06.08.2014: Biohazard, Undivided, Keep Me Alive - KFZ, Marburg

06.08.2014
 

 



NYHC-Bands wie Agnostic Front, Sick of It All und Madball sind seit Jahren gefühlt jeden Sommer auf Festival- und Clubtour sowie zusätzlich auf der Persistence Tour oder einer weiteren eigenen Tour vertreten. Andere Bands mit Legendenstatus haben sich in der Vergangenheit etwas rarer gemacht, so beispielsweise Biohazard, die nach ihrem letztjährigen Stopp im Frankfurt Elfer Club nun in Marburg Halt machen.

Eine der beiden Supportbands (die vielleicht dem ein oder anderen bekannten Today Forever aus Kassel) fällt leider krankheitsbedingt aus, sodass heute KEEP ME ALIVE als einzige Vorband den Anfang machen. Tja, entweder hatten die Kumpels der Jungs keinen Bock heute 23€ an der Abendkasse zu latzen, oder sie haben sie schon zu oft gesehen. Die Bewegung bei der Opener-Band seitens des Publikums ist jedenfalls gleich null. Das kann einem fast schon leid tun, könnte aber dem Umstand geschuldet sein, dass KEEP ME ALIVE mit ihrem breakdownlastigen Metalcore vielleicht nicht soo perfekt ins heutige Line-Up passen. Wie dem auch sei, der Sound ist durchaus gut und auch die Songs werden größtenteils sehr sauber und auf den Punkt vorgetragen. Die Band scheint trotzdem einigermaßen ihren Spaß zu haben. Musikalisch ist die Band für mich eine leicht überdurchschnittliche Kapelle im riesigen Metalcore-Meer, die wahrscheinlich auch so ihre Probleme haben dürfte, aus der Menge heraus zu stechen. Die Shouts kommen brachial und geübt, und auch der Lead-Gitarrist überzeugt durchaus durch seine Fingerfertigkeit in so manchem Solo-Part. Leider gehen diese soundmässig meist ein wenig unter. Hingegen kommt an manchen Stellen kommt der Bass etwas besser zur Geltung, dieser klingt jedoch verglichen mit den anderen Instrumenten eher unspektakulär und begleitet meist die Rhythmus-Gitarre auf dem Grundton. Auch KEEP ME ALIVE selbst wundern sich ein wenig angesichts der mauen Publikumsbeteiligung, ziehen jedoch routiniert ihr Set durch. Mich persönlich jucken junge und aufstrebende Metalcore-Bands der Generation YOLO (Tanktop-Aufschrift „Smoke Meth and Hail Satan“) leider schon seit Jahren nicht mehr, aber einen lautstarken Applaus ernten KEEP ME ALIVE dennoch vom gut gefüllten KFZ.

Mit UNDIVIDED geht es dann international weiter: Es handelt sich dabei, wie vielleicht einige im Vorfeld des Konzertes nicht gewusst haben könnten, ebenfalls um eine New Yorker Band, die zur Zeit mit Biohazard auf Tour ist. 1996 gegründet brachten UNDIVIDED ihr erstes Album „Until Death“ erst im Jahre 2009. Sonderlich viel Aufmerksamkeit in Deutschland hat die Band zweifelsohne nie bekommen, umso besser kommt da natürlich eine solche Tour mit einer NYHC-Legende. Musikalisch ist die Band nicht all zu weit von Biohazard entfernt, jedenfalls deutlich weniger als die lokale Vorband. Es herrschen NYHC-typische Powerchords in den Songstrukturen vor, allerdings stechen auch einigen Ecken die Thrash-Metal-Einflüsse heraus und insbesondere in den Soloparts der Lead-Gitarre (oftmals durch Digital Delay oder Wah-Wah-Pedal verstärkt) zeigt sich die Vielseitigkeit und vor allem die Qualität der Kapelle. Die ins Alter gekommen Herren haben sichtlich ihren Spaß vor einem immer noch nicht vollständig gefüllten Konzertraum – einige Besucher stehen noch draußen und warten auf den Headliner. Vor der Bühne stehen nun auch ein Dutzend Leute, die UNDIVIDED zu jubeln, headbangen oder die Faust in die Höhe recken. Darunter auch „Prominenz“, nämlich zwei Mitglieder von Pro-Pain, worüber sich beide New Yorker Bands heute ganz besonders freuen. Die Setlist besteht aus neun Songs der beiden Alben („Until Death“ und der Nachfolger „No One’s Safe“). UNDIVIDED legen dabei lediglich zwei Stimmpausen ein, ansonsten gehen sie ohne größere Unterbrechungen ihr Programm durch und präsentieren sich eher wortkarg, aber dennoch dankbar. Am Ende folgt dann zur Freude einiger weniger mit „Sex & Violence“ ein Cover der Type-O-Negative-Vorgängerband Carnivore.

Das KFZ ist nun also etwas angeheizt, um BIOHAZARD gebührend in Empfang zu nehmen. Der Laden ist zwar nicht ausverkauft, aber dennoch ganz gut gefüllt und nun sammeln sich jung und alt unmittelbar vor der Bühne, um gemeinsam abzufeiern. Der charakteristische Crossover-Sound der Band (mit Hip-Hop-artigen Drumbeats) lädt zum mitspringen ein, was viele der Besucher auch ausgiebig tun. Einige springen auch von der Bühne, die meisten Stagedives gehen allerdings leider ins Leere. Mit „Shades of Grey“ und „Urban Discipline“ bringt man Marburg in die Gänge. Die vier Musiker strotzen nur so vor Bewegungsfreude und Energie. Trotz der untypischen Konstellation für eine Hardcore-Band (kein eigenständiger Sänger) hat das durchaus den Charakter einer sehr guten Hardcore-Show. Mehrmals wird sich am Circlepit versucht, es dauert aber über die Setlist hinweg drei bis vier Anläufe, bis BIOHAZARD zufrieden mit dem Ergebnis sind. Auch eine kleine Wall of Death gibt es, die linke und die rechte Seite des Raumes wird zum Lärm machen aufgefordert. Frontmann Bill Graziadei kommentiert dies mit „East Germany vs West Germany“, nimmt den Kalauer allerdings schnell wieder zurück und merkt an, dass sie als Bands nicht von Grenzen halten würden und dass es zu viel Krieg auf der Welt geben würde. Passend folgt darauf „Black and White and Red All Over“. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die meisten der Konzertbesucher trotz ihres Alters über eine Stunde lang das immense Tempo von BIOHAZARD mitgehen. Trotz der nicht ausverkauften Show und den Lücken vor der Bühne gibt die NYHC-Legende 110%, wovon sich manche der zeitgemäßen Hardcore-Bands mal eine Scheibe abschneiden könnten. Auch stört es die Band keineswegs, wenn Leute zu ihnen auf die Bühne kommen und am Mikrofon mitsingen – im Gegenteil, es freut sie. Auch da kenne ich durchaus Bands, bei denen gleich der coole Roadie am Start ist, der einen dann mit grimmiger Miene von der Bühne schubst. Nachdem BIOHAZARD Punishment und im Anschluss daran „Hold My Own“ spielen ist klar, dass hierauf keine Zugabe folgen wird – diese wird auch gar nicht erst gefordert. Marburg ist vollends zufrieden und bedient. Man darf sich darauf freuen, dass BIOHAZARD wie angekündigt nächstes Jahr mit einer neuen Platte im Gepäck zurück kommen.