07.12.2012: Supermutant, Nagel - Hamburg- Molotow

 



20h Einlass, 20.30h steht die erste Band auf der Bühne. Das kann man mal als gute Timing bezeichnen. So kann man seinen Status direkt von "abgefroren" in "glühwarm" ändern und das Bier auch zwischen den Fingern halten. SUPERMUTANT aus Mönchengladbach/Essen sorgen heute für eine schnell ansteigende Temperatur in Ohren, Beinen und Herzen. Noch kleine Band, ohne große Ansagen und viel Schnickschnack, vielmehr wunderbarste Musik. Und das funktioniert live ebenso gut, wie auf dem bald erscheinenden Album. Der Sound sitzt, die Instrumente auch, lediglich die Zweitstimme verschwindet irrgendwo im Kabelgewirr zwischen Mikro und Lautsprecher. Der Drummer kloppt ordentlich einen weg und man kann nicht still stehen. Zögerte das Publikum zu Beginn der Show noch skeptisch in der Sicherheitszone, so steht es doch bald dicht gedrängt direkt bis vor die Bühne und bestaunt, was es da alles gibt. Es ist so Indie, so wunderbar, dass es nicht die weihnachtliche Stimmung ist, welches einem die Brust weitet. Spätestens "Brady Cardia" ist auch das letzte Eis gebrochen. Es gibt dann noch eine kleine Ode an MATULA und man bedankt sich artig für dieses wunderbare Stück Musik.




NAGEL, die Band mit dem Typen mit diesem Namen an der Front. Eine Band, die es sich leisten kann, auch ohne Album auf Tour zu gehen und sich dabei sicher sein kann, nicht vor leeren Rängen spielen zu müssen. Einigen alten Bands der neuen Formation kann man sicherlich die ein oder andere Träne hinterherweinen. Doch so ganz tot sind sie doch nicht. Denn NAGEL klingt, wie aus jeder der Vorgängerbands zusammengesetzt: Ein bisschen Gefrickel von TRIP FONTAINE, Ungehobeltes von MUFF POTTER und Synthies von MISSOURI. Nagels Stimme ist allerdings bei dem Ganzen so markant, dass man die Dominanz der Erinnerung an MUFF POTTER kaum vom Schuh bekommt, wie ein altes Straßenpflasterkaugummi. Ein paar Bandmitglieder legen offensichtlich wirklich Herzblut an den Tag, doch als Team wirkt das ganze nicht. Es wird Anzug getragen, Schlips und weiße Schuhe. Eine seltsame Stimmung. Das Publikum ist aufmerksam, nickt und weiß damit wohl auch noch nicht so wirklich etwas anzufangen.




Vertonte Ausschnitte aus Nagels Buch "Was kostet die Welt" werden dargeboten, den Moltowabrissplänen der Stinkefinger gezeigt und Hoffnung propagiert. Wer hier die Hosen an hat, ist unschwer zu erkennen, wer Musik um ihretwillen lebt ebenso. Nach der herzöffnenden Einleitung von SUPERMUTANT können NAGEL mit Nagel das Feuer nicht so richtig am Laufen halten. Dann doch lieber noch einen Kakao mit Schuss oder einen netten Plausch mit den SUPERMUTANTEN. Ein durchwachsener Abend. Und draußen grüßt Santa Pauli.

Alte Kommentare

von STefan 09.12.2012 18:12

Ich war da. GÄNSEHAUT! Nagel war ganz ok. Aber ausgelutscht.

von jensen 10.12.2012 22:46

Ich hatte schon vor dem Lesen dieses Berichts ein eher schlechtes Gefühl beim Thema NAGEL und es ist definitiv nicht besser geworden. Bin zwar gespannt auf das sicher kommende Album, erwarte aber nicht viel.