04.11.2013: Bane, Power Trip, Blkout, Redemption Denied, Code Blue Coma - Bahnhof Langendreer, Bochum

 



Die einen spielen gefühlt ihre 1000. Show auf deutschem Boden, für die anderen ist es gar die erste in Europa - BANE haben POWER TRIP mit auf Tour genommen. Dabei sind außerdem BLKOUT, die gemeinsam mit Miles Away vor 4 Jahren schon mal zu Gast waren.

Es ist 19.30 und der Bahnhof Langendreer sieht noch recht leer aus. Zumindest deutlich leerer als das vor ein paar Wochen bei der Show von Rotting Out der Fall war. Das mag sicherlich daran liegen, dass heute ein Montag ist. Zwar der Start dieser Tour, aber immer ein undankbarer Tag für solche Veranstaltungen, da eben gerade die Woche begonnen hat. CODE BLUE COMA eröffnen also vor schätzungsweise 30-40 Leuten den Abend. Dafür, dass es die Kapelle erst seit diesem Jahr offiziell zu geben scheint, hat sie schon einiges erreicht: Im Sommer ein Weekender mit Dull Eyes aus Düsseldorf und Abyss A.D. aus Bayern und vor allem ein Signing von acuity.music, dem digitalen Ableger von Let It Burn Records. Über dieses Label wird die erste EP „Triumph of Time / Corruption of the Body“ veröffentlicht werden. Der oftmals vertrackte Sound der Band wird zwar sehr gut vorgetragen, passt jedoch heute vielleicht nicht optimal in das restliche Line-Up. Dennoch gibt es auch bei CODE BLUE COMA Gelegenheiten zum moshen, diese werden jedoch vom Bochumer Publikum noch ausgelassen. Vielleicht muss man erst einmal warm werden. Gerade „Honestly, I Will Lie Again“, den man sich schon auf der Bandcamp-Seite anhören kann ist ein gutes Beispiel für das Können der Mönchengladbacher – und auch live sitzt er. Man kann sich recht sicher sein, dass es sich hier nicht um die erste Band der Herren handelt.

REDEMPTION DENIED sorgen dann, wenn auch deutlich weniger als erwartet, für erste Aktion im Moshpit. Vereinzelt gibt es Sing-A-Longs, doch im Großen und Ganzen ist die Menge immer noch recht verhalten. Die Belgier, vor kurzem noch von niemand geringerem als Trapped Under Ice per Facebook als härteste europäische Band gekürt, haben vor kurzem ihre neue EP „Nothing Remains“ heraus gebracht und präsentieren heute einige der aktuellen Stücke. Von der Brachialität her etwa in der Mitte zwischen Hatebreed und No Warning kommen hier Fans von groovigem, stumpfem und simplem Hardcore voll auf ihre Kosten. Die Band bewegt sich und Sänger Kasper kommt mehrmals von der Bühne herunter und animiert die Leute – beides trägt dazu bei, dass das Set von REDEMPTION DENIED nochmal um einiges energischer wird als ohnehin schon. Mehrere Ansagen, zum Beispiel auch zu der Frage wieviel Freiheit ein Individuum in der westlichen Gesellschaft eigentlich wirklich ausleben kann, verdeutlichen die Ansichten der Band und die Themen, um die es bei der Musik geht. Außerdem folgt noch ein bisschen Werbung in Eigenregie, REDEMPTION DENIED sind nämlich am kommenden Wochenende mit ihren Landsmannen von The Setup auf Tour und beispielsweise auch auf dem „Dat is Hardcore“-Festival in Duisburg zu sehen.

Auch BLKOUT aus Australien tun sich sichtbar schwer damit, die Zuschauer zu überzeugen. An der Akkuratesse und den Songs dürfte das nicht liegen – allerdings ist der Sound vor der Bühne etwas dünn, beispielsweise hört man die Toms sowie die Snare-Drum kaum, dafür aber umso mehr Base-Drum. Dennoch zeigen sich BLKOUT sichtlich erfreut darüber, dass sie von heute an zusammen mit Bane und Power Trip ihre zweite Europa-Tour spielen und so liefern die Jungs aus Down Under über eine halbe Stunde lang ein feines Gemisch aus alten und neuen Songs, wobei mich vor allem jene von der „2012“ EP und von der „Point of No Return“ (die hierzulande auch über Demons Run Amok veröffentlicht wurde) überzeugen. BLKOUT gibt es schon mindestens seit 2007, 2009 (unvorstellbar: das ist 4 Jahre her!!) fand die erste Europa-Tour statt, also lange bevor es so viele Bands à la Trapped Under Ice oder Cruel Hand gab, und sie waren damals eine der ersten Bands, die diesen Sound gefahren haben. Daran hat sich nicht viel verändert, die Jungs schauen allerdings immer noch sehr jung aus und haben einen neuen Gitarristen an Bord, der heute seine zweite Show spielt. Beeindruckend ist vor allem das, was der andere Gitarrist an seiner Klampfe, oft auch mithilfe von Effekten wie einem WahWah-Pedal, fabriziert. Spätestens jetzt dürften die Leute doch warm sein?

Und tatsächlich, jetzt kommen die Leute näher an die Bühne und schauen dem Aufbau gespannt zu. Das erste Mal betreten POWER TRIP aus Dallas europäischen Konzertboden. Die Spannung in der Luft ist spürbar, manch einer macht einen verlegenen Eindruck und weiß nicht ob er näherkommen sollte oder nicht. Zugegeben, ich hatte mir diese Premiere auch etwas glorreicher vorgestellt, aber „The Evil Beat“ setzt dann, wenn auch niemand wirklich mitsingt, erstmals den Bahnhof Langendreer so richtig in Bewegung. Zugegeben, die Texte von POWER TRIP sind, wenn man sie denn versteht, auch nicht sonderlich einprägsam und gerade auf dem neuen Album durch den Hall noch undeutlicher. Den Hall auf Gesang und Schlagzeug lassen sich die Texaner übrigens auch live geben, um die richtige Atmosphäre für ihre Oldschool-Metal-Attitüde aufkommen zu lassen. Und nicht nur die Hardcore-Jünger hat es nach Bochum verschlagen, vereinzelt haben POWER TRIP auch ein paar Metalheads auf den Plan gerufen, die jetzt beispielsweise zu „Suffer No Fool“ oder „Armageddon Blues“ die Mähne schütteln. Sehr schön zu sehen, dass ein einigermaßen diverses Line-Up auch unterschiedliche Leute anzieht. POWER TRIP zeigen sich dankbar, aber verzichten auf weite Ausschweifungen. Mich würde interessieren, was die Herren sich vom heutigen Abend erwartet hatten. Von der neuen Scheibe gibt es lediglich den Titeltrack und das groovige „Crossbreaker“ auf die Ohren. Sänger Riley versucht es zwar einmal mit einem Circle-Pit-Ausruf, doch der bleibt ungehört. Egal, ich persönlich komme eh kaum aus dem Staunen darüber heraus, was diese Band auch live an Technik hinlegt. Unglaublich wie man bei dieser Geschwindigkeit so tight bleiben kann. „Hammer of Doubt“ ist der Höhepunkt eines mit sieben Songs relativ kurzen Sets, das dann mit „Divine Apprehension“ sein Ende findet. Ein würdiger Auftakt für POWER TRIP‘s erste Europatour.

BANE ist eine Kapelle, der man ihre jahrelange Erfahrung auf der Bühne wirklich anmerkt. Nicht nur ist da jede Note trotz dem obligatorischen Rumgespringe von Gitarrist Zach an ihrem Platz, man kann auch routiniert damit umgehen, wenn auf einer Show eben mal nicht so viel los ist, wie man eigentlich gewohnt sein müsste. Auf dem This Is Hardcore wurde noch Pizza für hunderte von Leuten vor der Bühne ausgeteilt, heute in Bochum sind es schätzungsweise 15-20 Leute, mit deren Hilfe Aaron Bedard das Beste aus der Show herausholt. Soll natürlich nicht heißen, es wäre unterirdisch wenig los gewesen – ich hätte nur einen Tick mehr erwartet. Wenn diese 15-20 Leute textsicher sind und sich trotzdem an Stagedives versuchen, macht das trotzdem Spaß, beispielsweise bei den ersten beiden Nummern „Ali vs Frazier“ und „My Therapy“. Bedard schlakst wie gewohnt herum und findet immer wieder jemanden, der seine Zeilen mitbrüllt. BANE bekennen selbst, dass es schon etliche Jahre, gar über ein Jahrzehnt her ist, als sie noch eine Hype-Band waren. Es ist ein Statement, dann mit „Speechless“ einen 12 Jahre alten Song spielt, der ein an die Fans gerichteter aufrichtiger Dank ist. Auch auf die Gerüchte, dass dies die letzte Europa-Tour sein würde, wird eingegangen. Bedard meint, dass es diese immer wieder geben würde und er nie wisse, wo sie her kommen – dran sei jedenfalls nichts. BANE haben neue Songs geschrieben und werden im nächsten Jahr einen neuen Longplayer veröffentlichen, mit dem sie dann durch die Lande touren. Mich freut es sehr, das zu hören. Die Hardcore-Szene ist schnelllebig, eben noch war melodisch angesagt, jetzt ist stumpf Trumpf, da ist es eine wirkliche Leistung, diese Trends zu überdauern. In Deutschland selbst fällt mir außer AYS fasst keine Band ein, die sich über ein Jahrzehnt hinweg den Arsch abtourt und trotzdem bestehen bleibt. Hinzu kommt, dass BANE immer noch mit anderthalb (wenn nicht gar mit beiden) Füßen im Underground stehen und nicht, wie Sick of It All oder Madball, jedes Jahr eine Persistence Tour headlinen und den Festivalsommer spielen. Stattdessen werden immer wieder kleinere, aufstrebende Bands mit auf Tour genommen. Viele noch größere Bands mit ähnlichem Ethos gibt es kaum – außer Terror. So wundert es nicht, wenn Aaron Bedard davon erzählt, dass die kurze Europa-Tour mit boysetsfire zwar durchaus lohnenswert, aber nicht mit kleinen und intimen Shows wie der heutigen in Bochum vergleichbar war. Hier gehören BANE hin. „Some Come Running“ spricht Bände über den Lebensstil der Musiker. „Ante Up“ ist live immer wieder ein Highlight. Von den ganz neuen Songs wird jedoch nicht viel gespielt. Vor „Count Me Out“ spricht Bedard an, wie wichtig neue und frische Bands für die Szene sind. Dann bedankt er sich für die Organisation dieser Show bis zu „Can We Start Again“ nochmal die ganze Venue mit dabei ist. Zugaberufe gibt es zwar viele, aber BANE winken sympathisch und bestimmt ab.

Alte Kommentare

von blabla 13.11.2013 18:24

Man sollte bei dem ganzen Underground Gerede halt auch nicht vergessen, dass die wenigstens Bands wohl nein zu mehr Erfolg sagen würden. Bane hätten sicherlich nix dagegen, so groß wie Sick of it All zu sein.

bane...08/15 band. warum alle so steil auf die gehen, is mir schleierhaft. ehrlich. und das ganze wird auch noch durch deren ständige nervige touren genährt.

von Bane 24.12.2013 22:59

Geniale Band und live einfach perfekt. :-)