04.02.2009: Mindless Self Indulgence, Big Boy - Köln - Luxor

 

Nachdem die feudal frivolen MINDLESS SELF INDULGENCE bereits im vergangenen Jahr ihre tanzorientierte Version des "Industrial Jungle Pussy Punk" unter die begierige Anhängerschaft im brechend gefüllten Luxor brachten, war eine Wiederholung des Spektakels nicht zuletzt aus monetären Gesichtspunkten nur eine Frage der Zeit. Vergangenen Mittwoch war es dann wieder soweit und eine vergleichbare quantitative Ansammlung stilistisch entgleister Teenager blätterten 18 Euro and der Abendkasse für ein einstündiges Jimmy Urine Entertainmentpaket hin, welches einen Gros an Unterhaltung verspricht.

Doch vorab gilt es bei kontinuierlich steigenden Temperaturen auszuharren und den semi-lustig kostümierten BIG BOY, bei ihrer nicht mal im Ansatz energetischen Show zuzuschauen. Zwar setzen die Bandmitglieder regelmäßig zu Flankenläufen an, kein Steilpass erreicht an diesem Abend jedoch das Publikum und das obwohl man mit dem eigenen MARILYN MANSON meets TUBONEGRO Sound an diesem Abend gar nicht mal so deplaziert zu sein schien. Bei der abschließenden Selbstbeweihräucherung "Hail The Big Boy" gibt es dann letztendlich auch ein wenig Resonanz aus den vorderen Reihen und BIG BOY können erhobenen Hauptes die Bühne verlassen.

Deutlich leichteres Spiel hatten natürlich MINDLESS SELF INDULGENCE auch wenn sie ohne das stets laszive Bühnengift Lyn-Z auskommen mussten. Die Gerad Way Ehefrau nimmt aktuell in Los Angeles ihre Elternauszeit und somit bedeutet dies noch mehr Aufmerksamkeit für den flinken und fracktragenden tasmanischen Tanzwirbelwind Urine. Steve, Righ? bleibt einmal mehr, trotz Augenklappe, farblos und seine zwischenzeitigen Ausflüge ins Publikum während des Auftritts bleiben vom selbigen größtenteils unbemerkt. Der Enddreißiger Urine drapiert zunächst genüsslich der Monitorboxen auf der Bühne um sie wahlweise als Sprungbrett oder Podest zu nutzen, sucht immer wieder die Nähe zum Publikum und startet alsbald das Provokationsfeuerwerk. Zuschauer werden abgeleckt, 5 Euro für eine Fortsetzung des Spektakels eingefordert und Wurstscheiben in die Menge geworfen. Die Menge frisst dem Frontmann (nicht nur die Mortadella) aus der Hand und tanzt willenlos an den Fäden die Urine ausgeworfen hat. Wenig später enttarnt er das Hauptproblem der Deutschen: Sie können nämlich nicht rappen. Was wohl BUSHIDO dazu zu sagen hat? Man weist weiterhin darauf hin, dass man einen neue Single am Start hat, die man jedoch nicht spielen werde. Um die daraus resultierende, unangenehme Situation zwischen Publikum und Band wieder aufzulockern entschließt sich Urine schließlich zu strippen. Eine unterhaltenswerte Stunde endet mit den Takten von "There is no business like show business" und den (fast) letzten Hüllen die Fallen. Ach ja, Musik wurde natürlich auch noch gespielt.