08.11.2014: Lagwagon, Swingin' Utters, This Legend, Aweful Normals - Observatory - Santa Ana, CA

 

Die Minuten, in denen Joey Cape heute solo mit der Akustikgitarre auf der Buehne zu sehen ist, sind schnell an zwei Fingern abgezaehlt. "Kann ich lieber "Anaheim" statt "OC" sagen? Sonst komme ich mir vor, als wuerde ich ueber eine Fernsehserie erzaehlen!". Das "Observatory" sieht aus wie ein Ameisenhaufen, zur Toilette oder Richtung Merchstand kann man mitunter zwanzig Minuten Weg einplanen. Langsam wurde Orange County auf Betriebstemperatur gebracht. Den lokalen AWFUL NORMALS gelang das - mit Verlaub - ueberhaupt nicht, weitaus gewitzter stellen sich im Anschluss die jungen THIS LEGEND aus Los Angeles an. Korpulenten Skatepunk zwischen MXPX und fruehen NEW FOUND GLORY liefert das Quartett, dessen Bassist mit Stolz und Recht sein STRUNG OUT-Shirt traegt. Beim halbstuendigen, technischen Kinnladen-Kino von (Ex-YELLOWCARD-) Drummer Longineu Parsons III koennen die SWINGIN UTTERS vielleicht nicht mithalten, dafuer basteln Johnny Peebucks und Co mit Hilfe von "Brand New Lungs" und "Pills And Smoke" sowie den neuen Stuecken "Agonist" und "Napalm South" einen bierwerfenden und loslassenden Moshpit mit Ansteckungs- und Mitkeifgefahr. Die Band aus San Francisco reicht dazu die schizophrenen Tanzeinlagen ihres Saengers, das "Lauf-um-dein-Leben"-Gitarrenspiel von Jack Dalrymple und mit Basser Miles Peck einen wuerdigen Nachfolger von Spike Slawson.
Nicht gerade ein absehbares Zuckerschlecken, was sich LAGWAGON dann gegen 22:50h selbst auftischen: Mit dem Sechsminueter "Obsolete Absolute" beginnt das Melodycore-Urgestein die dritte Show ihrer Tour zum neuen Album "Hang", welches erst zwei Wochen zuvor erschien. Dementsprechend legt Santa Ana zwar die Ohren an, aber erst mit den erklaert "alten Songs" wie "Island Of Shame", "Sick" oder "Violins" den Schalter um. Mit offenen Armen werden Chris Rest und die "Big Bitch" empfangen, genauso wie Trommel-Chirurg Dave Raun und "Metal" Joe Raposo, der mit rot gefaerbten Spitzen die stattliche Haarfarbenpalette der Band ergaenzt. Zu "Alien 8", "Heartbreaking Music" und "Shaving Your Head" taut jede eingerostete Faust auf, die schon Mitte der Neunziger zum Fat Wreck-Steckenpferd gereckt wurde, "Cog In the Machine" oder "You Know Me" unterstreichen das Kaliber, mit dem LAGWAGON aus der Ruhephase zurueckgekehrt sind.
Wenn Chris Flippin den Gebrauch von E-Zigaretten mit Rollerblading gleichstellt, sorgt das noch fuer ein herzliches Lachen, laesst der Riese spaeter dann aber einen stetig provozierenden Buehnengast mit Hilfe des Security-Personals aus dem Club entfernen, nur noch fuer ein haemisches. "Behandelt den Mann nicht wie einen Hund - wir sind doch nicht NOFX...!" kann sich Raposo einen Kommentar nicht verkneifen. Der familiaeren und explosiven Party, dessen Entstehung heute klar ein Geben und Nehmen ist, kruemmt das kein Haar: "One More Song" geht unter Jubel und Traenen raus an Tony Sly, scheinbar keiner Kehle im Saal sind die Zeilen zu "Know It All" fremd und bei "Reign" macht auch der Absperrzaun Feierabend fuer heute. Ein wohliges Gefuehl, LAGWAGON wieder unter den bewiesenermassen "Lebendigen" begruessen zu duerfen. Noch einmal die Saallichter bitte - dann ist Joey Cape sich sicher: Noch nie war die Besucherzahl in Orange County groesser als heute Abend. Die siebzig Minuten von "Obsolete Absolute" bis "May 16" beweisen, dass dahinter ein guter, nein eigentlich fuenf sehr gute Gruende stecken.