10.12.2008: Opeth, Cynic, The Ocean - Köln - Underground

 


OPETH noch einmal auf kleiner Clubtour sehen. Vielleicht die letzte Chance, konnte man mit „Watershed“ seinen Status im Metal-Mainstream doch noch weiter manifestieren und erneut größte Erfolge für sich verbuchen. Dabei ist Band samt Package musikalisch gesehen alles andere als „angepasst“ oder „Mainstream“: Drei progressive Schwergewichter, allesamt einzigartig auf ihren Metier und fern jeglicher Konventionen. Dessen war man sich am diesen Mittwoch wohl sehr bewusst, und so pilgerte man zahlreich trotz Kälte und leidiger Arbeitswoche in die ausverkaufte Live Music Hall in Köln.

Eher im Schatten stehend schienen hier jedoch das Berliner Kollektiv THE OCEAN. Zwar konnte man sich spätestens mit dem jüngsten Release „Precambrian“ einen gewissen Status erarbeiten, ja man war nicht mehr bloß ein kleiner Geheimtipp in Szenenkreisen. Dass sie jedoch zweier so prägender und schwerwiegenden Formationen wie OPETH oder CYNIC an diesen Abend nicht das Wasser reichen konnten – allein schon, da wohl die aller wenigsten nur für sie da waren und sie so für viele als eine weitere „lästige“ Vorband von vielen abgestempelt wurden – war von vornherein bestimmt. Wirklich ambitioniert, an dieser leidigen Situation etwas zu ändern, schien man an diesem Abend jedoch nicht: Bewegungen vielen eher spärlich aus, höchstens die Gitarrenfraktion ließ gelegentlich, aber vor allem beim tobenden Rausschmeißer „The City In The Sea“, die Äxte schwingen. Man setzte eher auf ein atmosphärisches, minimalistisches Auftreten. Das Publikum tat es ihnen gleich; und stellte die Herren – neben (scheinbar) den Tontechniker - sichtlich unzufrieden.

Bei der Songauswahl setzte man bis auf eben genannten Hit der „Aeolian“ komplett auf „Proterozic“, also die ausgedehnte, eher progressive zweite Hälfte von „Precambrian“. Dabei beschränkte man sich jedoch meines Erachtens eher auf B-Ware; wo bleiben Aushängeschilder der Band wie „Rhyacian“ oder „Eorchean“? Fraglich natürlich, ob sie bei einem Publikum wie diesen Funktioniert hätten; letztendlich aber trotzdem schade.

CYNIC waren da schon eher heißersehnt, weichte man der Bühne doch seit „Focus“ bzw. der Auflösung im Jahre 1994 doch schon längere Zeit. Natürlich brannte auch hier nicht die Hütte, doch ein solches Szenario wäre hier sowieso eher fehl am Platz. Dafür begutachtete man die erstaunlich präzisen und virtuosen technischen Fertigkeiten der jazzigen Death-Metal-Urgesteine, die sich ja bekanntermaßen zu Teilen auch für den DEATH-Meilenstein „Human“ verantwortlich zeigten. Überhaupt: So eingespielt, so spielfreudig, so leidenschaftlich spielen nur wenige. Dabei drückte sich dies weniger in großen Hüpfern als mehr in treibenden, wie auf der Musik schwebenden Bewegungen aus.

Im Fokus stand an diesem Abend jedoch ganz klar der Headliner, und so waren die Vorbands bereits um kurz nach Neun am Abbauen, eben doch nur Mittel zum Zweck. Das sah wohl auch das Publikum so und erwachte dann doch mit dem betreten der Bühne von Mikael Akerfeldt und Co endlich aus den (zu) langen Winterschlaf. Wer von dessen Erscheinung jedoch etwas mitbekommen wollte, musste sich früh anstellen: Lange hielten sich Fans die Plätze frei, und spätestens mit dem Headliner waren die Chancen auf gute Plätze für Spätzünder gleich Null. Dafür wurde viel gedrängelt und genörgelt; und so verblieb man, gerade bei der Steife des Publikums, für scheinbar ewig an seinen leidigen Platz genagelt. Ja, die Zeit der kleinen, gemütlichen Clubshows ist bei dieser Band vorbei.

Doch OPETH wussten zu entschädigen. Mit „Heir Apparent“ vom aktuellen Album „Watershed“ stieg man direkt mit einer der aggressivsten Nummer der letzten Jahre aus dem Hause der Stockholmer ins Set und legte direkt energiegeladen mit „The Grand Conjuration“ von „Ghost Reveries“ nach. Bereits jetzt waren Akerfeldts Mannen voll in ihrem Element; und gerade er selbst vermag es, die Spielfreude und Leidenschaft dieser Band am ehesten zum Ausdruck zu bringen. Ein weiteres Sympatie-Plus waren wohl unumstritten seine humorvollen Ansagen, die die Stimmung deutlich auflockern konnten. Völlig bodenständig unterhielt er sich von hoher Bühne aus mit der brüllenden Meute, egal ob über Song-Wünsche, sein einigen aufgefallenes Conan-Shirt oder sein fragwürdiges Deutsch-Vokabular. „Today, call me Gabi“, verlautete er, und stieg wieder ins sehr ausgewogene Set, welches möglichst von jedem Album (außer dem neusten mit zwei Stücken) immer nur einen Song mitnahm. Lediglich die ersten beiden Alben „Orchid“ und „Morningrise“ wurden komplett außen vor gelassen.

Als musikalisches Highlight des Abends dürfte wohl „Deliverance“ genannt werden. Unglaublich intensiv und packend übertrafen OPETH hier wohl sämtliche Erwartungen und spielten, als gäbe es keinen Morgen mehr. Als eher ruhiges, melancholisches Gegenstück zückte man dann sogar „Hope Leaves“ vom halbakustischen „Damnation“. Spätestens jetzt gehörte den Schweden das Publikum. Nach „Demon Of The Fall“ folgte nun eine wohl eingeplante Zugabe; nach euphorischen Zugabe-Rufen trat man dann natürlich doch wieder auf die Bühne und hielt eine so ausgedehnte Ansage, dass hier wohl definitiv kein Zeitmangel gegeben war. „The Drapery Falls“ verabschiedete dann letztendlich aber doch OPETH; dies aber kolossal.