03.10.2008: Another Day, Chinaski Jugend, Casca - Koblenz - Circus Maximus

 


MUFF POTTER spielten vor einigen Wochen einen Gig im Molotow in Hamburg. Im Vorprogramm – CHINASKI JUGEND. Irgendwie wusste niemand damit etwas anzufangen doch nach und nach kristallisierte sich heraus dass sich unter diesem wirren, an Bukowski, angelehnten Namen niemand geringeres als Nicholas, Sänger von JUPITER JONES, steckt.
Eben dieser spielt heute am Tage der Deutschen Einheit mit den Überall-aus-Deutschland-CASCA und der Neuwieder Emopunkhoffnung ANOTHER DAY zusammen.

CASCA machen den Anfang und haben beste Voraussetzungen. Der Sound war glasklar und nahezu perfekt. Das Spiel der Herren, die inzwischen aus allen Richtungen der Deutschen Landkarte kommen, ist heute gewohnt energisch und bietet genügend Raum für atmosphärische Dichte. Ihre aktuelle EP „shadow in a lightroom“ wird komplett zum Besten gegeben und auch wenn sie früher etwas rauer klangen – es steht ihnen gut, das experimentierfreudige Indiekostüm. Über den ein oder anderen Verspieler wird gerne hinweggesehen wenn man Songs wie „the meltin way“ so herrlich intoniert bekommt.
Irgendwann sollen sich aber auch CASCA mal genügend in Rage gespielt haben und so ist viel zu schnell Schluss und der, schon jetzt, extrem gut gefüllte, Circus Maximus leert sich komplett um sich dem Blauen Dunst hinzugeben.

Als nächstes kommt also die CHINASKI JUGEND auf die Bühne getappst. Wie immer im schwarzen Hemd gehüllt, wie immer etwas unbeholfen wirkend und wie immer sympathisch bis ins dort hinaus. „Normalerweise bin ich es gewohnt mit meiner Lagerfeuerscheiße die Stimmung extrem zu kippen, aber ich hoffe es gefällt euch trotzdem ein wenig“ begrüßt er das Publikum, welches sich nach dem Nikotinverzehr noch nicht wieder komplett eingefunden hat. Mit dem JUPITER JONES Song „Auf das Leben“ beginnt er um danach mit einer Eigen(Solo)Komposition namens „Und dann warten“ und verspricht schon jetzt großes. Das Publikum nervt extrem. Wenn ein Mensch auf der Bühne steht und so leise ist wie selten jemand zuvor, der soviel Gefühl wiedergibt wie selten jemand zuvor, der mit „Jupp“ oder dem COUNTING CROWS Cover „Round Here“ eigentlich für stille Betroffenheit bei den Zuhörern sorgen sollte, dann kann man doch wenigstens ruhig sein. Das ständige Gerede und Getuschel lässt ein ganzes Stück an Intensität einbüßen, wofür die CHINASKI JUGEND allerdings nichts kann. Eine Dreistigkeit ist das ständige Gemurmel trotzdem. Von einer Dreistigkeit spricht Nicholas auch dann, als er das letzte Lied ankündigt. Ein Coversong sollte es sein und niemand geringeres als DAMIEN RICE steht Pate. „Coconut Skins“ soll gecovert werden und nicht wenige werden sich fragen – funktioniert das? RICE, der von seiner seichten Stimme lebt und den Song gegen Ende dank seiner Euphorie, Fröhlichkeit und herrlichen Instrumentierung in ein echtes Highlight verwandelt, soll nun also von der CHINASKI JUGEND gecovert werden, die durch ihre Reibeisenstimme ausgezeichnet wird und völlig alleine da oben steht ? Kein Problem! Mehr Gänsehaut gab es zuletzt als so ein bärtiger Hemdträger im Kölner Underground „Bleeder“ kopierte. Auch Nicholas spielt sich hier völlig in Rage und ist ganz in seinem Element. Man sieht ihm die Leidenschaft an und weiß – der meint es ernst. Herrlich aber viel zu kurz. Highlight des Jahres? Definitiv!

Danach kommen die Neuwieder ANOTHER DAY. „So hat sich Emo früher angehört“ tönt es da unter dem Publikum und man darf gespannt sein, was die Herrn da von sich geben. Tatsächlich hat ihr deutschsprachiger Punkrock eine ganze Prise „früher“ abbgekommen und weiß zu gefallen. Die Fünf, bereits gut angetrunkenen, Herren machen ihren Job ziemlich gut und haben jede Menge Leute in die Katakomben des Circus Maximus gezogen. Druckvoll und humorgeladen ziehen sich die Sympathen durch ihr Set und können sich sicher sein, dass hieraus mit genügend Willen sicherlich noch etwas wird.