08.11.2015: ASTRONAUTALIS - Heidelberg - Halle02

 

ASTRONAUTALIS – das ist Charles Andrew Bothwell, seinerseits Rapper und seit 10 Jahren quasi durchgängig auf Tour. Der Amerikaner selbst sagt über sich er sei öfters in Europa auf Tour, als jede andere europäische Band. Unrecht hat er damit nicht, denn sein Tourplan ist auch dieses Jahr wieder randgefüllt. Deutschland, Belgien, Frankreich, England, Tschechen, Vereinigte Arabische Emirate(!),… um nur ein paar der Länder zu nennen, die ASTRONAUTALIS dieses Jahr noch bereist.

ASTRONAUTALIS macht Rap. Fetten amerikanischen Rap. Allerdings keinen klassischen Gangster Rap mit mal mehr, mal weniger fettem Beat und belanglosen Lyrics über Geld, fette Autos oder Nutten (sonst würde hier auch kaum ein Bericht auf allschools erscheinen), sondern feinsten Indie-Rap mit fettem Beat, fettem Schlagzeug, fettem Gitarrensound und fetten Lyrics.

Die Show beginnt früh. Bereits um 18:00 Uhr öffnet die Halle02 ihre Pforten - eine Stunde später soll das Konzert dann beginnen. Keine schlechte Idee für einen Sonntagabend, wenn am nächsten Morgen wieder früh der Wecker klingelt, da die Arbeit ruft. Ohne Vorband, dafür mit 20 Minuten Verspätung, legt ASTRONAUTALIS los. Auf dieser Tour wird der Rapper von seiner Band, bestehend aus einem Schlagzeuger und einem Gitarristen, begleitet.  Wieder ein Fakt, der bei einem 0815-Rapper so nicht der Fall wäre. Lediglich ein paar Samples vom Band unterstützen die Band. Anders wären die Songs wohl auch kaum umzusetzen. Trotzdem,… die treibenden Instrumente bleiben das Schlagzeug, sowie die Gitarre und natürlich ASTRONAUTALIS selbst. Dieser ist von Song 1 an zu 100% da und gibt alles. ATRONAUTALIS rappt in einer unglaublichen Geschwindigkeit ohne Luft zu holen. Ich würde schon nach den ersten zwei Zeilen keuchend zusammenbrechen, während ASTRONAUTALIS zu einem emotionsgeladenen Ausbruch nach dem anderen ansetzt und auch noch in bester Hardcoremanier ins Mikrofon brüllt. Dabei wird seine Halsschlagader immer wieder verdächtig groß und sein Kopf beachtlich schnell rot. Egal. Es wird alles gegeben.

„Ich habe NICHTS von diesem Abend erwartet. Gar nichts. Ich saß vorhin Backstage, habe Berliner Techno gehört, um mich für den Auftritt zu motivieren. Denn egal wie viele Leute da sind – du musst immer alles geben. ALLES. Ich dachte ich komm raus und hier stehen 2-3 Leute. […] Auf facebook haben mich (vor ein paar Wochen) 2 Leute angeschrieben und gesagt „Hey, wir kommen nach Heidelberg zu deiner Show“ und ich so „Jaa, 2 Leute kommen zur Show! Mega!“ , bis eine davon kurz vor knapp doch noch abgesagt, weil Sie zu diesem Zeitpunkt in Berlin ist und ich dachte nur „Scheiße,… jetzt kommt doch keiner“. Und jetzt? Jetzt steh ich hier, der Laden ist voll mit Menschen die mittanzen, die Texte können, mitsingen und zusammen mit mir feiern. Dankeschön!“ (Gedächtnisprotokoll)

Das ASTRONAUTALIS wirklich alles gibt bekommt auch seine Kette zu spüren, die bei einem seiner Ausbrüche in 2 geteilt wird. Egal. Es wird alles gegeben. Ob beim zwischenzeitlichen Akustik-Part, beim Ausflug in die Menschenmenge oder letztendlich alles abreisenden Überhit „Dimitri Mendeleev“, über einen russischen Chemiker. (Ach, was ist nur aus Rap geworden? Jetzt wird auch schon über Wissenschaftler gerappt.) ASTRONAUTALIS hat Bock. ASTRONAUTALIS ist zu 100% da. ASTRONAUTALIS hat Spaß an seinem Job. Anders könnte man so viele Konzerte mit so einer Intensität wohl auch kaum spielen. Jetzt fehlt nur noch der große Durchbruch,… doch auch da hat der Rapper eine Meinung zu.

„Man hat zu mir gemeint du schaffst es nie nach Europa – wo steh ich heute?
Man hat zu mir gesagt du schaffst es nie mit einer ganzen Band nach Europa – wo steh ich heute?
Also,… warum soll ich nicht schon bald tausende Platten verkaufen, die großen Hallen spielen und im Geld schwimmen ?“ (Gedächtnisprotokoll)

Gönnen würde man es dem wirklich extrem sympathischen jungen Mann auf alle Fälle. Und das Zeug dazu hat er auch. Man darf gespannt sein, wo die Reise mit seinem bald erscheinenden neuen Album hingehen wird.

 

Nach nicht ganz 1 ½ Stunden geht das Licht in der Halle02 wieder an. Zwar hatte das Konzert somit nicht die längste Spielzeit, dafür allerdings eine Intensität, die nur wenig Konzerte vorweisen können.