05.08.2014: Red Fang, Mojo Jazz Mob - MuK, Gießen

 



Wenn die Bier-affinen Red Fang aus Portland nach Deutschland kommen, muss das für sie das reinste Schlaraffenland sein. In wohl kaum einem anderen Land wird der Verzehr des Gerstensaftes so exzessiv zelebriert wie hierzulande – da ist der rifflastige Arschtritt-Rock der Band natürlich auch ein sehr passender Soundtrack.

Auch wenn Red Fang nach eigener Aussage etwas von ihrem Bier-Band-Image wegkommen wollen, wird bereits kurz nach Konzerteinlass natürlich gleich feucht-fröhlich losgelegt seitens der Zuschauer. Nicht, dass nur Suffköpfe anwesend wären, ganz im Gegenteil. Aber die Stimmung ist gut, als mit MOJO JAZZ MOB der erste von zwei Acts des heutigen Abends auf der Bühne des Gießener Musik-und Kunstvereins (kurz MuK) steht. Gleich wird deutlich, dass man es hier nicht mit einem typischen lokalen Support zu tun hat. Fernab von Anfängerfehlern präsentieren die sechs Westfalen eine ordentliche Soundwand, die längst schon nicht mehr in den Kinderschuhen steckt. Wenn sie das jemals getan hat. Die Band hat gleich zwei Schlagzeuger am Start. Der einzige mir ersichtliche Vorteil daran ist, dass noch etwas mehr Druck in den Sound von MOJO JAZZ MOB kommt. Mir ist jedoch schleierhaft, wieso man bei jedem Konzert die logistischen Komplikationen auf sich nimmt, wenn sowieso beide Schlagzeuger dasselbe spielen. Abgesehen von dieser Tatsache ist der Auftritt der Band sehr rund und kann durchaus gut für das bevorstehende Riff-Feuerwerk von Red Fang vorbereiten. Wie auch der Headliner des Abends mischen MOJO JAZZ MOB Elemente verschiedenster Stilrichtungen in ihre Songs ein, sodass durchaus eine unterhaltsame halbe Stunde verstreicht. So reihen sich schleppende Parts, die durchaus in den Bereich Stoner fallen an schnellere Parts, in denen die Gitarren-Riffs fast schon nach Göteborger Schule klingen. Am konstantesten bleibt dabei die Stimme des Frontmanns Adrian. Da steckt ordentlich Kraft und Lungenvolumen dahinter, wie es zu der Musik des MOJO JAZZ MOB besser kaum passen könnte. Ob ich die Stimme nach ein paar Wochen noch wiedererkennen würde, wage ich allerdings zu bezweifeln. Das Publikum wirkt größtenteils noch recht verhalten, nur vereinzelt ernten die sechs Musiker ein paar Pommesgabeln und Headbangs als Reaktion auf ihre Stücke. Dass die Band jedoch groovet, kann man an der mitwippenden Menge zweifelsfrei feststellen.

RED FANG gönnen sich eine der Bandgröße entsprechende Umbaupause und schließen so nach 30 – 40 Minuten als zweite Band den Abend schon ab. Allerdings bleibt bei einer Spielzeit von über einer Stunde natürlich kein Auge im Gießener MuK trocken. Doch first things first: Von Minute eins an machen die Amis einen mehr als sympathischen Eindruck und können die Zuschauer nun endlich vollends mitreissen. Der Platz vor der Bühne ist vollends bis zum Mischpult aufgefüllt und es werden erste Bierduschen gegeben. RED FANG lassen mit Songs wie „Dirt Wizard“ zunächst einmal sehr solide, aber noch nicht ihre besten Geschosse los. Es dauert einige Songs, bis mit „Blood Like Cream“ ein erster herausstechender Höhepunkt des Sets gespielt wird. Doch auch schon vorher feiert das Gießener Publikum vor der Bühne eine fröhliche Sause, gröhlt mit und crowdsurfet, was das Zeug hält. RED FANG können auch durch ihren Humor überzeugen und schaffen eine sehr distanzlose Stimmung im Raum (durchaus positiv gemeint). So bemerkt Sänger und Bassist Aaron Beam beispielsweise, dass er aufgrund der Scheinwerfer nichts sehen, dafür aber einiges riechen könne. Zum Beispiel, was die unmittelbar vor der Bühne stehenden Leute zu Mittag gegessen haben. Gestern. Es ist schön zu sehen, dass auch Musiker, die halbwegs in die Jahre gekommen sind (RED FANG dürften jetzt Ende 30 bis Mitte 40 sein), noch so frisch wirken und außerhalb ihrer Jugendjahre noch einen solchen Aufstieg in der Musikszene verzeichnen können. Nach einigen Touren im Schatten von Bands wie Mastodon, Megadeth oder Disturbed folgten einige Festival-Auftritte in ganz Europa (darunter die wahrscheinlich größten Dinger, die man mitnehmen kann wie das Reload, With Full Force, Wacken, Sonisphere), und inzwischen kann man locker als Headliner auf eine gut besuchte Tour in Europa kommen. Der Bass rumpelt, beide Gitarren liefern messerscharfe Riffs oder kreieren regelrechte Soundwände, keine Minute stehen RED FANG still und genau so wenig tun es die Zuschauer. Über die Länge einer Stunde ist das anstrengend und schweisstreibend und es spricht für sich selbst, wenn der Raum trotzdem über die ganze Länge des Sets mitgeht. Die Songs des vorletzten Albums („Murder the Mountains“) scheinen einen Ticken besser anzukommen als die der neuesten Platte, so knallen beispielsweise „Malverde“ und „Wires“ ganz besonders. Tatsächlich wird dann am Ende noch eine Zugabe gefordert, wobei der Sprechchor „RED FUCKING FANG“ ausruft. Dann gibt es obligatorischerweise noch „Prehistoric Dog“ oben drauf, sodass das MuK endgültig in Ekstase ist. Um kurz vor halb elf schicken RED FANG die Konzertbesucher dann in die noch junge Nacht.