09.05.2008: Che Sudaka, Talco, Patchanka, Delikat - Berlin - SO36

 


Kurzfristig bin ich an diesem wunderschönen Freitagabend doch noch ins SO36 gefahren, um mich von den Ska-Punkern Talco überzeugen zu lassen. Insgesamt waren vier Bands angekündigt, die alle aus anderen Ecken Europas kommen (Barcelona, Venedig, Kopenhagen, Berlin), musikalisch aber in eine ähnliche Richtung gehen. Sehr gespannt war ich auf das Konzertkonzept, das für diese Show vorgesehen war. Es wurde eine zweite Bühne gegenüber der ersten aufgebaut und die Bands sollten nahtlos nach einander spielen. Dafür aber auch jeweils zwei Sets. Anders ausgedrückt:

30min Delikat (Bühne 1)
30min Patchanka (Bühne 2)
30min Delikat (Bühne 1)
30min Patchanka (Bühne 2)

Halbzeitunterhaltung

45min Talco (Bühne 2)
45min Che Sudaka (Bühne 1)
45min Talco (Bühne 2)
45min Che Sudaka (Bühne 1)

Durch diesen natürlich nicht unerheblichen Mehraufwand kostete die Karte dann 14¤ an der Abendkasse, was angesichts der Endlosunterhaltung schon irgendwie ok war. Viele der Besucher hätten aber wahrscheinlich lieber auf die Extras verzichtet und dafür 5¤ weniger bezahlt. Aber was solls.

Dass es schon 20:30 Uhr losgehen sollte, hab ich nicht mitbekommen. Deswegen hab ich die ersten 80 Minuten auch verpasst. DELIKAT aus Berlin hörten sich sehr solide an, erfinden das Rad aber auch nicht neu. Knackiger Ska-Punk ohne zu große Schnörkel. Bei mir haben sie nach den wenigen Songs die ich mitbekommen habe, einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. PATCHANKA spielten auch Ska-Punk, mit aber wesentlich mehr Ska-Anteilen als Delikat. Zitat der Website: „Mestitzo - Ska - Gypsy - Latin - Balkan – Punk“. Ich kannte auch sie vorher nicht, die Mucke hätte bei mir aber die ersten Schweißperlen ins Gesicht gezaubert, wenn mein Knie mich nur gelassen hätte. Lasst es euch gesagt sein: Es gibt wenig Beschisseneres, als Ska-Konzerte ohne abgehen zu können. Ok, vielleicht Hardcore Shows. Patchanka spielten jedenfalls sehr motiviert ihr zweites Set zu Ende und übergaben den Verantwortlichen der Halbzeitshow durchgehend fröhliche Gesichter.

Nach zwei Songs aus der Konserve betraten sechs Herren (vielleicht so Mitte 40…) die Bühne. Schlagzeug, Bass, Gitarre und 3 Typen (die Sänger) mit Plauze, Jeans und weißem Unterhemd. Es wurde mit beeindruckender Choreographie los gerumpelt und dabei sehr unterhaltsam die Hüften geschwungen. Dargeboten wurden Punk-, Pop- und Filmmusikklassiker. Großartig! Kommentar aus dem Publikum: Die sind GOTT! Sie nahmen sich selbst nicht ernst und wurden dadurch nur immer sympathischer. Nach einer halben Stunde war das Schauspiel vorbei und alle freuten sich auf Talco! Sie hießen übrigens Punkrock Boys.

TALCO betraten die kleinere der zwei Bühnen und hatten doch ordentlich mit dem mangelnden Platz zu kämpfen. Sie ließen sich aber nicht großartig irritieren, spielten ihren treibenden Ska-Punk von Anfang an motiviert und kompromisslos nach vorne. Ich kenne von ihren drei Alben nur Combat Circus, denke aber mal, dass in der Songauswahl der Schwerpunkt auf den ersten beiden Alben lag. Talco feierten sich selbst und das Publikum, dieses dankte es mit einem beachtlichen Pit und guter Stimmung. Nach 45min war die Hälfte der Gäste schon komplett durch und gingen erstmal raus, sodass CHE SUDAKA vor einem nicht mal halbvollen SO36 begannen. Dieses füllte sich aber nach und nach wieder auf von mir geschätzten 400-500 Menschen und so wurde auch zu den Katalanen kräftig gehüpft. Nicht unbedingt meine Mucke, aber unterhaltsam war es alle mal.

Beim zweiten Set von TALCO bestätigten sich die vorsichtig geäußerten Zweifel, dass zwei Sets von jeder Band einfach zu viel des Guten ist. Die Leute waren durch, das Pit war deutlich kleiner, die Atmosphäre irgendwie nicht mehr so fixiert auf die Show. Die Luft war einfach raus. Auch total verständlich, nur taten mir Talco leid, die wirklich alles gegeben haben, der Funken aber nicht mehr komplett überspringen wollte. Danach hab ich mir auch nur noch den ersten Song von CHE SUDAKA angeschaut und habe dann meinen Bierkonsum in eine nahgelegene Kneipe verlagert. Es wurde Zeit. Es war schon deutlich leerer, wir hatten es schon halb zwei und ich hatte meine Drönung Ska bekommen. Mehr ging nicht.