09.03.2015: Ine Hoem, Katzenjammer - Hamburg - Große Freiheit 36

 



Mit frühlingshaften Elan kommt man heute auf den Kiez. Es wird wärmer. Vor der großen Freiheit 36 stapeln sich an einem Montagabend die Menschen. Das anstehende Konzert ist ausverkauft, obwohl die Location mit entsprechender Größe aufwarten kann. Das Publikum ist sehr gemischt, zwischen vielen potentiellen Jazzhörern und Menschen aus den Hamburger Vororten tummeln sich auch einige Kinder. Es strömt hinein.
Den Einstieg in diesen Abend macht bedingt passend die wunderbare INE HOEM. Ummantelt von wallender Spitze, gibt sie ihre ruhigen, elektronisch angehauchten Melodien zum Besten. Im Publikum raunt es, dass dies ein denkwürdig unpassender Einstieg in das sei, was zu erwarten bleibt. Dennoch bestreitet Frau HOEM ihr Set liebreizend, ganzheitlich und allumfassend. Wie eine frische Frühlingsbrise.




Nachdem das mäßig umfangreiche Equipment von INE HOEM von der Bühne geschafft ist, beginnt eine kaugummiartige Umbauphase. Das Schlagzeug wird enthüllt, umständlichst Mikrofone und Keyboards aufgebaut, Kabel auf dem Boden verklebt. Fast eine quälende dreiviertel Stunde dauert die Prozedur, selbst die erfahrenen Menschen am Eingang des Fotograbens empfinden die Situation ziemlich schnell als Qual. Trotz allem oder vielleicht auch gerade deshalb werden KATZENJAMMER etwas verhalten begrüßt. Auf der Bühne dagegen sofort volles Engagement, man strahlt dem Publikum entgegen wie fünf Atomkraftwerke, schwingt die Tanzbeine, röhrt aus vollem Herzen und kann dabei auch noch perfekt die Instrumente bedienen, als würde man in einer Tasse Tee rühren. Grundsätzlich eine Show, an der es nichts zu meckern gibt. Alle fünf Damen zeigen sich von ihrer besten Multiinstrumentalistinnenseite, wechseln sich an Schlagzeug, Bassbalalaika und Gitarre ab. Zwischendurch wird auch mal in die Tasten oder zur Trompete gegriffen. Songs zwischen Röhrenrock und Hippieesker Volksmusik, mit Herz und Hirn und Spaß in den Backen. Beeindruckend. Doch der Funke möchte nicht so richtig überspringen, was evtl. auch am Publikum liegt. Einige Hüften wackeln und punktuell wird auch frenetisch mitgesungen und getanzt. Das Gros allerdings blickt drein wie fünf Tage Sturmflut zur Mittsommernachtswende. Welche Mächte hier am Werk waren, kann man nur vermuten und verstört zurückbleiben.



Großes Auftauen dann bei "I Will Dance (When I Walk Away)" und "Land Of Confusion". Vermutlich kamen diese Songs ein paar Tage zuvor noch in einer Kultursendung bei arte oder 3sat.... Zumindest kann man sich an dieser Stelle Gedanken in diese Richtung nicht verkneifen. Die Zugabe darf dann auch noch gespielt werden, doch um Punkt 23h wird die Bühne geräumt, die Aufräumsaalbeleuchtung angeknipst und der dreckige Rest nach draußen gekehrt. Das Publikum kommt dem natürlich gerne nach, schließlich muss morgen gearbeitet werden. Es hätte so schön sein können, doch zu einem ungetrübten Konzerterlebnis gehört eben doch mehr als nur eine gute, engagierte und talentierte Band. So stillt man noch seinen Durst in der kühlen Frühlingsluft und kann auf zukünftige Auftritte von KATZENJAMMER in anderen Zusammenhängen hoffen.