08.10.2014: Melloy, Major Erd - Bielefeld, Movie

 

Mittwochs Abend in Bielefeld. Das Wetter ist Scheiße, die Stimmung nach einem langen Tag auch. „Hast du nicht Bock ins Movie zu kommen, um MAJOR ERD und MELLOY zu sehen“? „Wen???“ Erst einmal die Bands checken: Nach der Besprechung ihres neuen Albums ”Deine kleine Welt” scheinen MELLOY aus Berlin nicht Grund genug dafür zu sein, das beschissene Wetter herauszufordern. Und die Lokalmatadore von MAJOR ERD haben bisher nur rein Demo Snippet eines Songs online. Aber selber denken macht schlau und für 5 EUR zwei Bands sehen ist mehr als fair, zumal das Movie bzw. die Kneipe im Movie eine äußerst coole Location ist.


MELLOY befinden sich gerade auf ihrer “Deine kleine Welt Tour” und waren das erste Mal in der OWL-Metropole. Und vom ersten Ton an konnte gespürt werden, dass es sich bei dem Quartett um Live-Musiker handelt. Ihr deutscher Rock baut auf gefühlvolle Refrains, brettharte Einschübe und Gefühl ohne Ende. Das Alles wurde von Frontmann Engst total authentisch vorgetragen und jeder Song wurde mit einer kleinen Geschichte eingeleitet. Dieser Engst, der auch Gitarre spielte, ist mit einer wiedererkennbaren Stimme ausgestattet worden, die ganz tief in der Intensität wildert. Musikalisch erinnern MELLOY an mit Ecken und Kanten versehene REVOLVERHELD, die mit Feuer unter dem Arsch ausgestattet wurden, aber auch ruhig, melancholisch und nachdenklich können. Und zutiefst verliebt in die Melodie sind sie. Und streckenweise bretthart. Das soll aber nur als grobe Orientierung dienen, den die Vier sind wirklich mehr als das. So schnappte Engst sein Mikro, um einen Song zu hip hoppen oder es wurde die THE OFFSPRING Hymne "The Kids Aren't Alright zum Besten zu geben. Klasse auch ihr FREIWILD Diss!!! Diese Band hat eine Message und scheut sich auch nicht, diese zu transportieren. MELLOY präsentierten sich an diesem Abend als Einheit und hinterließen bei den stocksteifen Bielefeldern ein breites Grinsen im Gesicht. Diese Band muss unbedingt im Ohr behalten werden!

Setlist:
Intro
Langer Weg
Jetzt und hier
Es geht uns gut
Vollidiot
OK
Zu den Sternen
Puppenspieler
Radio
HipHop
Deine kleine Welt




MAJOR ERD bekennen sich zum selbst erfundenen Genre der Post Neue Deutschen Welle. Und wie das passte! Der futuristische Schriftzug ihres Bandnamens lässt aber auch den Schluss auf Future NDW zu, denn sie kamen, um diese wunderbare Zeit in neue Akzente zu gießen. Sänger Björn ist der Mittelpunkt der Band und klingt wie die stimmliche Reinkarnation von RIO REISER. Geil! Seine Performance wirkt am Anfang etwas aufgesetzt, aber mit zunehmender Spieldauer bildet sie mit der Musik eine Einheit und verschmilzt zu einem tighten Stück Druck. Die Hintermannschaft sind allesamt Könner und für eine Band, die noch keinen Song auf CD gießen konnte, klang die Setlist unglaublich eingespielt, professionell und groovte wie Sau. Im Vorfeld noch skeptisch, ob Riffrock, Discobeats und deutschsprachige Texte funktionieren können, wurde jeder Hüftsteife an diesem Abend eines Besseren belehrt. Wer hier nicht zumindest mitwippte, war tot oder taub. Richtig gut aber auch die sehr nachdrücklichen Passagen, die einen an den Lippen des Sängers kleben ließen und nicht wieder von diesen abrücken wollten. MAJOR ERD hatten sicht- und hörbar Spaß, weil sie einfach richtig gut sind und diese Güte auf die zahlreichen Zuschauer ausschütteten.

Setlist:
Kanten schleifen
Sprich mit mir
Kein Anschluss unter dieser Nummer
Weg nach Süden
Einfach drüber weg
Panther zieh nach Rio
Zwei von Millionen
Wieso allein?