platte haben mich die Finnen aber endgültig für sich gewonnen. Das kommende Album „Silent Waters“ kann ich echt nur jedem empfehlen. Kurz bevor der Gig losgehen sollte roch es verdächtig nach verbranntem Stroh, das überall auf dem Gelände auslag um den Boden begehbar zu machen. Als ich das Gelände betrat nahm ich unmittelbar vor der True Stage, auf der die Finnen gleich spielen sollten, eine Riesen Rauchwolke wahr – tatsächlich – der Boden vor der True Stage brannte und die Feuerwehr hatte allerhand zu tun, sämtliche Metal Fans vor die andere Bühne zu scheuchen. Der Amorphis Gig wurde somit erstmal nach hinten verlegt, um den Boden zu löschen und wieder begehbar zu machen. So gab es erstmal Napalm Death um die Ohren, die nachdem das Gröbste behoben war, die Bretter der Black Stage betraten und losprügelten, als gäbe es kein Morgen. Weniger meine Baustelle, also zog ich es vor woanders auf den verschobenen Amprohis Gig zu warten. Dieser fand dann zum Glück direkt nach Napalm Death statt und war das warten allemal wert – trotz gekürzter Setlist präsentierten die Finnen eine feine Mischung ihrer Werke – Alltbekannte Klassiker wie „The Smoke“ (passend zum Feuer) und „Two Moons“ gab es ebenso wie die Single Auskopplung aus dem neune Album „Silent Waters“. Für mich ein sehr gelungener Gig, auch wenn die Jungs mir leit taten, das sie ihr Set aufgrund des Feuers kürzen mussten.

Danach war für mich erstmal Pause angesagt, man muss ja schließlich auch noch seine verdienten Gerstensaft Kaltschalen vernichten können. Pünktlich zu Turbonegro war ich dann wieder auf dem Gelände. Die Jungs machen einfach nur Spaß – und einige Metalheads schienen auch sehr viel Spaß mit dem Stroh zu haben und gaben sich den ganzen Gig über eine heftige Strohschlacht – auch gut 

Es blieb weiter Spaßig - diesmal ganz in rosa mit der deutschen Kult Cover Band J.B.O. die sich diesmal nicht in rosa Tarnanzügen, dafür aber mit knall pinken Instrumenten präsentierten. Hier blieb kein Auge trocken – und niemand kam ungeschoren davon – sei es Britney Spears, Sido, Edmund Steuber und selbst die Wacken Besucher („wenn ihr nicht ordentlich Party macht – wir wissen wo eure Autos stehen…“), jeder bekam sein Fett weg. Zu meiner Überraschung wurden mehr ältere Stücke in Form eines Medleys zum besten gegeben und es fehlten einige sonst gern zum besten gegebene Klassiker, dafür gab es mal wieder „Bolle“ und die „Champingions“ auch der „gute Tag zum Sterben“ und „Arschloch und Spaß dabei“ waren mit von der Partie und wurden überall mitgegröhlt so das Hannes oder Vitus das nie wirklich einfordern mussten. Abgerundet wurde der Spaß Fraktions- Gig mit „Ein Fest“ und der Aufforderung, weiter schön Party zu machen. Ich hatte meinen Spaß – definitiv – man mag den Jungs vorwerfen das sie oft spielen – aber ich finde aber das sie trotzdem nicht langweilig werden und sich immer wieder anderen Blödsinn ausdenken – weiter so !!

Nach Dimmu Borgir und Iced Earth stand für mich noch die ultimative Reitermainia auf dem Programm – diesmal nicht auf der kleinen sondern der großen Bühne, da wo die Jungs hingehören. Nur war es dank scheinbar nicht wirklich limitierten Besucherzahlen genauso voll wie im Jahr zuvor vor der kleinen Stage. Der Stimmung tat diese Tatsache aber nichts ab – im Gegenteil – es wurde eine Reiter würdige Party gefeiert – die Jungs schaffen es auch immer wieder, Stimmung bis zum geht nicht mehr zu machen, auch wenn ich sagen muss, dass ihnen dieses gerade in kleinern Hallen oftmals besser gelingt als hier auf diesem riesen Festival. Wie immer gab es wieder den bekannten Crowdsurf Wettbewerb, bei dem 2 Fans in Schlauchboten über die anderen Köpfe hinweg um die wette surften.
Die Setlist bot für mich keine großen Überraschungen, es gab wieder allerlei Klassiker und ein Party taugliches Best off Set – so kennt und liebt man die Reiter.

Für heute war damit Schluss und gen Ende leerte sich das Gelände auf ein aushaltbares Maß, so dass man sogar wieder die Zeltbühne sehen konnte, wo schon die Metal Karaoke eingeläutet wurde. Mich verschlug es aber heute lieber ins Bett – das viele hin und herlaufen macht doch ganz schön müde.

Wacken 4. August 2007:


Als erste Band für mich standen heute die Portugiesen von Moonspell auf dem Programm. Auf dem Tuska waren sie dem übermäßigen Alkoholkonsum zum Opfer gefallen, heute wollte ich sie dann endlich mal sehen. Wie schon auf dem Tuska kam der charismatische Sänger Fernando mit einem wehenden roten Mantel auf die Bühne und gab sie die komplette Show über quicklebendig und gut gelaunt. Ob das an den für diese Uhrzeit schon gehörig großen Menschenmenge vor der Bühne lag? Es ist wohl anzunehmen. Fronter Fernando Ribeiro hat aber einfach auch Charisma und das gewisse Etwas, um die Massen vor der Bühne in Bewegung zu versetzen. So hatten sie wie schon beim Tuska ein leichtes Spiel und heizten der Menge mit Krachern wie "Opium", "Vampiria" oder "Alma Mater" ein. Alte und neue Songs wurden gleichermaßen abgefeiert. Mit "Full Moon Madness" und "Mephisto" wurde dann das Ende eines wieder einmal absolut überzeugenden Gigs eingeläutet. Sauber!

Parallel zu MOONSPELL, durften man sich mit ca. 20.000 weiteren Metallern/Metalcore-Kids auf die beste deutsche Metal(-core)-Band freuen, die derzeit unterwegs ist! Die Rede ist natürlich von HEAVEN SHALL BURN und ihrem ewigen Kampf mit dem ostdeutschen Dialekt. Mit ‚The Weapon They Fear’ und einem gewaltigen Pit vor der Bühne bannten sich HSB ihren Weg durch ihr Set, dass so dermaßen heftig abgefeiert wurde, dass man wirklich nur staunen konnte. Ich persönlich hab selten eine so intensive HSB-Show erlebt, die neben einer verdammt gewaltigen Wall Of Death und diversen Circle-Pits, mehr Stagediver aufbot als manch ein HC-Konzert. Bisher das eindeutige Highlight des diesjährigen Wacken Open Airs und der Beweis das Metaller doch nicht so intolerant sind!

Weiter ging’s mit einer mir bis Dato unbekannten Band: die Japaner Dir en Grey sollten die Bretter der Black Stage unsicher machen. Mein erster Blick fiel auf den hyperaktiven kleinen Blonden Brüllwürfel, dem Sänger der Band der rumhüpfte und auf einem kleinen Podest poste als gäbe es kein Morgen. Nach einem ungewöhnlichen Industrial lastigen Intro (nachdem ich mich schon freute, mal etwas anderes zu hören) gab es direkt auf die 12 – bei dem Stil hätte ich jetzt aber nicht gerechnet – ich wüsste auch gar nicht wie ich die Musikrichtung beschreiben sollte – aber es gefiel mir wohl.Doch der Sänger schien mit sich psychisch nicht so ganz im reinen zu sein – einige Narben über den Oberkörper sahen nach Selbstverstümmlung aus – die er dann auch noch auf der Bühne zelebrierte indem er sich beide Mundwinkel aufriss und das Blut überall im Gesicht verschmierte – ekelig!! Nun ja wer es nötig hat – die Musik hätte jedenfalls auch ohne Blutige Szenen ihre Wirkung gehabt, aber es gibt ja scheinbar immer noch Bands, die das anders sehen – Shining lassen grüßen!

Für mich stand nun ein weiteres Highlight an – die Gothic Metaller von Type O Negative waren kurzfristig mit ins Billing gerutscht um hier auf dem Wacken ihr Bestes zu geben. Nun ja, mehr oder weniger – ein völlig weggetretener Peter Steele und das weglassen einiger Klassiker sowie eine nicht wirklich vorhandene Spielfreude begleitete den Gig, der in Augen und Ohren weh tat – So sehr ich diese Band auch mag, bei dieser Show ging wirklich alles daneben, so dass ich mir das echt nicht weiter antun konnte und mir erstmal ne Pause nahm. Zum Glück war ich nicht die einzige – überall vernahm man, das was die Jungs da boten nicht zumutbar war. Ein kleiner Trost – hoffentlich gibt es bald wieder bessere Shows zu sehen – wünschenswert wäre es.

Nach dieser Enttäuschung hoffte ich, dass wenigstens die zweite Band weswegen ich dieses Jahr nach Wacken gefahren war, eine geniale Show hinlegte. Ich hatte die Jungs der finnische Melo-Death Band Norther bisher noch nie live sehen dürfen, da sie sehr selten in Deutschland spielen, umso mehr hatte ich mich über die Zusage für das Wacken gefreut. Viele werfen den Jungs vor, eine schlechte Kopie von den finnischen Superstars Children of Bodom zu sein, doch wer sich die Alben man genau anhört wird feststellen, dass es sich hier um eine komplett eigenständige Band handelt, die ganz eigene Elemente nutzt und einen ganz persönlichen Stil entwickelt haben. Los ging’s – schon wieder so ein Techno Intro – aus der Menge gab es einige verwirrte und einige lachende Gesichter – man erlaubt sich halt gern einen Scherz. Und ich wurde nicht enttäuscht - „Blackhearted“ war wie gemacht als Opener und schmetterte gleich ordentlich los – überall flogen Haare und selbst ich hatte meine liebe Mühe, mich aufs Fotografieren zu konzentrieren und nicht loszubangen. Mit Songs wie „Omen“ „Evil Ladys“ „Of darkness and Light“ und einem Song der neuesten EP „Frozen Angel“ ließ die Setlist kaum Wünsche offen, und die Band präsentierte sich spielfreudig und gut gelaunt – das Pulikum ging mit und ließ sich auf die Jungs ein - nach dem letzten Song gab es ihnen recht, eine grandiose Show ohne wenn und aber hingelegt zu haben. Ich persönlich freu mich jetzt noch mehr auf die Tour im Herbst.

Parallel zu den Jungs von Norther bot sich auf der kleinen Zeltbühne ein munteres Kontrastprogramm in Form von TURISAS, die im Stile von Bands wie Ensiferum dem Humpa-Metal frönen, und mit ihrem ausgefallenen Fell-Kostümen bereits jetzt einen kleinen Kultstatus innehaben. Das kleine Zelt brach fast auseinander und jeder Song von TURISAS wurde abgefeiert. Vollkommen zu Recht, wie ich als neutraler Beobachter der Show festhalten kann, den der Auftritt war stimmig und verdammt gut auf die Bretter der kleinen Bühne gelegt. Nach einer knappen Stunde durften man sich von den verrückten Finnen verabschieden und die Hoffnung nährt sich das TURISAS endlich den verdienten Erfolg für ihre musikalische Leistung erhalten. Im Anschluss an TURISAS war erstmal eine kleine Pause angesagt, die schon mal auf den ersten der zwei Samstags-Headliner vorbereitete: IMMORTAL.

Die Norweger von IMMORTAL betraten gegen kurz vor 10 die Bühne und nicht wenige waren auf den Auftritt der reformierten Black-Metal-Könige gespannt. Mit ordentlich Schminke im Gesicht und voll aufgedrehten Verzehrer ging es dann auch pünktlich los. Wie zu erwarten war, konzentrierte sich die Band auf ein wunderbares Best Of-Programm, dass dem Publikum ordentlich einheizte und einen die nordische Kälte spüren lies. Doch trotz des tighten Auftrittes bleibt ein fader Beigeschmack, denn der Sound war gelinde gesagt unter aller Sau und die Band selbst wirkte ein wenig zu steif. Dennoch war es eine würdige Wiederkehr von IMMORTAL, die es aber nicht schafften die Massen davon zu hindern zu der True Metal Stage zu wandern, auf der sich bereits IN FLAMES, bzw. ihre Roadies, warm spielten.

In Flames ist eine Band, die ich an sich schon fast viel zu oft gesehen habe, aber immer noch nicht Leid bin. Mag daran liegen, dass sie eine einfach grandiose Live Band sind, auch wenn die letzten beiden Alben nicht mehr so wirklich den richtigen Nerv treffen. Auf dem Wacken sollten sie sich als einer der größten Publikumsmagneten erweisen, die Wacken je gesehen hatte. Ein Freund erzählte mir später von dem absolut wahnsinnigen Anblick von einem der Mix-Türme aus (zu dem ich gar nicht mehr hin kam, weil es viel zu voll war) – noch vor den Eingängen sollten die Leute gestanden haben. Die Show kann man getrost als gut abstempeln – nicht grandios, aber auch nicht schlecht – gut eben. Songauswahl war ok, auch wenn ich mir immer wieder mehr ältere Songs wünsche – was aber leider wohl nie passieren wird.

Mit In Flames endete schließlich das 18. W:O:A und die Erkenntnis reift, dass dieses Festival eindeutig zu groß geworden ist. Natürlich ist es jedes Jahr aufs Neue eine geniale Party und natürlich bieten die großen, wie auch kleinen Metalbands ein vorzügliches Rahmenprogramm, aber man sollte sich langsam ernsthaft die Frage stellen ob nicht irgendwann auf den Ackern von Wacken Schluss mit der weiteren Vergrößerungen des Geländes sein sollte. Man darf gespannt sein inwiefern die Veranstalter die Kritik aus diesem Jahr aufnehmen und was sich 2008 konkret ändern wird. Nichtsdestotrotz wird es aber auch 2008, dann mit Iron Maiden als grandiosen Headliner, wieder heißen: W:O:A – Come – Rain or Shine!

by Cynthia & Dario

Bilder:

Donnerstag:
The Sorrow - Wacken Open Air 2007

Freitag:
Dimmu Borgir - Wacken Open Air 2007
Iced Earth - Wacken Open Air 2007

Samstag:
Sacred Reich - Wacken Open Air 2007
Heaven Shall Burn - Wacken Open Air 2007
Moonspell - Wacken Open Air 2007
Dir En Grey - Wacken Open Air
Rage - Wacken Open Air 2007
Norther - Wacken Open Air 2007
Turisas - Wacken Open Air 2007
Immortal - Wacken Open Air 2007
In Flames - Wacken Open Air 2007

Impressionen - Wacken Open Air 2007

Alte Kommentare

von ratatoesk 22.08.2007 09:30

Kurze Zusammenfassung meinerseits: Musikalisch war es bis auf ein paar Abstriche sehr geil,organisatorisch allerdings chaotisch und viel zu voll (Das sollen "nur" 72000 Leute gewesen sein? Soll ich lachen?) Das war vorerst mein letzes Wacken.

von ratatoesk 22.08.2007 09:35

Warum habt ihr nix zum Sacred Reich Auftritt geschrieben wenn ihr schon Bilder habt? Das war imho eins der Highlights des Festivals. Was hab ich mich gefreut die nach all den Jahren mal zu sehen (gleiches gilt natürlich auch für Possessed, nur ein Originalmember hin oder, der Beccara hatte trotz der Einschränkung durch den Rollstuhl unter seinem Arsch einen riesigen Spass).

von @ratatoesk 22.08.2007 15:23

was war denn so chaotisch??? Das Wetter kanns ja nicht gewesen sein.. und ja.: Lach mal!

von Ollo 28.08.2007 14:24

Gutes Review. Aber eine Unverzeihlichkeit habe ich da schon entdeckt: All That Remains hatten einen schlechten Sound, naja... nicht wirklich. ABer die Gesaangsleistung ließ zu wünschen übrig, das stimmt, aber es lag daran (wie Hr. Sänger Phil Labonte auch auf der Bühne erwähnte), dass der herr stark erkäkltet war. Soweit in Ordnung, dann Dir En Grey, mit solchem gejaule und gefurze als gesang im selbe review als "gut" zu bezeichnen uist eine frechheit.