10.05.2013: Face To Face, Teenage Bottlerocket, Blacklist Royals - House Of Blues - Anaheim, CA

 

Auffällig und unüberschaubar ist die Anzahl jener Hände, die beim Lenzen-Countdown heute nicht bloß die "Twenty-One", sondern nach der "Thirty" sogar die stark umjubelte "Forty" unbeschadet in der Luft überstehen. "Wir wissen, dass unser Publikum "vintage" ist, aber genau wie ihr werden auch wir nicht müde!" Trevor Keith ist bester Laune und steht heute in "seinem Wohnzimmer" auf der Bühne, um den Beweis mit "A-Ok", "Shoot The Moon" oder dem Opener "1-2-3 Drop" anzutreten. Vorzumachen oder nachzuhalten braucht der Sänger und Gitarrist seinem heutigen Publikum höchstens das Bad im eigenen Schweiß.
Die erstklassigen BLACKLIST ROYALS aus Nashville und ihre wankenden Countrypunksongs wurden zuvor Opfer der kalifornischen Supportband-Allergie, welche TEENAGE BOTTLEROCKET mit gewohntem Humor, lebendigem Kettensägen-Maskottchen und "Skate Or Die", "Necrocomicon" oder "Basement" immerhin im leider fast unerträglichen Livesound zu ertränken wissen. Voller Körpereinsatz am Instrument und eine Tribute-Coverversion von TONY SLYs "Via Munich" lassen dennoch vorübergehend den Hammer und Teile der angetrunkenen Meute durch den Saal des House Of Blues kreisen.

"FACE TO fuckin' FACE, people" - dafür treibt es den ausnahmslos gut frisierten Mob aus braungebrannten Surfpunks, trinkfreudigen KROQ-Proleten und natürlich der ansässigen Musik(er)szene also am Freitagabend nach Disneyland. Zwei Tage hintereinander macht das Tourpaket um Keith und seine Band aus Victorville in Anaheim halt. Siebzig Minuten füllen die wahrlich mittlerweile zur alten Schule gehörenden Gentlemen mit "Ordinary" oder "You've Done Nothing" und glänzendem Live-Handwerk an Bass und Schlagzeug - wobei das Material der "mittleren" Bandphase vom Publikum in Orange County deutlich verdatterter aufgesogen wird. Wegen "You Could'Ve Had Everything" oder Songs vom jüngst veröffentlichten "Three Chords And A Half Truth" wie "Bright Lights Go Down" oder "Smokestacks & Skyscrapers" hat heute niemand den Muttertags-Reiseverkehr oder die Bierpreise von bis zu zwölf Dollar pro Dose in Kauf genommen. "Complicated" und das finale "Disconnected" hingegen zwingen auch die selbstgeilste Tolle in den Pit, bei dem sich FACE TO FACE gar nicht genug für das herzliche Willkommen bedanken wollen. "Heute sind wir alle "old school" - und das hier ist der Grund, warum wir auf dieser Tour keinen Stop in LA einlegen mussten." stachelt der Frontmann im eleganten Mike Ness-Gedenkoutfit, während die biedere Haus-Security anstrengend gegen Bierdosenwerfer und Crowdsurfer vorgeht. Und "old school" - das ist heute wichtig. Denn morgen erinnern höchstens blaue Flecke und die Kreditkartenabrechnung an einen Abend, der mit FACE TO FACE direkt neben Mickey Mouse und Donald Duck auch die Träume aller Ü40-Kids wahrwerden lies.