06.11.2015: HERRENMAGAZIN, KOMMA - Heidelberg - Halle02

 

Wenn ein ZSK-Pulli-tragender Punk neben einer korpulenteren Rentnerin steht und beide wegen der gleichen Band hier sind, dann muss es sich um eine besondere Band handeln. HERRENMAGAZIN. Turbostaat T-Shirt neben ZSK-Pulli. Tanzende 18jährige neben stillem Ü50er. Allesamt sind wegen den 4 Hamburgern nach Heidelberg gekommen.

Den Abend eröffnen KOMMA, eine junge Band aus Stuttgart. Starthilfe quasi - und die lohnt sich. Sichtlich nervös betreten die 4 Jungs (und hier ist Jungs und nicht Männer eindeutig angebracht) die Bühne, schnappen sich ihre Instrumente und spielen daraufhin beeindruckend unnervös los. Deutschsprachiger Indie-Pop, der stark an die nachfolgenden HERRENMAGAZIN erinnert. Zwar schleichen sich hier und da ein paar Fehler ein, diese werden jedoch verschmitzt weggelächelt. Sympathische Jungs, denen man es gönnt, dass sie den heutigen Abend, vor ihren Idolen, eröffnen dürfen. Der Sänger quatscht, nach jedem Song, ungeniert drauf los, ohne zu wissen wo er eigentlich, mit dem angefangenen Satz, hin will, während sich der Rest der Band in Schweigen hüllt. Und das obwohl Sie doch so viel zu erzählen hätten. Mensch, der Bassist ist Winzer!!! Mega! Ich hätte soooo viele Fragen,... vor allem warum er nicht lieber Brauer geworden ist. Der Rest steckt gerade noch Mitten im Schulstress bzw. freiwillig sozialen Jahr - jugend musiziert. Würde man allerdings die Augen schließen und die kleinen Fehler übersehen, könnte hier auch eine erfahrene, große Band stehen. Denn Potenzial haben die Schwaben allemal. Eine Gitarre gibt den Rhytmus vor, während die Andere unbeirrt ein Solo nach dem anderen spielt. Das ist guter, deutscher Indie-Pop-Rock mit wirklich ausgereiften Texten. Zwischenzeitlich erinnert mich die Stimme des Sängers an die des gerade so angesagten "Herz Über Kopf"-Sängers JORIS - die Musik ist aber zu detailverliebt und gitarrenlastig, um den Vergleich so alleine stehen zu lassen.Nach einer halben Stunde hat die Jungend dann auch fertig musiziert. Es wird noch Werbung für facebook, die nächsten Konzerte und den ersten veröffentlichten Song gemacht und dann ist es auch schon Zeit für HERRENMAGAZIN. 

Hier darf der  Sänger den Soundcheck noch selber machen. Und zwar Gitarre, Schlagzeug, Keyboard, Bass und Gesang. ALLES - jedes Instrument wird vom Sänger selbst angespielt. Stagehand,  Bühnenhelfer, Bandkameraden,... ? Nichts da! Selbst ist der Mann. Schlecht, wenn man sich seine Band ausschließlich aus faulen, backstagesitzenden Kameradenschweinen zusammengestellt hat - spätestens bei der  ersten Tour rächt sich so etwas. Das Ergebnis gibt's direkt während dem ersten Song, wo der Sound wirklich grottig schlecht ist, allerdings (glücklicherweise) schnell wieder einpegelt wird. Frontmann Deniz Jaspersen fängt (gefühlt) schon während dem ersten Song an zu schwitzen, was, im Gegensatz zum Sound, im Laufe des Konzerts allerdings nicht besser, sondern stetig schlechter wird. Dies verdeutlicht er, während dem kompletten Konzert, immer wieder, indem er sein Plektrum an seine schweißnasse Stirn hängt. Sieht super aus. Versteh ich gar nicht, warum dass nicht mehr Bands machen. *ironie off* Neeein, sieht natürlich scheiße aus, aber Ernst nimmt sich bei HERRENMAGAZIN eh niemand. Trotz den teilweise sehr ernsten Themen, die in ihren Songs behandelt werden, wird immer wieder (zwischen den Songs) geblödelt. Spaß muss ja bekanntlich sein. Wer hat auch Bock auf 90 Minuten Herzschmerz?! Niemand. Zwischenrufe werden gekonnt lustig beantwortet, es werden Geschichten aus dem Bandleben erzählt (zum Beispiel dass sich Schlagzeuger Rasmus Engler als Kind ausgegeben hat, als er ein selbst gemaltes Bild an das berühmte Mickey Mouse Magazin gesendet hat, welches dann sogar tatsächlich abgedruckt wurde ) und eben Plektren an die Stirn geklebt. Und so wechseln sich auch schnellere mit langsameren, ältere mit neueren und lautere mit leiseren Songs ab. Bunt gemischt. Genau wie das Publikum - so schließt sich der Kreis.