08.10.2011: City And Colour - Melkweg, Amsterdam

 



Manchmal muss man loslassen, aufhören zu denken. Nur zuhören, sich mitnehmen lassen, zulassen. Und vor allem die verdammte Handykamera in der Hosentasche verschwinden lassen, wenn auf der Bühne eine Band ihre Lebensweisheiten in Songtextzeilen verpackt und diese von einem Mann mit einer gänsehaut-erregenden Stimme vorträgt. City and Colour. Dallas Green.

Bei einem Lied, nur einem einzigen Lied, wünscht er sich die Aufmerksamkeit, die man früher ganze Konzerte lang bekam, weil noch niemand diese unglaublichen Augenblicke mit der Handykamera und mieser Soundqualität festhalten und anschließend im Internet verbreiten musste. Weil zu eben jener Zeit, ohne diese ganzen Handykameras, niemand auf die Idee kam, seine Lieblingssongtextzeile  unbewusst an sich vorbeiziehen zu lassen, weil Blick und Konzentration auf einer Handykamera galten. Body In A Box. Und sie schafften es alle. Die gesamte Melkweg-Halle in Amsterdam ist dunkel, nur ein Schweinwerferstrahl leuchtet Dallas Green und seine Gitarre an. Alles ist dunkel, alles ist still, niemand, der sich traut, seinem Nachbarn kurz zuzuflüstern, wie unglaublich dieser Augenblick ist. Nur als er „we celebrate the lives of the dead, it's like a man's best party only happens when he dies“ ins Mikro singt, stimmt die ganze Halle mit ein.

Der Abend wirkt, als würde da eine Band auf der Bühne stehen, mit der man sich am Tresen in einer kleinen Kneipe unterhält. Nur, dass sie nicht erzählen, sondern singen. Und zwar Sätze, die man mit Freunden nach dem x-ten Bier nach zwei Uhr nachts austauscht. Es ist ein Mix aus dem was war und dem was ist, mit allem was dazwischen lag. Comin‘ Home. Sleeping Sickness. Fragile Bird. Mal steht er da alleine, nur mit seiner Gitarre, mal mit der ganzen Band. Für „What Makes A Man“ macht er aus seinem Publikum einen Chor und bei „Dallas, I Love You“-Rufen erzählt er was von Liebe und dass man sich sorgfältiger überlegen sollte, zu wem man diese drei Worte sagt. Deshalb auch von ihm kein „I Love You All“, sondern ein bodenständiges Bedanken fürs Vorbeikommen und Musik anhören. Ein Ausdruck der Freude darüber, dass da wirklich Leute stehen und sich für einen Abend mit City and Colour entschieden haben. Denn ein Journalist von einem Interview am Nachmittag hatte ihm gesagt, er könnte nicht zur Show kommen, er habe ein Volleyballspiel. Man muss halt Prioritäten setzen. Und das hat das Publikum getan. Und sich hinreißen lassen von City and Colour. Von einer Band, der Wahnsinns-Stimme von Dallas Green, im Grunde von einem Mann mit seiner Gitarre und seinen Freunden, die da auf der Bühne stehen. Wie einfach gestrickt doch das Glück sein kann. Ach ja: Und das Loslassen nicht vergessen. Zumindest an diesem Abend, zumindest für diesen Moment, so lange City and Colour da noch stehen und einfach nur spielen.

Geschrieben von Marlene

Alte Kommentare

von ein 16.10.2011 11:00

völlig verklärendes Review, trifft die Realität nicht im Ansatz. Für mich waren es 2 Konzerte, eines von dem Mann den wir alle kennen und lieben gelernt haben, Dallas Green, City & Colour. Ganz so wie es sein sollte, intim, akustisch und mit ganz viel Gefühl. Tja und dann war da diese Band, in dem er wohl Mitglied ist, die alte Songs in ihrer Tiefe völlig zerstören und andere Stücke spielen in dehnen seine Stimme nur zum Sidekick werden lassen, bei der andere im Vordergrund stehen. Ich fand letztere Band einfach nur schlecht, mich liess sie verstört zurück! Am Ende muss ich sagen "Früher war alles besser" zumindest in diesem Fall!

von Bones 16.10.2011 13:50

Nach dem Visions-Interview und der Alexisonfire-Trennung sollte wirklich jeder begriffen haben, was für ein Eimer dieser Typ ist.

von Joscha 17.10.2011 00:00

Ich finde zwar dass das Review ein bischen viel Umschreibung ist, kann mich aber nur anschließen. Manche Leute sollten mal verstehen dass Musiker sich auch weiterentwickeln wollen. Die neuen Interpretation mit Band gefallen mir größtenteils echt gut und Klassiker wie Comin Home oder eben Body in a Box bleiben so wie früher. War ein super Konzert. Der Umweg hatte sich echt gelohnt.

von mookie 17.10.2011 13:19

Ich finde den Stil des Reviews sehr passend. Schöne Vergleiche denen ich nur zustimmen kann. Auch ich hatte zwischendurch echt Lust, mit denen ein Bier trinken zu gehen. Natürlich gibt es auch mal wieder die Hater, wie oben zu sehen, die City and Colour gehört haben "before it was cool", und sich jetzt aufregen, dass Dallas sich musikalisch in neue Gefilde wagt. Wer das neueste Album gehört hat, wird auch merken, dass dort die meisten Songs mit Band sind. Hätte er jetzt also jedes Mal, wenn ein Song der älteren Alben dran war, die Band von der Bühne schicken sollen? Ich fand es ehrlich gesagt schön, diese "neuen" Versionen zu hören, und fand alles sehr harmonisch. Von Zerstörung von Songs habe ich absolut gar nichts mitbekommen. Zumal teilweise, z.b. bei The Girl, die Band sich sehr zurückgehalten hat, bis zu dem Punkt, wo der schnellere Part anfängt und ich fand es hörte sich an als hätte es immer so sein sollen, dass dort ein Schlagzeug begleitet und hier eine zweite Gitarre untermalt. Ich bin Fan der Dallas-only-Versionen der Songs, keine Frage. Nur fand ich es so ebenfalls atemberaubend schön. Und diese Riesenexplosion am Ende des letzten Songs (vor der Zugabe) hätte man als ein Mann mit einer Akustikgitarre niemals so eindrucksvoll rüberbringen können.

von @mookie ... nur weil 17.10.2011 14:00

man etwas nicht mehr mag ist man automatisch ein Hater!? Dein Verstand ist durchaus auch sehr limitiert oder? Das was Du als neue Versionen lobpreist, nenne ich zerstören! Das was Du als Explosion und eindrucksvoll bezeichnest, stelle ich als das fehlen von Emotionen! Ich glaub der Hater bist Du, weil Du keine andere Meinungen zulässt! Hier geht es nicht um cool oder nicht cool, hier geht es um, und jetzt halte dich fest, subjektives (das wort kannst du gern googlen) empfinden von musik!

von mookie 17.10.2011 14:18

Wer hat gesagt, dass ich keine anderen Meinungen zulasse? Ich habe lediglich gesagt, dass es nunmal Leute gibt, die ihre Band/Musiker so mögen wie sie sie kennengelernt haben, und es nicht mögen wenn diese sich verändern. Und dann hier schreiben, die Songs seien "völlig zerstört" worden, was ich widerum nicht finde. Jeder darf seine Meinung haben, nur schreibe ich "Hater" wenn jemand, der City and Colour offensichtlich mal mochte, jetzt so böse über ihn/sie herzieht. Und deinen Text habe ich auch ganz ohne Googlen verstanden. Wahnsinn, oder?

von @mookie 17.10.2011 15:25

etwas nicht mehr zu mögen, hat aber immer noch nichts mit Haten zu tun. da mangelt es offenbar doch an Geistesleistung :) Gibt dich nicht auf, auch aus Dir kann noch etwas werden!

von mookie 17.10.2011 16:34

Oh Gott bist du ein Troll. Mit Leuten mit dir kann man leider echt nicht ordentlich diskutieren. Schade schade Schokolade!

von Joscha 17.10.2011 16:42

Wann kommt endlich ein System wo nicht jeder Hans anonyme Kommentare schreiben kann? Die Qualität der User-Beiträge hier lässt stark nach. Meine Definition von haten: Eine Sache schlecht reden und keine fremden Meinungen zulassen. Dabei grundsätzlich schwache Begründungen verwenden und versuchen die eigene lächerliche Meinung zu verstärken indem man dem Gegenüber als dumm oder "Geistesschwach" bezeichnet. @anonymer Schreiberling: Ich hoffe wir kennen uns nicht persönlich den ich schäme mich grad richtig fremd.

von oder 17.10.2011 21:09

viel mehr ein System wo nicht jeder Joshua seine Meinung schreiben darf! :) Wenn Dir soviel an einem solchen System liegt, warum bist Du dann nicht richtig angemeldet? Die Frage darf doch erlaubt sein. Ich find es im übrigen völlig legitim die "neue" Version von City & Colour zu mögen, nur muss einer Vielzahl an Leute auch die Möglichkeit gegeben werden zu sagen, dass das nicht mehr die Band/der Künstler ist, den man einst geliebt hat! Jeder der Dallas Green in der Pasionskirche in Berlin erlebt hat, wird dem folgen können. Genau aus diesem Grund konnte alles neue nur schlechter werden, und das Gefühl und Atmosphäre zerstören! PS: Wenn Du ehrlich bist Joshua, waren die anderen Argumente jetzt nicht tiefgründiger! Hier hat niemand über die Band "hergezogen" :)

von PPS: 17.10.2011 21:12

Wir kennen uns hoffentlich nicht! Da auch deine Definition von, und jetzt kommt die Übersetzung von Haten, also hassen!!! sehr zu wünschen übrig lässt. Also mir ist keine andere Steigerungsform dieses Gefühlsausdruckes mehr bekannt, also ein mehr als überzogener Vorwurf! Wir sollten die Sprache die uns gegeben ist, auch in einem vernünftigen Rahmen nutzen!

von der 18.10.2011 07:33

junge heißt übrigens Joscha, Einstein. :D

von Garth Brooks 18.10.2011 10:13

Ich war in Kölle und bin ein bisschen hin und her gerissen, was das Fazit angeht. Die Momente, in denen die Band die Bühne verließ waren genau das, was ich mich von 'grünen' erhofft hatte. Eine Gitarre, eine Stimme und tonnenweise Gänsehaut. Die Band ist absolut tight, und die Kerle wissen auf jeden Fall was sie tun, keine Frage. Jedoch nervte mich dieses permanente steelguitarmässige rumgeslide so dermaßen, dass ich nach den ersten 2 der 3 Songs schon gehen wollte. Da kann der gute Dallas noch so schön singen....das Feeling is wech und es müffelt nach Country Western, Dolly Parton meets Gunther Gabriel in der Essigfabrik. Muss ich nicht haben, will ich nie wieder hören, ist aber auch absolut Geschmackssache. Auch der 2. Klampfer war mir mit seinem obercoolem Posing nicht wirklich Sympathieträger, was mich angeht. Zumal er in den Momenten, bei denen es drauf ankam, voll verkackt hat. Das Solo bei Fragile Birds war sowas von Arsch im Vergleich zur CD und wenn ich schon 2 Gitarren und diesen Steelguitarhannes am Start hab, darf man auch gerne mal das markanteste Gitarrenlick in Fragile Birds mitspielen. Das hat voll gefehlt und den Song meines Erachtens nach emotional kastriert. Die Ansangen, der Grossteil der Songs und vorallem das epische an AOF erinnernde Sometimes ( I wish) waren absolute Oberklasse ! Alles in Allem ein cooler Abend, eine gute Show, aber das muss ich in den kommenden 8-12 Monaten echt nicht nochmal haben. Es war mir persönlich etwas zuviel Zuckerwatte

von Unentschlossen 18.10.2011 11:11

Ich fand die "alten Sachen" die eher Solo-Acoustic waren immer langweilig und die "neuen Sachen" mit Band total belanglos. Da ich William Fitzsimmons total liebe hab ich auf anraten meiner Freundin in City & Colour reingehört und verstehe absolut nicht was daran so gut sein soll. Bin ich jetzt ein Hater? Mein Jahr hat 3 Jahreszeiten: Frühling, Sommer und Fitzsimmons

von @Garth Brooks 18.10.2011 13:56

genau das meinte ich! Danke! "..emotional kastriert." ;) und ja @unentschlossen... ja Du musst auch ein Hater sein, How dare you dass du sagen kannst, es gibt noch anderes! unglaublich! Andere Meinungen werden hier nicht tolleriert!

von mookie 18.10.2011 15:51

@ garth, der steelguitar-hannes hat in amsterdam leider sogar ein komplettes set, dem eigentlichen auftritt vorangehend gespielt. ich weiß nicht ob er das in köln auch getan hat (deiner beschreibung nach scheint es nciht so), aber gott, war das schrecklich. ich wollte mein pferd satteln und davonreiten. da war es direkt angenehmen, dass er während der eigentlichen show nur am rand mitgewirkt hat

von @ bones. 18.10.2011 20:54

http://www.spinner.ca/2011/08/08/dallas-green-alexisonfire-split/ ganz interessant, diese version der geschichte.