06.03.2014: The Ataris, Authority Zero, Drag The River, Versus The World - House of Blues - Anaheim, CA

 

Kawumms. Skrupellos und unvorhersehbar fliegt Donald Spencer zu Boden. Zum fünften mal in seiner Karriere, wie er später lachend zugibt. Ausgerutscht in einer Pfütze aus Bier, Schweiß und seiner eigenen Spucke. Nicht, dass der VERSUS THE WORLD-Frontmann es verdient hätte - eine gesangliche Glanzleistung hat der herzliche Brillenträger mit dem BAYSIDE/CBGB-Gedenk-T-Shirt als Kopf des heutigen Openers jedoch nicht abgeliefert. Zu wackelig waren Stimme und Tonales bei "A Fond Farewell" und "These Bones". Jetzt ist seine Hauptaufgabe zunächst das bedienen der zweiten Rhythmusgitarre bei den ATARIS. Diese feiern das zehnjährige Jubiläum ihres kommerziell erfolgreichsten Albums "So Long, Astoria" mit einigen exklusiven Album-Shows und haben dazu neben Spencers Band (bei der auch THE ATARIS-Basser Mike Davenport fleißig headbangt) auch DRAG THE RIVER und AUTHORITY ZERO eingeladen.
Erstere begeistern heute leider nur in Duo-Besetzung um Jon Snodgrass und Chad Price und vermitteln mit trockenem Humor zwischen den Generationen. Junge Frauen schütteln kreischend ihre Haare zu "Me And Joe Drove Out To California", bärtige Recken singen mit Riesen-Bierdose in der Hand und geschlossenen Augen das zurückgelehnte "Death Of The Life Of The Party" mit. So wird Anaheim schon früh am Abend Zeuge der wohl intensivsten und ehrlichsten Momente, die das Gesamt-Lineup heute zu bieten hat.



Die aus Arizona stammenden Skatepunks von AUTHORITY ZERO spulen ihren Melodycore mit chirurgischer Unterstützung von Sean Sellers (Drums, u.a. GOOD RIDDANCE) runter, Orange County dankt mit vorsichtigen Circle Pits und lauten Singalongs zu "Take Or Leave It" - bevor sich Donald Spencer auch hier keinen (überflüssigen) Gastauftritt vorenthalten will.
Kris Roe - neuerdings stetiger Huttraeger - wirkt, als würde er sich dem Supportslot von Snodgrass und Price näher fühlen als seinen eigenen (ehemaligen) Bandkollegen. Hermetisch durch Monitorboxen abgeriegelt klingt "Takeoffs And Landings" ebenso kühl und distanziert wie das selten live praesentierte "Summer '79". Wenig bis gar keine Interaktion lässt das Recording-Lineup um Roe, Gitarrist John Collura , Basser Mike Davenport sowie Schlagzeuger Chris Knapp zu - dementsprechend verhalten gestaltet sich das Set der einstigen Poppunkpioniere. Natürlich wackeln alle Wände bei "In This Diary" und "Unopened Letter To The World", von losgelassener Stimmung kann jedoch weder auf noch vor der Bühne die Rede sein. THE ATARIS rattern sicher durch die Platte, improvisieren grinsend bei "The Saddest Song" und gestalten "Radio #2" als kleines Publikumshighlight.



Statt die durchgeschwitzten Shirts nach einer knappen Stunde weiterhin zu belohnen, kehrt Roe zunächst nur mit Akustikgitarre zurück und erntet mit "San Dimas Highschool Football Rules" mehr Aufmerksamkeit als zuvor etwa "The Hero Dies In This One". Mit "Your Boyfriend Sucks" geht es bereits ins Finale, dann versammelt sich die komplette Mannschaft fuer "I Won't Spent Another Night Alone". Eine Prise weniger Donald Spencer haette gerne gegen mehr "alten" THE ATARIS-Spirit getauscht werden koennen. So erinnern fast nur die Danksagungen an die seit jeher befreundeten VANDALS und ihr Label Kung Fu Records an die fruehen und sicher freundschaftlicheren Momente der Bandgeschichte.