04.11.2011: Against Me!, Crazy Arm, A Hurricane's Revenge - Trier - Ex-Haus

 




Es ist ein uns allen bekanntes Phänomen der Musikszene: Wenn eine Band den Sprung vom Geheimtipp in den Mainstream schafft, dann teilen sich sehr rasch die Lager. Ob nun im Hardcore, im Indie oder eben im Punkrock. Auf der einen Seite hat man dann die Nörgler, für die generell die Demo das einzig Wahre war und auch bleibt. Und auf der anderen hat man die, die vielleicht erst mit dem neusten Album auf die Band gekommen sind und sich im Zweifelsfall nichtmal weiter mit der Schaffensphase beschäftigen. In der Mitte hat man eine vermeintlich kleine Schnittmenge aus beidem. Ganz so einfach ist es natürlich nicht immer, aber als Skizze oft zutreffend.

Und ja, oft stimmt es ja auch: Je größer eine Band wird, desto eher will sie die Massen bedienen. Man will es jedem recht machen, macht vielleicht sogar musikalische Rückschritte, damit das Ergebnis schnell ins Ohr geht. Bestes Beispiel: Rise Against. Unter Umständen muss man sogar immer mehr auf sein böses Label hören. Doch unter vielen Negativ-Beispielen gibt es tatsächlich auch ein paar Fälle, in denen das Ganze meines Erachtens gut gehen kann. So eben bei AGAINST ME! aus Gainesville, Florida – einer unbestrittenen Hochburg des Genres (sowohl die Band als auch die Stadt). Der Bruch kam im Jahre 2007 mit dem Album „New Wave“ – also schon ziemlich lange her. Deutlich hörbar schlich sich der Pop-Appeal ein, deutlich spalteten sich dann auch diejenigen, die das kopfschüttelnd und lauthals ablehnten von denen, die der Band treu blieben. Was mit dem meines Erachtens nach besten Album der Gainesviller ihren Anfang nahm, wurde 2010 mehr als nur konsequent weitergeführt: „White Crosses“ sorgte sicherlich für noch mehr Kontroverse. In meinen Augen haben AGAINST ME! immer noch nichts falsch gemacht, noch keine schlechte Platte auf den Markt geworfen. Mit der Single-Auskopplung „I Was a Teenage Anarchist“ wurde verdeutlicht, dass man nun eben erwachsen geworden ist. Es folgte eine sehr erfolgreiche Tour zur Promotion dieses neuen Werkes und ich weiß bis heute nicht, warum ich sie verpasst habe. So begibt es sich tatsächlich, dass ich Ende 2011 meinem ersten AGAINST ME!-Konzert entgegenfiebere, während Bekannte mir schon seit Jahren die Ohren bezüglich deren Live-Können abkauen.

Aber: Gemach, gemach. Auch bei einer Show, die das große Exil des Trier Ex-Hauses ausverkauft, darf selbstverständlich der lokale Opener nicht fehlen. Und da hat man heute einen großen Griff gemacht. Auf der Bühne stehen etwas überpünktlich um kurz vor neun: A HURRICANE’S REVENGE. Ich hatte den Bandnamen schon mal auf Flyern gelesen, aber auseinandergesetzt hatte ich mit der Trier Punkrock-Kombo noch nicht. Daher bin ich bereits beim ersten Song positiv überrascht. Generell weiß man ja nie wirklich, was man von Supportbands erwarten soll, da lässt man es vielleicht manchmal lieber. Heute ist das anders: Die (schätze ich mal) Mitzwanziger legen einen Auftritt hin, der von Professionalität nur so strotzt und beweisen, dass guter und innovativer Punkrock eben nicht immer aus den Staaten kommen muss. Die Herren freuen sich sicherlich heute für Against Me! aufspielen zu dürfen, denn hier und da winkt der heutige Headliner auch in den Songstrukturen auf. Unter dem Strich fühle ich mich jedoch vor allem an VENEREA erinnert: Die beiden Gitarren konstruieren meist schnelle, ausgeklügelte und melodienreiche Songs, zu denen der Bass (wirklich!) sehr virtuos seinen Teil beisteuert und auch der Herr an Drums macht deutlich, dass er kein Anfänger ist. Dazu zweistimmiger Gesang und voila: Man muss sich nicht hinter den beiden Hauptbands verstecken, sondern steht mit ihnen auf Augenhöhe. A HURRICANE’S REVENGE wirken trotzdem sehr bodenständig und dankbar. Bald erscheint das Debutalbum, im Kasten ist es schon: Die optimale Gelegenheit, um der Band auf der heimischen Anlage mal eine Chance zu geben.

CRAZY ARM, die Tourkollegen von Against Me! sind eine in Europa noch eher unbekannte Band aus Plymouth. Wesentlich mehr als bei A Hurricane’s Revenge spielt sich daher auch nicht vor der Bühne ab. Die sechs Musiker aus dem Vereinigten Königreich gehen die Sache gemächlicher und mit deutlich mehr Country und Folk an, im Gepäck ihr neues Album namens „Union City Breath“. Passt natürlich gut ins Vorprogramm von Against Me!, mein Ding ist es aber nicht unbedingt. Ich kann mir die ersten 3-4 Songs mit wohlwollendem Grinsen anschauen, wende mich aber dann doch irgendwann schon ein bisschen gelangweilt ab. Nicht, dass die Band ihre Instrumente nicht beherrschen würde. Oder der Sound scheisse wäre. Ich kenne einfach die Songs nicht und habe Musik dieser Machart schon oft genug gehört. Der wesentlichste Faktor ist aber sicherlich, dass ich mich viel zu sehr auf Against Me! freue, als dass ich mich noch großartig auf die Fähigkeiten von CRAZY ARM konzentrieren könnte. Brauchbar, aber nicht mehr. Vielleicht höre ich nochmal rein, wenn ich zu viel Zeit habe, um mich selbst eines Besseren zu belehren.

Nach einer obligatorisch viel zu langen Umbaupause sammeln sich dann auch sehr schnell die Massen vor der abgesperrten und mit Security versehenen Bühne. Es ist noch vor elf Uhr, als Tom Gabel und Anhang dann endlich die Bretter betreten. Ohne viele Worte kriegt man direkt mal 4 Songs um die Ohren geballert und die Meute tobt in Ekstase. Darunter: „I Still Love You, Julie“ und „Cliché Guevara“. Textsichere Fans, die die Faust in die Höhe strecken neben Gröhlenden, die sich darauf verlassen, dass in jedem Song zumindest irgendwann mal ge“wo-hoa“t wird. Und in der Mitte ein recht ansehnlicher Pogo der ganz alten Schule mit Kids und Szene-Veteranen, Mann und Frau. Gute Stimmung also. Bis dann bei „I Was a Teenage Anarchist“ der Song unterbrochen werden muss (keine Ahnung was passiert ist) und der erste Satz abseits der Songs „What the fuck are you doing?“ lautet. AGAINST ME! geben sich äußert schweigsam, dennoch sympathisch und präsentieren ein sehr ausgefeiltes Live-Set, in dem die Lieder nahtlos ineinander übergehen und in dem während der besagten Übergänge auch mal ein bisschen improvisiert werden kann. Der Sound ist heute wirklich makellos und so erkennt man meist schon an den ersten Akkorden, was als nächstes dran kommt. Habe ich im Ex-Haus auch schon anders erlebt. Eingangs bin ich auf orthodoxe Demo-Nörgler und Erfolgsfans zu sprechen gekommen, an diesem Freitagabend werden beide Parteien bestens mit Material versorgt. Meine persönlichen Höhepunkte sind „Because of the Shame“, „White People for Peace“ und “From Her Lips to Gods Ears”. Geboten wird ein Querschnitt aus der gesamten Schaffensgeschichte, das Schöne ist dass auch bei Songs wie „Pints of Guinness Make You Strong“ lauthals mitgesungen werden kann und so während des ganzen Auftritts nicht mal die Spur von Langeweile aufkommt. Am Ende weiß ich gar nicht wie lange das Ganze ging, leider ist die Zeit gerade zu verflogen. Nur die Zugabe enttäuscht mich dann ein wenig. Am Ende fragt man sich doch wo denn bitte „Thrash Unreal“ abgeblieben ist? Ein paar mehr Songs vom neuen Album hätten es auch sein dürfen. Aber man kann ja nicht alles haben. Für einen sehr fröhlichen und vor allem lohnenswerten Einstieg ins Wochenende hat es allemal gereicht.

Alte Kommentare

von Konni 07.11.2011 16:33

Ja die Hurricanes haben mich auch positiv weggefegt. Bis zur ersten Ansage hätt ich nie Gedacht das es sogar Deutsche Jungens, da es schon sehr in die ein paar Ami Bands gehrt, stummlich hats mich sehr an The Loved Ones errinert. Haben mir am Ende ne Split 7" mit Brokwn View(??) + CD mit 3 Rough vom kommenden Album 2 Songs gehen direkt die sind ungelogen schon 10-15mal gelaufen. Ich glaube nach Release wird die Tür ein grosses Stück weiter auf gehen. Weiter So. Zu Against Me Super Konzert, leider ham se Kartwen gedruckt bis die Pappe leer war - bissl zu voll. Und die Leuete die sich beschweren die müwssen Bands suchen die alle 2 -4 immer diesselbe Platte raubringen - wenn das zufrieden macht?? Oder sich für diesen Scheiss Deutschrock entscheiden das is tfast fast jede Band gleich und Niveau ist bei dem Schnaps.wie die andere. Ich weiss. ja n incht? ob das glücklich macht. Viele Grüsse gutes Review

von SHiiiiR 07.11.2011 16:36

naja wenn aml im Screibfluss isr -- gehen da auch mal ein paar Worte verloren.

von Randy 08.11.2011 08:51

Also Crazy Arm wirkten für mich sehr "englisch" für "sechs Musiker aus den Staaten"...

von pmalan 08.11.2011 12:16

alter...konni, was da los?:D interpunktion junge, interpunktion!;)

von quatsch 11.11.2011 16:13

Crazy Arm > Against Me die snd voll geil! Hör Dir das erste Album von denen an -> Hammer

von jensen 12.11.2011 18:58

Gehe Montag in Hannover zu Against Me!. Gibt's auf der Tour die Gelegenheit, schöne alte Alben auf Vinyl einzukaufen? Würde meine Sammlung nämlich gerne um die "... Axl Rose" bereichern.