05.09.2015 - FALLEN FORTRESS OPEN AIR - Bad Dürkheim

 

Was tun wenn die Festung fällt? Wenn die lang behütete Heimatstätte, die Burg, nicht mehr als Anlaufstelle her hält? Einfach in der gefallenen Festung weiter machen, als wäre nichts gewesen! Nochmal auf Deutsch: Rock die Burg ist tot. Es lebe das Fallen Fortress Festivall.

„Nach 11 Jahren „Rock die Burg“ brechen wir zu neuen Ufern auf und werden ab 2015 das „Fallen Fortress Open Air“ veranstalten. Wir als Verein Rock die Burg e.V. werden euch natürlich weiterhin als Veranstalter und Ansprechpartner zur Verfügung stehen.“

So schön das „Gefallene Festung“-Festival klingt, so unschön kommt die Festung daher, die sich als einfacher Sportplatz mit Fußballfeld und 400 m-Rennbahn, darstellt. Dass nebenher kein Fußballspiel stattfindet ist das einzig Positive.
Auch, diesmal richtig positiv ist die Ausschilderung, die einem bei so manchem Festival schon in die Irre geführt hat. Hier nicht. An den richtigen Stellen ein Pfeil angebracht und schon ist man, ohne jegliche Beschwerden, am Festivalgelände. Wie einfach das sein kann. Parken darf man dann inmitten des Wohngebietes, was bestimmt auch nicht jedem Anwohner passt, aber (zumindest kurz nach 16:00 Uhr) genügend Parkplätze bietet. Nun noch über das komplette Sportareal und schwupps steht man auch schon vor dem kleinen, aber feinen Festivalbereich des Fallen Fortress Festivals. Festivalbändchen gibt es, zumindest für uns, heute keine. Stattdessen wird peinlich genau der Ausweis kontrolliert und es werden Altersbändchen verteilt. Ü18 in grün, Ü16 in gelb und U16 in rot. Zumindest hilfreich bei möglichen Flirtversuchen, damit sich der Mitzwanziger nicht ausversehen an die 14jährige hängt. Heutzutage verschätzt man sich ja gerne. Aber Spaß beiseite: Natürlich wichtig, wenn man dem Jugendschutzgesetz Folge leisten will.

Aufgrund der „Was es ist schon so kalt, dass ich ne Jacke brauch?“-Vergesslichkeit meinerseits treffen wir erst zu FROM WHAT WE BELIEVE und damit nach GRIZZLY ein, die das neue Festival eröffnen durften. Aber GRIZZLY, mit gebatikten T-Shirts am Merch und Penis-Klebereien über’m Merch, sind auch noch so omnipräsent und rennen mit ActionCam bewaffnete über das Gelände, um sich gegenseitig das Kameraobjektiv in den Mund zu stecken. Joah,.. weiß nicht ob man da etwas verpasst hat.

Angekündigt wurden FROM WHAT WE BELIEVE mit „aggressiven Metalriffs, emotional-melancholischen Melodien und mächtigen Patterns“ und damit dass „sie seit Januar 2013 neue Maßstäbe in puncto Metalcore“ setzen. Joah, etwas hochgegriffen würde ich sagen. Zumindest der zweite Teil. Gut anzuhören sind sie trotzdem, auch wenn sie das Genre nicht revolutionieren. Schuld daran ist auch ein wenig der Mann an den Reglern, der den Ton, auch am restlichen Festivaltag, immer mal wieder nicht im Griff hat. Mal gut, mal schlecht, mal ganz grottig. Und vor allem leise. So leise dass man seinen Nachbarn ohne große Anstrengung verstehen kann. Liegt wahrscheinlich am angrenzenden Wohngebiet und ist damit verständlich, aber nicht weniger blöde. Ähnlich blöde wie die Ansprachen des Sängers. Dieser wirkt bei selbigen Ansprachen noch etwas unbeholfen, lässt sich aber dennoch nicht von diesen Abbringen.

Noch einen drauf setzt dann aber der Frontmann der Kombo I AM NOAH, der unerbittlich, während jedem Song, „Bewegung“ fordert. „Bewegung, Bewegung, Bewegung“. Ach und jetzt mal ausnahmsweise „Bewegung“! Aber die Penetranz hat (teilweise) Erfolg und so erhören zumindest eine Handvoll Festivalbesucher die Bitte nach „Bewegung“ und kommen dieser nach.
Musikalisch machen I AM NOAH feinsten Hardcore und gefallen mir damit schon um einiges besser als ihre Kollegen zuvor. Sicheres Auftreten, lockere Bühnenansagen, gute Musik. Umso erstaunlicher dass die aus Trier stammende Band bisher noch kein Album veröffentlich hat. Ich bin gespannt was da noch so auf uns zukommt.

Im Folgenden betreten GWLT bzw. ausgesprochen GEWALT die Bühne. Eine zurzeit im Internet relativ präsente Metal/Hardcore/Rap Combo, die auch auf dem Fallen Fortress Festival schon den ein oder anderen Fan mit dabei hat. Und so ist es kein Wunder dass es während dem 45-minütigen Auftritt erstmals zu ausgelassenen Tanzeinlagen vor und auf der Bühne kommt. Rap und Metal passt halt irgendwie doch zusammen. Auch auf Deutsch. Einziger Kritikpunkt: Bitte GWLT, nehmt euch doch nicht ganz so ernst, wenn ihr auf der Bühne steht, Haltung annehmt, als wärt ihr bei der Bundeswehr und Ansprachen haltet, als ständet ihr gerade vor dem Bundestag. Musik soll ja auch ein bisschen Spaß machen. Gleichzeitig jedoch auch meinen Respekt für die Inhalte der, wenn auch (für mich) etwas falsch vorgetragenen, Rede. Gerade heute. Gerade jetzt. Refuges Welcome. Denn ihr habt Recht -  „Wir haben Glück und haben nichts dafür gemacht – Flüchtlinge haben Pech und haben nichts dafür gemacht“.
Ähnlich viel Respekt gebührt den Freestylekünsten des Frontmannes. Fast keine Aussetzer, nichts auswendig gelerntes und gute Reime. Mein Hirn würde da (leider) nicht hinterherkommen.

Weiter geht es mit meinem persönlichen Headliner und eigentlichen Grund dieses Festival besucht zu haben. THE TIDAL SLEEP aus meiner Heimatstadt Mannheim.  Denn obwohl die Jungs aus der Nähe kommen, zieht es Sie Konzertmäßig lieber in die weite Welt hinaus und somit muss man die seltenen Momente, wenn es die Jungs doch mal in die Nähe geschafft haben, ausnutzen.
Die Erstpressungen ihrer veröffentlichten Platten sind allesamt ausverkauft und erzielen horrende Preise auf ebay, discogs,… auf dem Fallen Fortress ist das leider nicht soo zu erkennen. Die Menge, die sich während GWLT vor der Bühne angesammelt hatte, steht nun wieder verteilter im Hintergrund und quatscht lieber, als dem 45 Minuten Set der Mannheimer zu lauschen. Schade, denn da entgeht ihnen so einiges. Moderner Hardcore, der auch ohne Doublebass (was ich ja nicht so richtig leiden kann) und „Bewegung“-saufforderungen auskommt. Hier wird Tee getrunken, anstatt Jägermeister oder Bier. 5 Jungs von neben an, die einfach Bock haben Musik zu machen und das nebenbei noch unglaublich gut beherrschen. Tausend Luftküsse. Starkes Set, an das an diesem Abend, zumindest aus meiner rosaroten Sicht, keiner mehr dran kommt.

DEVIL IN ME, die im Anschluss die Bühne betreten, sind der erste internationale Act des Abends. International lässt sich halt doch weiter oben im Line Up platzieren als deutsch bzw. zieht mehr Leute. Selbiges sieht man auch vor der Bühne, wo es jetzt um einiges mehr abgeht. In der Anonymität der Nacht lässt der ein oder andere doch die ein oder andere Hemmung mehr fallen, obwohl auch schon zuvor die Dorfjugend, in pinker Lederjacke und anderen bizarren Outfits, die ein oder andere Hemmung zu viel hat fallen lassen. So auch der Sänger von DEVIL IN ME, der im GRIZZLY-Batik-Shirt alles gibt und mit seinen gefühlten 2 Metern Höhe und 2 Metern Breite, nicht nur ein GRIZZLY Shirt trägt, sondern auch wie einer aussieht. So kann man sich das kalte Wetter auch wieder warm zaubern und schön anzuschauen. Hier wird noch alles gegeben, egal wie es aussieht.

Mehr auf ihren Style achten da schon SILENT SCREAMS. Viel Gepose, viele große Gesten, aber auch eine beeindruckende Stimme. Keine Schreitechnik die nicht beherrscht wird. Wirklich beeindruckend. Wirklich gut. Aber warum haut man dann Pop-Refrains in die Mitte der Songs?! Dinge die ich nicht versteh und wahrscheinlich nie verstehen werde. Da packt man die härtesten Screams aus und verweichlicht im Refrain komplett? Ganz oder gar nicht, oder?
Ich erfreu mich weiterhin an den Strophen und höre im Refrain einfach weg, bis es langsam aber sicher auf den nach Hause Weg geht. ADEPT müssen der Müdigkeit und Kälte weichen.

Anscheinend keine schlechte Entscheidung, wenn man die Kommentare auf Facebook so liest.  „Der Moment wenn die Headliner keine Zugabe geben wollen“, „Das Mikro des Sängers hat auch nicht immer so funktioniert, scheinbar“, „Enttäuscht von Adept“,… scheint wohl nicht der optimale Abschluss gewesen zu sein.

 

Dennoch,… das Fallen Fortress Festival hatte einen gelungenen Einstand. Am Sound sollte noch ein wenig geschraubt werden, das Festival Gelände ist nicht das schönste und die Burg nicht zu ersetzen, aber ansonsten bleibt alles beim Alten. Gute Hardcore, Metal,… Bands zum kleinen Preis. Was will man mehr? Fallen Fortress – wir sehen uns wieder!