11.07. - 12.07.2008: Rock am Bach - Merzig, Zeltpalast

 

Wer �Wo die Wilden Maden graben� von Muff Potter�s Nagel gelesen hat, der kennt auch dessen Meinung bezüglich Auftritten im Saarland. Man fährt stundenlang durch Wälder und Dorflandschaften, ahnt das schlimmste und spielt hinterher vor vollem Haus. Zumeist trifft diese These zu. Allerdings blieb das erwünschte volle Haus dieses Wochenende mal völlig aus. Das zehnte Rock am Bach Festival war nämlich aus Jubiläumsgründen erstmals auf 2 Tage angesetzt und erstmals zog es vom beschaulichen Wadern nach Merzig an den Zeltpalast.

Freitag:

Die erste Band, die man sich anschauen durfte, waren TRIBUTE TO NOTHING. Dank Regen und einem Wetter, das einfach nicht umspringen möchte, spielen diese vor einer Hand voll Menschen und bei dem Anblick der sich um 17.00Uhr bot, wurde sicherlich nicht nur den Veranstaltern schlecht. Lag es am Wetter? Lag es am Line-Up? Wurde einfach alles zu überbewertet? Man weiß es nicht. TTN begannen wie immer mit viel Energie und einer Reihe Hits. �Something I can Trust� stellt wie immer den Höhepunkt dar der gleich zu Beginn immer wieder für Euphoriestöße sorgt. Ansonsten keine besonderen Vorkommnisse außer die Erkenntnis, dass auch TTN eine Band sind, die in die kleinen Clubs gehört, um die intime Atmosphäre auffangen zu können.

Die Holländer von BAMBIX haben es dagegen schon einen kleinen Zacken besser. Zwar ist auf dem für ca. 3000 Menschen ausgelegten Platz noch immer gähnende Leere auszumachen, aber die Leute die da sind, klatschen inzwischen wenigstens. BAMBIX spielen eine Mischung aus alten, meist allerdings eher den neuen Songs. Klingen dabei extrem gut und haben Spaß an der Sache. Zum Schluss gibt es den, für Festivals geradezu prädestinierten Song �Big Bottle of Beer� und schon ist Schluss.

Die Landsmänner von BORN FROM PAIN haben es bis hierhin am einfachsten. Viele HATEBREED T-Shirts versammeln sich vor der Bühne und ja, es würde gar nicht auffallen wenn letztgenannte Kombo auf der Bühne stünde. Von den ca. 100 Menschen vor der Bühne will es die Hälfte auch wissen. Circle Pits am laufenden Band und eine Band, die etwas aufgesetzt agiert. Bewegung auf der Bühne ist zu jeder Sekunde auszumachen. Allerdings scheint es als würden BORN FROM PAIN versuchen etwas zu verkörpern, was sie gar nicht sind. Musikalisch natürlich eher im Dicke Hose HC �Genre angesiedelt sind BFP aber genau das, was sich hier einige wünschen. Nach einer guten Drei Viertel Stunde endet der Spaß mit einem Song gegen Nazis.


Als nächstes stehen die Senkrechtstarter von ITCHY POOPZKID auf der Bühne. Zu erwähnen, dass vor der Bühne plötzlich alles Kopf steht braucht man eigentlich nicht. Die ersten Crowd Surfer, das erste Mal ausgelassenes Tanzen und die erste kleine Wall of Death, die allerdings in den Itchy Kreisen schlicht und einfach Graben genannt wird. Musikalisch wissen die 3 Herren eingängige Pop-Punk Songs zu schreiben und mit dem nötigen Humor herüber zu bringen. Von wem sie das wohl haben? Solider Auftritt und somit ab zum Quasi-Headliner.


LIFE OF AGONY. Diese waren mir direkt zu Anfang sympathisch, als ein Freund von mir versuchte einen passenden Tanzstil für BORN FROM PAIN ausfindig zu machen und dabei Kollegen KEITH CAPUTO mit dem Fuß erwischte. Obwohl letztgenannter also eigentlich allen Grund hatte an die Decke zu springen (was sich bei seiner Körpergröße kompliziert gestaltet hätte), entschuldigt sich der Herr artig und schüchtern. Die Quasi-Legenden von LIFE OF AGONY dagegen stehen erstmals seit längerer Zeit wieder in Originalbesetzung auf der Bühne und erstaunlicherweise wissen ziemlich viele um das Songgut der alten Hardcore Recken. Diese wirken zu Anfangs auch verdammt agil und lustvoll, werden allerdings nach und nach etwas zu müde. Die Soli werden länger, die Bewegung im Pit langsamer und Herr Caputo stürzt vor Langeweile und wahrscheinlich auch aufgrund der nötigen alkoholischen Kaltgetränken fast von der Bühne. Das konnten die Herren sicherlich mal anders.
TRIBUTE TO NOTHING haben da schon die passenden Worte gefunden � �We don�t like England but there is one good thing in England, never ever LIFE OF AGONY will headline a Festival�.

Der Rausschmeißer MAMBO KURT hingegen hat leichtes Spiel mit seiner Orgel. Alte Klassiker werden ausgegraben und ob es �Smells like Teen Spirit� oder Slayer-Songs sind, es wird gelacht. Nicht zuletzt wegen der herrlich zynischen Kommentaren von Kurt. Sogar die Mannen um TRIBUTE TO NOTHING lassen es sich nicht nehmen ausgelassen zu tanzen und zu diven. Der beste Auftritt des Tages. Definitiv.


Samstag:

Der Samstag beginnt erstmals mit Sonnenstrahlen und qualitativ hochwertigem Hardcore von ESCAPADO. Nicht direkt Hardcore, aber in welche Schublade will man die 4 Obersympathen sonst stecken? Nicht einmal eine halbe Stunde Zeit ist für den Slot vorgesehen und ESCAPADO erwischt es vergleichsweise wirklich gut. Bei den Flensburgern ist nur die Nebelmaschine kaputt, sodass zwischenzeitlich niemand auf der Bühne zu sehen ist. Die Kollegen von MAD SIN dagegen können kaum spielen da der Soundcheck viel zu lange dauert und es immer wieder Probleme gibt.
Zurück zum Grand Hotel � egal ob nun Songs von �Hinter den Spiegeln� oder der wunderbaren �Initiale� � sie passen alle herrlich zueinander.
Der Sound ist leider nicht die Wonne, doch die �Performance� weiß darüber hinweg zu täuschen.
Eine Intensive Stimmung ist zu verzeichnen und auch meine Befürchtungen, dass ESCAPADO live vielleicht noch eine Gitarre gut täte werden im Nu verworfen.
Gegen Ende wird die Hand zur Faust und Schluss ist. Sehr gut.


Als nächstes stehen auf der kleinen Bühne die Entdeckung von Tribute to Nothing � SECOND MONDAY. Eines DER Alben 2006 geht auf die Kappe der jungen Briten.
Intensität und Atmosphäre waren �Imagery� stets zu verzeichnen und gerade live packte diese Mischung auf eine grandiose Art und Weise.
Wo die erste EP stark an die alten Thrice erinnerte, hatte das Nachfolgewerk so gar nichts damit zu tun.

Heute werden bis auf �Mono Injection� und �Task Destination� keie alten Songs gespielt und die neuen erinnern mal wieder an Thrice.
Diesmal an die neuen. Zwar geht es doch etwas härter zu aber doch mit vielen schon fast progressiven Momenten.
Leider ist der Sound verdammt schlecht. Zu schlecht um die verschiedenen Facetten von Second Monday hervor zu haben. Schade.

THE KILIANS sind die letzte Band die ich mir zu Gemüte führe bevor ich 212 Kilometer gen Heimat ansteuere.
Diese stehen den großen Vorbildern in nichts nach und spielen ihren wunderbaren Indie brav vor die mäßig gefüllte Bühne.
Die Ansage, dass das nächste Lied von einer �Scheißband� ist und �wir es ganz gut hinbekommen haben� ist ja im Grunde schon eine Frechheit.
Wenn dann allerdings U2�s �Sunday Bloody Sunday� verwurstet wird ist das ganze gar nicht mehr lustig.
Mag man über Bono und seine Mannen doch denken was man will � die Musik war (größtenteils) großartig.

Wie auch immer.
Insgesamt ein eher enttäuschendes Festival und bitte liebes RaB Team � Das nächste Mal wieder einen Tag und in Wadern. Mambo Kurt auch bitte.