04.02.2014: A Day To Remember, Every Time I Die, The Story So Far - Offenbach - Stadthalle

 



Fun Fact: A Day to Remember haben auf Facebook etwa so viele Likes wie Killswitch Engage und As I Lay Dying, die vor einigen Jahren noch als absolute Metalcore-Pioniere galten, zusammen. Woran liegt das – an dem extraordinären Gemisch aus Pop und Metal oder vielleicht doch an einer spektakulären Liveshow? Ich werde es heute in Offenbach erfahren.

Zunächst einmal muss ich das hervorragende Vorprogramm von A Day to Remember loben. Alleine für den Main-Act über 35 Euro hinzulegen, ist schon happig, aber mit den 2 Hochkarätern im Line-Up geht das schon ein bisschen eher klar. Als erstes stehen THE STORY SO FAR auf den Brettern. Leider verpasse ich die Kapelle bis auf 2 Songs („High Regard“ und „Quicksand“), jedoch habe ich sie bereits letztes Jahr auf Headliner-Tour mit seahaven bestaunen können und weiß um ihre Live-Qualitäten. Auch heute, im Zuge ihrer zweifelsohne größten bisherigen Tour in Europa, wirken Parker und seine Kollegen äußerst souverän und können mit der riesigen Masse vor der Bühne gut umgehen. Zwar steht man Every Time I Die und ADTR in puncto Animation noch etwas nach, aber das kann man ja noch nachholen. Schließlich sind THE STORY SO FAR gerade mal Anfang zwanzig. Der Platz vor der Bühne ist gut gefüllt und zu „Quicksand“ gibt es auch etliche Fans, die mitsingen können oder im Stile der alten Schule Pogo betreiben. Ein gelungener Einstieg in den Abend.

In der Offenbacher Stadthalle komme ich mir heute vor, als hätte man mich in die Zeit meiner ersten Beatparties vor 10 Jahren zurückversetzt. Eine unendlich große Halle, in der sich die kleinen Teenie-Gruppen stark verlaufen und zum großen Teil ihre alkoholischen Getränke am Start haben. Und Emo ist heute scheinbar mindestens noch genau so in wie 2004 (zumindest was Kleidung und Frisur angeht). Im Eingangsbereich der Stadthalle gibt es sogar reichlich Essensangebote und Cocktails. Wirklich ein seltsamer Anblick, wenn man sonst nur kleinere Konzerte gewohnt ist. Aber warum nicht!? EVERY TIME I DIE bauen jedenfalls auf der Bühne ihr Equipment auf und ich frage mich, wie Offenbach wohl heute auf diese Band reagieren wird. Schließlich ist die Bande aus Buffalo für alles andere bekannt als für softe Töne. Für blink-182-Fans, die gerade ihren Spaß an TSSF hatten, könnte das jedenfalls nichts sein. Der Sound in der Offenbacher Stadthalle spielt EVERY TIME I DIE bestmöglich in die Karten, die Basedrum und der scheppernde Bass thronen über den messerscharfen Gitarren-Riffs und unter dem Strich handelt es sich hier einfach um schiere Brutalität. Manch einer mag die Halle jetzt verlassen, die meisten Zuschauer gehen das Tempo aber mit und toben sich im Moshpit aus. Frontmann Keith Buckley bekommt zwar nicht seinen gewünschten Circle Pit durch den kompletten Raum, aber den gab es später nicht einmal beim Headliner zu sehen. Die Setlist ist heute ein feines Gemisch aus alten und neuen Hits, allen voran „Wanderlust“ und „Underwater Bimbos from Outer Space“ sorgen ordentlich für Stimmung. Doch auch ganz alte Schinken wie „Bored Stiff“, „We’rewolf“ oder kurz vorm Schluss „No Son of Mine“ werden aus dem Ärmel gezaubert. Hinsichtlich Bewegung und Spielfreude kann einem insbesondere beim Zusehen von Jordan Buckley (dem Bruder des Frontmanns) immer wieder nur die Kinnlade herunterfallen. Bewundernswert, wenn man nach über 15jähriger Bandgeschichte immer noch solche Frische ausstrahlt. EVERY TIME I DIE zeigen sich angesichts der mit tausenden von Gästen gefüllten Halle in keinster Weise beeindruckt und spielen routiniert und gekonnt ihr Set runter. Als Aufwärmer für den Headliner kann ich mir heute kaum eine bessere Band vorstellen, wenngleich sich viele Besucher höchstwahrscheinlich eher eine der aktuell gehypten Posthardcore-Bands gewünscht hätten.

Wie man das so von „Rockstars“ gewöhnt ist, lassen sich A DAY TO REMEMBER mächtig Zeit beim Umbau. In der Pause laufen beispielsweise Limp Bizkit und System of a Down, was vielen Besuchern sichtlich gefällt. Die jüngere Fraktion wird Lieder wie „Chop Suey“ wahrscheinlich nicht mal mehr kennen. Ich werde alt. Um auf meine Eingangsfrage nach dem Erfolg von A DAY TO REMEMBER zurück zu kommen: Der ist sicherlich auch zu einem großen Teil durch die Zielgruppe der Band zu erklären, schließlich ist in der Altersspanne ja fast jeder zu beinahe jeder Tages- und Nachtzeit ständig per Smartphone auf Facebook unterwegs. So auch heute in Offenbach: Anstatt Spaß an der Live-Show zu haben, werden hier mal wieder zu Hunderten Videos gedreht, die sich danach wahrscheinlich in seinem ganzen Leben kein Schwanz mehr anschauen wird. Aber wie dem auch sei, das passiert ja nicht nur auf ADTR-Konzerten. Die gute Stimmung und die guten Performances kann man dem heutigen Abend trotz dieser Faktoren jedenfalls nicht absprechen, und darauf kommt es ja letztendlich an: Dass der Otto-Normal-Konzertbesucher Spaß hat und auf seine Kosten kommt. Als die Musik ausgeht ist der Beifall jedenfalls ohrenbetäubend und A DAY TO REMEMBER hauen mit „All I Want“ und „I’m Made of Wax, Larry, What Are You Made of?“ gleich zwei ihrer Referenzwerke raus. Die Stadthalle bebt bereits nach 10 Minuten. Was folgt, sind alle Hits die man sich wünschen kann. Sowohl alte als auch neue: „Right Back At It Again“ und „Sometimes You’re The Hammer, Sometimes You’re the Nail“ sind die eingängigsten Songs des neuen Albums „Common Courtesy“, ist mit der akustischen Form von „You Had me at Hello“ sogar ein Lied des allerersten Albums vertreten. Hierüber scheinen sich die Fans ganz besonders zu freuen, wobei der Moment gleich danach durch „If It Means a Lot to You“ nochmal getoppt wird. Auch in Sachen Bühnen-Show haben A DAY TO REMEMBER einige Raffinessen mitgebracht, beispielsweise ein im Dunkeln bunt leuchtendes Schlagzeug oder einen riesigen, durchsichtigen Ball, in dem Frontmann Jeremy McKinnon im Kreis über die Leute läuft. Allgemein tut McKinnon wirklich sein Bestes, um die Menge bei Laune zu halten und macht auf der Bühne etliche Kilometer. Doch wenn es am Auftritt seiner Band einen Kritikpunkt gibt, sind das definitiv die Shouts von McKinnon, die einfach so klingen, als hätte er nicht wirklich genug Volumen dafür. Der Clean-Gesang, sowohl von ihm als auch die Backing-Vocals sitzen aber perfekt und garantieren bei jedem Song die Sing-a-Longs im ganzen Raum. Bei „Mr. Highway’s Thinking About the End“ und „Life Lessons Learned the Hard Way“ dürfen sich die Karate-Kids im Moshpit ordentlich austoben, während bei “Have Faith in Me” wieder Ruhe angesagt ist. A DAY TO REMEMBER überzeugen live also vor allem auch durch viel Abwechslung, wobei sich nach 20 Liedern die Moshparts dann doch irgendwie sehr gleich anhören – und auch der obligatorische Mitsing-Chorus. Nach etwas weniger als 20 Songs ist dann aber auch vorerst Schluss, bevor A DAY TO REMEMBER mit 3 Songs (richtige Bands brauchen laut dem sarkastischen McKinnon drei Songs bei ihrer Zugabe) das große Finale abfackeln: „The Downfall of Us All“ sichert ein grandioses Finale.