06.12.2011: Iced Earth - Herford - X

 




Der Nikolaus Jon “Stop Being A Pussy” Schaffer lud mit ICED EARTH an einem nasskalten Dezembertag ins X zu Herford ein und ca. 500 Metalmaniacs folgten seinem Ruf. Es gab ewig jung gebliebene Kuttenträger en masse, es gab Bier ohne Ende und es gab an diesem Abend 3 verschiedene Shirtaufdrucke im Auditorium zu bewundern: der überwiegende Teil trug ICED EARTH, der Rest teilte sich BLIND GUARDIAN und W:O:A unter sich auf. Die Merch Preise waren fair, ein Schlumpf 40 Euro und ein Tourshirt 15 Euro, letztere kosteten auch die CD’s. Auffallend sympathisch ging es den ganzen Abend zu, die Metaller wollten mit ihren Helden feiern, und das mit guter Laune und ständig gereckten Teufelsfingern.

Die mit Spannung erwartete Live-Präsenz der Amerikaner (neuer Sänger, neues Album) fiel gekonnt und letztlich gewohnt gut wie immer aus. Der „Neue“ am Mikro (ex-INTO ETERNTY Frontmann Stuart "Stu" Block) überzeugte vor allem in den mittleren Barlow-Lagen, letztlich ist der Großteil aller Schaffer-Songs auf seinen einstigen Fronter und ex-Sympathieträger zugeschnitten gewesen. So konnten dann auch gemessen am Abgehverhalten der Zuschauer vor allem „Dark Saga“ Songs wie „The Hunter“ oder der „Something Wicked This Way Comes“ Track „Watching Over Me“ punkten. Aber wer ICED EARTH kennt, der weiß, dass die Power Metal Institution auch progressive Vorlieben und dunkle Seiten aufziehen kann. So wurde „When The Nights Falls“ vom selbstbetitelten Debütalbum als Beispiel dafür zelebriert und gerade die verspielte und harte Ausrichtung zugleich machen die Band seit jeher interessant. Etwas übertrieben haben sie an diesem Abend aber mit zu langen und zu verspielten Passagen ("Dante's Inferno"), denn nicht immer konnte die gute Stimmung aufrecht erhalten bleiben. Kurze, knackige und auf den Punkt zielende Songs sind dann doch für die Meute dienender gewesen.Verschwiegen werden soll hier nicht, dass Stu Block bei „Declaration Day“ mehr als Probleme hatte, die Stärke UND Höhe eines Ripper Owens (der bekanntlich „The Glorious Burden“ einsingen durfte) zu erreichen. Dafür hatte er sämtliche Gesten eines guten Unterhalters drauf, immer schön böse gucken und Äpfel von den Bäumen pflücken, dann klappt es auch mit den Herfordern…

Der Abend zeigte neben guter Musik aber auch eine harmonisierende und eingespielte Band. Vor allem ist hier das tighte Power Drumming eines Brent Smedley und das virtuose Gitarrenspiel von Troy Seele zu nennen, wohingegen der Bass von Freddie Vidales (der über eine Löwenmähne verfügt und diese permanent durch die Halle schüttelte) vom Mischpult zu überdreht wurde und zu einem permanenten Dröhnen führte. Der sich auf seine Riffgewalt konzentrierende Schaffer übergab die Bühne seinem Sänger und dem Basser, er selbst drang immer nur kurzweilig in den Vordergrund (Lead Gitarrist Seele zog sich meist völlig aus dem Rampenlicht zurück). Wenn Schaffer aber mal den Vorsitz übernahm, fraßen ihm seine Getreuen Untertanen, die vor der Bühne jeden Ton aufsogen, aus der Hand. Obwohl sich Jon Schaffer in den letzten Jahren etwas selbst demontierte (vor allem mit dem ewigen Sänger Hickhack und den Aussagen dazu), scheint er noch viele Sympathiepunkte in der Metalszene zu besitzen. An diesem Abend haben ICED EARTH keinen Fan verloren und ihren Ruf als Power Metal Referenz gefestigt.

Als Vorgruppe durfte eine Stunde FURY UK (kurz: FUK) einen auf Vorheizer machen und das Trio aus Manchester hat definitiv die Gunst der Stunde genutzt und die Halle gerockt. Der Stark an IRON MAIDEN (wobei natürlich die doppelte Lead fehlte) erinnernde Sound der Band wurden vor allem durch die gute Metalsirene und technisch äußerst anspruchsvollen Soli ihres Sängers/Gitarristen getragen. Gerade die Gitarrenausritte waren trotz ihrer Vielfalt und auch Länge eine Ohrenweide und glasklar konnte dem jungen Barden auf der Bühne gelauscht werden. Ständige Tempowechsel und eine präzises Schlagzeug (das vor dem großen, erhöht stehenden Drumkit des Hauptacts aufgebaut wurde und wie ein Kinderspielzeug wirkte) trugen die Songs ihrer bisher erschienenen 2 Alben und die Zukunft dieser Band könnte rosig aussehen.

Setlist ICED EARTH
Dystopia
Burning Times
Angels Holocaust
Slave To The Dark
V
Stand Alone
When The Night Falls
Damien
Dark City
Pure Evil
Anguish Of Youth
My Own Savior
Anthem
Declaration Day
The Hunter
Watching Over Me
Days Of Rage
Tragedy And Triumph
Dante's Inferno
Iced Earth

Alte Kommentare

von SonofSkam 09.12.2011 16:47

Mit Mr.Jon Schaffer wäre ein Interview sicher interessant geworden. Gerade hinsichtlich seiner kruden Weltpolitischen Ansichten bzw. seinem ständigen Tragens der Südstaatenflagge.

von Clement 10.12.2011 19:39

ich wüsste nicht, was daran interessant sein soll. denn er wurde deshalb bereits 1.000.000.000 mal gefragt und gibt immer den gleichen kram von sich.

von Manuel 12.12.2011 14:24

So entstehen falsche Urteile. Im letzten Rock Hard Interview hat er sich in vielerlei Hinsicht anders geäußert. Es lohnt dieses Interview zu lesen!

von Clement 12.12.2011 15:47

@Manuel: hast du mal die einleitung von stratmann zu diesem interview gelesen? das sollte als rechtfertigung dafür dienen, dass alles ein großes missverständnis sei. ich weiß nicht, irgendwie hatte ich bei diesem interview einen faden beigeschmack. aber zumindest lief er auf diesem konzert nicht mit der südstaatenflagge rum, sondern hatte seine schwarzes unterhemd und seine zerrissene jeans an...hahaha

von Mastei 12.12.2011 16:43

Ich weiß was du meinst Clement, aber warum sollte ich ihm nicht glauben? Er ist auch nur ein Mensch der seine Fehler macht. Vielleicht hat er sich wirklich eines besseren besonnen?!

von SonofSkam 13.12.2011 11:40

Also ich les das RH schon seit ner Weile nicht mehr, für mich war es ähnlich wie die Vision nur noch ein Promoblättchen für befreundete Plattenfirmen wie Century Media od. Nuclear Blast geworden. Unabhängig davon wäre bei Mr. Schaffer neben seiner Affinität für Rednecks, seine Sicht bezgl. NWO, Obama und Weltverschwörung sicherlich ganz interessant od. amüsant (je nach Blickwinkel) geworden. So ähnlich wie halt ein Gespräch mit Dave "Reborn" Mustaine über Politik.