03.10.2012: La Dispute, Title Fight, Make Do And Mend, Into It Over It - Batschkapp, Frankfurt

 



Etwa die halbe Wave-Bewegung (wir sprechen von den 5 Bands, die man anfänglich dazu zählte) ist auf Tour und hat Freunde mit im Gepäck, die man ohne zu zögern auch dazu zählen könnte. La Dispute sind zurück in Europa, erfolgreicher denn je, mit im Gepäck unter anderem Title Fight, die ebenfalls vor kurzem ihr neues Album über die VISIONS veröffentlichten.

Wie es der „Zufall“ so will, verpasse ich leider die erste Band INTO IT. OVER IT.. „Band“ ebenfalls in Anführungsstrichen. Schließlich steckt hinter diesen Namen nur ein Kerl namens Evan, der anscheinend alle Instrumente auf seinen Platten selbst einspielt, live dann aber jedoch alleine bleibt und akustisch vorträgt. Dass das beeindruckend ist, kann ich mir trotz des Verpassens gut vorstellen.

MAKE DO AND MEND müssen in Europa nicht mehr überzeugen, sie sind bereits eine feste Institution – auch auf dem anderen Ende des großen Ozeans. „Lucky“ ist die erste Nummer, die ich höre, als ich die Batschkapp betrete. Einer der besten – wenn nicht der beste – Songs des neuen Albums „Everything You Ever Loved“. Von der Fangemeinde wurde dieses definitiv kritisch aufgenommen, allerdings weder ausschließlich positiv noch ausschließlich negativ. Ich finde mich irgendwo in der Mitte und bin zufrieden, für mich zählt es zu den Alben des Jahres, ist für MAKE DO AND MEND-Standard aber nicht die beste Platte. Nachdem Defeater-Bassist Mike Poulin in der Band ausgestiegen ist, sehe ich den neuen Mann namens Luke Schwartz zum ersten Mal am Bass. Er macht einen guten Job, ich höre zumindest keine groben Patzer. Aber auch sonst ist der Vierer aus Connecticut tight wie eh und je und spielt routiniert sein Set runter. Songs wie „St. Anne“, „Ghostal“ (ja, mit Jordan Dreyer Feature) und zum Schluss dann „Transparent Seas“ wirken dabei gar nicht so abgedroschen wie das Ende des vorherigen Satzes, sondern ähnlich wie auf Platte.

Eigentlich jede der „großen“ „Bands“ (Into It. Over It., kann man die als Band durchgehen lassen?) hat ein neues Output mit auf die Tour gebracht. Bei TITLE FIGHT heißt dieses „Floral Green“ und ist gegenüber seinen Vorgängern sicherlich ruhiger, aber auch wieder ein Stück versierter und feinfühliger geworden. Live funktioniert das – man mag es im Vorfeld nicht geglaubt haben – wirklich gut. Los geht es aber mit „Safe in Your Skin“, welches man sofort in „Shed“ übergehen lässt. Cleverer Trick, erst träumt die Meute und dann geht sie richtig ab. TITLE FIGHT sind Profis auf ganzer Linie, auch wenn sie eigentlich nur eine Hardcore-Band bestehend aus kleinen Jungs sind. Vielleicht ist es genau das, was auch die älteren Fans im Publikum dazu animiert, mitzumachen, zu stagediven, mitzusingen, die ganze Palette. Eine richtige Sause quasi. Der ein oder andere VISIONS-Abonnent ist sicherlich verwundert, wenn auf einmal Leute auf seinen Kopf springen, jedoch bleibt alles friedlich und freundlich. Wie TITLE FIGHT sich das auf der Bühne sicher wünschen. Fans des neuen Outputs werden bedient (das grungige „Secret Society“, das wunderschöne „Head in the Ceiling Fan“, das weniger eindeutig definierbare „Calloused“), Fans der ersten Stunde genau so (das endlos freudige „Loud and Clear“, das mitsingbare „Symmetry) und bei „27“ am Ende des Sets ist ja sowieso obligatorisch was los. Nicht nur nett.

LA DISPUTE können natürlich die Freude, die die Menge bei Title Fight vielleicht teilweise fühlt, nicht aufrecht erhalten. Aber auch nur die Freude nicht. Die Musik berührt in ähnlicher Weise. Und da spielt es auch keine Rolle, wenn man „Wildlife“ (wie ich) schlechter findet als „Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Altair“. Songs beider Alben kommen gut an. Dreyer wirkt distanzierter gegenüber dem Publikum, aber persönlich gewachsen. Dass er ein guter Frontmann ist, das ist keine Frage. Aber nicht nur im Studio. Auch auf der Bühne. Merkt man, wenn nicht während den Songs, spätestens am ohrenbetäubenden Applaus, den LA DISPUTE erfahren. Und diesmal spielen die fünf Herren wirklich auch eine Headliner-Show. Sprich, eine die 45 Minuten und länger dauert. Das zieht sich stellenweise vielleicht schon ein bisschen, aber nur wenn man einen Song anhören muss, den man weniger mag, als die anderen LA DISPUTE-Songs (bei mir wäre das beispielsweise „I See Everything“ – trotz tollen Textes). Die „Wildlife“-Songs sind meiner Meinung nach schleppender. Dass das live einen anderen Effekt hat als beispielsweise „New Storms for Older Lovers“, wissen LA DISPUTE sicherlich auch selbst. Dennoch kommt nie Langeweile auf oder das Publikum spielt nicht mit. Ein Highlight, nicht nur für mich, ist sicherlich „Why It Scares Me“ von der Split mit Touché Amoré. Ansonsten hat man sich noch einige Verspieltheiten für sein Liveset einfallen lassen, die auf dem Album eben nicht da sind und erinnert deswegen auch live an At the Drive-In. Der Bass bei „All our Bruised Bodies and the Whole Heart Shrinks“ ist beispielsweise dermaßen laut gegenüber der anderen Band (und ich denke das ist von so professionellen Musikern eher Absicht), dass das ganze 5 Minuten lange Lied nochmal doppelt so intensiv rüberkommt. Wenn LA DISPUTE ihr Riesentalent nicht durch irgendeinen unglücklichen Zufall in den Sand setzen, dann dürfen sie meiner Meinung nach gerne wiederkommen.