04.03.2016: MADBALL, RYKER'S, CROWN OF THORNZ, KNUCKLEDUST, LAST HOPE, TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN, COLDBURN - Substage-Karlsruhe

 

 

Freitag Abend und die Rebellion Tour machte an ihrem zweiten Tag Stop im Substage in Karlsruhe. Ursprünglich war der Plan die MALFUNCTION, HARM/SHELTER und COLDBURN Tour mit der Rebellion Tour an diesem Abend zusammen zu legen, nachdem die MALFUNCTION Tour jedoch gecancelt wurde, entschlossen sich die New Noise Jungs zumindest COLDBURN trotzdem mit aufs Line Up zu packen. Bereits um 17 Uhr war Einlass und pünktlich um 17:30 mussten COLDBURN bereits die Bühne entern. Keine einfache Aufgabe, zum Glück war das Wetter nass und kalt, so dass zumindest die bereits Anwesenden sich alle im Substage einfanden. COLDBURN zeigten ein absolut solides Set und gaben, trotz der relativ großen Leere vor der Bühne, alles. Leider waren die Ansagen von Johannes kaum zu verstehen, da die Vocals ziemlich matschig rüber kamen oder wurde hier in den nicht vorhandenen Bart genuschelt, ich weiß es nicht, verstanden hat man wie gesagt kaum etwas. COLDBURN hätten definitiv eine spätere Position an diesem Abend verdient gehabt.

 

Weiter ging es mit LAST HOPE aus Sofia, welche ihr gerade erschienenes Album „Chain Reaction“ auf GSR Music mit im Gepäck hatten. Vor einigen Jahren hatte ich die Jungs mal als Support von YUPPICIDE gesehen und schon damals machten die Bulgaren eine gute Figur. Schnörkeloser Old School Hardcore mit einer guten Portion Härte, aber gleichzeitig auch einigen Melodien versehen. Definitiv nichts Neues oder besonders Aufregendes, aber dennoch frisch und gut umgesetzt. Auffällig waren diesmal zudem einige deutlich hervorstechende Metal Einflüsse, die ich aus der Vergangenheit so nicht in Erinnerung hatte. Der Platz vor der Bühne war leider immer noch relativ leer, auch die Androhung des Gitarristen „If you don't come closer, you are a police man“ hatten nicht die gewünschte Wirkung.

 

Als nächstes waren TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN an der Reihe. Bevor ein Ton erklang, machte Sänger Matthias die Ansage, dass man hier sei um zu leben, nicht um sich mit dem Smartphone, Laptop oder Fernsehen bzw. der Konsumwelt an sich zu beschäftigen, sondern den Moment hier und jetzt zu leben. Verdammt sympathisch und authentisch die Jungs. Los ging es dann mit „Alpha“ vom aktuellen Album „Machtwort“ auf Let It Burn Records. Der Gitarrensound hätte ein wenig druckvoller sein können, gerade auch im Vergleich zu LAST HOPE fand ich den Sound ein wenig zu lasch. Dennoch legten TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN einen sehr guten Auftritt auf die Bretter und auch die Bewegung nahm zu und auch der Platz davor wurde ein wenig enger. Dennis von RYKER'S hatte ja auch mal seine Finger bzw. seine Stimme bei TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN mit im Spiel und unterstützte an diesem Abend bei einigen Parts an den Vocals. Den Abschluss machte, wie auch schon bei ihrem Set auf der Tour mit BANE, der Song „Immer und Ewig“, ein sehr persönlicher Song, welcher die Gedanken an einen geliebten verstorbenen Menschen beschreibt. TAUSEND LÖWEN UNTER FEINDEN konnten mich durch ihre Musik an diesem Abend überzeugen, richtig gut und nachdrücklich fand ich die Ansagen von Sänger Matthias. Von der Band wird man sicher noch einiges hören und es lohnt sich definitiv das neue Album aus zu checken.

 

Mit KNUCKLEDUST enterte im Anschluss bereits die vierte Bands des Abends die Bühne. Das Quartett von der Insel, hatte ebenfalls einen ganz frischen Release „Songs of Sacrifice“ auf GSR Music dabei. Ich weiß nicht, woran es lag, die Jungs gaben Gas und machten auch wirklich einen sympathischen Eindruck, aber wirklich warm geworden bin ich an diesem Abend nicht mit KNUCKLEDUST. Etwas prolliger metallischer Hardcore, welcher sowohl den ein oder anderen Beatdown im Gepäck hat, wie auch melodische Punk lastige Old School Songs. Sänger Pierre verbrachte die letzten 2 Songs mit Mikro komplett jenseits der Absperrung im Publikum und die Meute dankte es ihm entsprechend. Vielleicht hatte ich bei so vielen Bands auch nur einen kurzzeitigen Hänger, KNUCKLEDUST waren nicht schlecht, hat mich aber einfach nicht vom Hocker gerissen.

 

CROWN OF THORNZ folgten auf KNUCKLEDUST. Eine der New York Hardcore Bands, die irgendwie jeder vom Namen kennt, aber die 1994 gegründete Band ist hierzulande aufgrund der fehlenden Präsenz in Europa und der spärlichen Releases nicht wirklich bekannt. Also irgendwie Kult, der schwer tätowierte Frontmann Danny Diablo ist vielen auch als Sänger von SKARHEAD ein Begriff, ohne jedoch die große Fanbase zu haben. Musikalisch empfand ich es an diesem Abend eine willkommene musikalische Abwechslung, da CROWN OF THORNZ eine rockige Variante des Hardcore spielen, die sich doch deutlich vom Rest des Line Ups unterschied. MADBALL Gitarrist Mitts half übrigens am Bass aus. Mir gefiel der Stilmix musikalisch gut, mein Kumpel meinte nach dem Set, es wäre einfach nur belanglose und langweilige Musik mit nem bekifften Sänger gewesen. So unterschiedlich können dann die Geschmäcker oder Auffassungen sein.

 

Nun war die Kassel Crew an der Reihe. Irgendwie komisch nicht mehr Kid D, sondern jetzt Dennis, ehemals BRIGHTSIDE, am Gesang zu sehen. Von Seiten der Band ein nachvollziehbarer Schritt, nach dem Ausstieg von Kid D, Dennis an die Vocals zu nehmen, so hat er doch ein absolut überzeugendes Hardcore Organ und ist ein langjähriger Freund der Band. Für mich waren es trotzdem gemischte Gefühle, das von dem Ursprungs Quartett mittlerweile nur noch Chris am Bass übrig geblieben ist. Positiv war auf alle Fälle, dass einige Songs der „Payback Time“ EP gespielt wurde, so unter anderem „Beg To Differ“ oder auch „First Blood“ von der gleichnamigen EP, damals jeweils noch auf Lost&Found veröffentlicht. Hervorzuheben auch ganz klar die Spielfreude der Band, allen voran Chris und Dennis steht die Freude und der Spass einfach ins Gesicht geschrieben. Dennis konnte man auch eigentlich mehr auf der Absperrung finden als auf der Bühne.... Wie gesagt, irgendwie gemischte Gefühle, aber auch wenn die neueren Songs vielleicht nicht ganz mit dem Spirit der „alten“ Tage belegt sind, so machen RYKER'S auch im Jahr 2016 noch vieles richtig und es macht Spaß die Band live zu sehen. Ob es jetzt noch „die“ RYKER'S sind oder vielleicht doch eher die Band „formerly known as RYKER'S“, muss dann jeder für sich ausmachen.

 

Nun war es selbstredend an MADBALL dem Abend ein gebührendes Ende zu setzen. Im Rahmen des 20 Jahre „Demonstrating My Style“ Jubiläums hatte man den guten alten Matt Henderson mit an Board, was Freddy, gut gelaunt, auch geschätzte 20mal während des Sets erwähnte. Los ging es dann logischerweise mit „Demonstrating My Style“ und auch für den Rest des Abends stand das Album im Mittelpunkt. Besonders positiv finde ich an Freddy und MADBALL im Gesamten, dass die Band mittlerweile einfach gut gelaunt und immer mit einem Lächeln auf der Bühne steht, vergleichbar, wie bereits oben erwähnt, mit den Jungs von RYKER'S... Wenn ich an die „Set It Off“ Tour 1994 zurückdenke, so meine ich mich zu erinnern, dass MADBALL immer sehr ernst und finster drein blickend, eher einen auf die harten Jungs aus New York machten. Freddy hat für mich über die Jahre auch deutlich an Charisma gewonnen, ebenso wie sein Gesang mittlerweile einiges vielschichtiger geworden ist. MADBALL sind einfach eine verdammt gute Live Band geworden und in Zeiten in denen es so manche Hardcore Band als Headliner kaum über die 30 Minuten Spielzeit schafft, gehen MADBALL erst nach 75 Minuten von der Bühne und schaffen es die Stimmung im Publikum über die komplette Dauer auf einem sehr guten Level zu halten. Ein verdammt gutes Set, in dem ich neben alten Hits wie „Set It Off“ und neuen „Doc Marten Stomp“ einzig und allein „Down By Lay“ vermisst habe. Auch wenn es mir bei MADBALL, ähnlich wie bei SICK OF IT ALL, mittlerweile schwer fällt zu zählen, wie oft ich die Band in den letzten 22 Jahren gesehen habe, werde ich auch beim nächsten Tourstop in der Gegend wieder am Start sein.