04.12.2008: Attack In Black, Kirkwood Gaps - Köln - MTC

04.12.2008
 

 

Die Entdeckung der Langsamkeit.

Eigentlich war es klar. Wer einem überragenden, emotional stimmigen Album, das überzeugend im geistigen Kielwasser einstiger Heroen wie THE GET UP KIDS, JETS TO BRAZIL und THE WEAKERTHANS schwimmt, unmittelbar ein besonnenes Folk-Album folgen lässt, der würde auch live eher ruhigere Töne anschlagen. Und darüber leider ein wenig das euphoriegetränkte „ältere“ Material vergessen.

"Marriage" bleibt weiterhin ein ungeheuer stimmiges, vor Spielfreude geradezu überbordendes Album, das wohl nicht wenige dazu gebracht hat noch einmal alte Alben ihrer Mittneunziger-Helden herauszukramen. Trotzdem kann es natürlich auch für sich alleine stehen. Die Erwartungen an eine Liveperformance der erschreckend jung aussehenden, partiell bärtigen Kanadier ATTACK IN BLACK war dementsprechend enorm hoch. Direkt zum Auftakt macht der Vierer dem recht spärlich gefüllten MTC jedoch einen dicken, akustischen Strich durch die Rechnung. Nicht mit 'Come What May', dem antizipierten Opener von "Marriage", wird hier begonnen, sondern eben weitaus intimer und zurückhaltender. Die ohne Zweifel ebenfalls starken Songs der Vinyl-only Veröffentlichung "The Curve Of The Earth" lassen das Konzert leider oftmals ein wenig träge und schläfrig vor sich her mäandern. Die Musiker wirken bis auf Bassist Ian Daniel Kehoe völlig in sich zurückgezogen. Letzterer erweckt mit seinen tänzelnden Bewegungen einige Male den Eindruck, er würde lieber in einer bewegungsintensiveren Hardcoreband spielen. Auf ihrer Seite haben ATTACK IN BLACK das Publikum immer dann, wenn sie etwas schwungvoller agieren. Mit 'Hunger Of The Young' oder bereits genanntem 'Come What May' beispielsweise. In jenen euphorisierten Momenten wird die schöne Zeile „and everyone with a soul will fall in love“ (aus 'Marriage') bedingungslos von allen Anwesenden unterschrieben. Denn wirklich böse sein, kann man den vier Musikern ohnehin nicht. Wie sie da auf der Bühne stehen, in Schiebermütze und zerschlissenen Wollpullovern aus deren Löchern Tattoos blitzen. Sich hinter Bartwuchs verstecken oder in Socken von Schlagzeug an den Bass wechseln und eine über weite Strecken sympathisch-schluffige Performance hinlegen. Beinahe unsanft werden die Anwesenden schließlich mit der Zugabe aus ihren Träumen gerissen. Als nämlich Schlagzeuger Ian Romano den Beat von 'Broken Things' vorlegt und ATTACK IN BLACK zum Schluss noch einmal klar machen, wofür man die Band so liebt. „Let die our spoiled architect boroughs. Let die our finger-printed window sorrows.“ Jene Zeilen spuken auch nach dem Konzert noch in den Köpfen der Rezipienten weiter. Verbunden wohl unweigerlich mit folgendem Gedanken: „Schade, dass nicht der gesamte Auftritt so zu packen vermochte.“