12.02.2009: Apoptygma Berzerk - Köln - Live Music Hall

 

Das hat man dann davon. Da geht man spät nachts in eine Bar, irgendwo auf der Reeperbahn und will dort eigentlich nur wen abholen, wird jedoch nach kürzester Zeit von einer Traube fremdsprachiger, dunkel gekleideter Gestalten umring und kurzerhand eingeladen doch deren Konzert zu besuchen. Da man ja am Folgetag den Roadtrip auf dem man sich grade befindet gen Berlin fortsetzen will, lehnt man die Einladung zunächst dankend ab, wird aber am Ende nach Köln gebeten und kurzerhand unter dem Einfluss von Bloody Merry Shots zu einem "ja wir kommen" bewegt.

Und dann befindet man sich knapp eine Woche später vor der Live Music Hall und überlegt ob es nicht doch vielleicht klüger gewesen wäre ins fast nebenan gelegene Underground zu gehen um sich dort "Hollywood Undead" zu Gemüte zu führen. Nein, da müssen wir nun durch. Auch wenn wir uns nicht ganz sicher sind was wir bei APOPTYGMA BERZERK erwarten dürfen. Also immer rein in die gute Stube. Der Supportact hat schon fast die Bühne in Beschlag genommen. Vier junge Kerle die sich THE ANIX nennen und uns mit einem Mix aus Synthie-Rock und düsteren, langgezogenen Klängen begegnen. THE ANIX aus dem Sonnenstaat Kalifornien haben sichtlich Spaß bei ihrem Auftritt, das Publikum wirkt da schon eher kritisch, applaudiert aber trotzdem brav nach jedem Song. Die Meisten der Anwesenden sind eindeutig nicht wegen THE ANIX hier.

Sie warten auf APOPTYGMA BERZERK. Diese betreten kurz nach dem Umbau in völliger Dunkelheit die Bühne. Jubel bricht aus in der schwarzen Masse die sich immer näher zusammengedrängt hat. Es ist merklich voll geworden. Gefühlte 1000 Gäste wollen sich das Konzert der Synthie-Goth-Rocker nicht entgehen lassen. Moment mal, Gothic? Was war das noch gleich? Ist das nicht die Musikrichtung mit den satanischen Anhängern, den dunklen Klamotten und den tranceartigen Tänzen? Bei einem Blick ins Publikum könnten man zu mindestens die letzteren beiden Klischeepunkte bejahen. Aber laufen APOPTYGMA BERZERK nicht auch in jedem zweiten Trailer auf RTL2 und Co? Wo sind dann all die jungen Zuschauer des Senders heute Abend? Das Publikum befindet sich altersmäßig schon jenseits der dreißig und man kommt sich im Gegenteil zu allen anderen in letzter Zeit besuchen Konzerten sehr jung vor. Ganz klar, die Fans der seit über 10 Jahren erfolgreichen Truppe sind mindestens genau so lange dabei wie die Band existiert. Gleich der zweite Song ist der im TV beworbene Hit "Apollo (Live On Your TV)" und sogleich wird auch kräftig mitgesungen. Den alteingesessenen Fans von APOPTYGMA BERZERK ist der Sprung von der Untergrund Szene ins öffentlich, musikalische Leben scheinbar egal. Auch wenn sich der Stil in dem sich APOPTYGMA BERZERK präsentieren merklich verändert hat. Waren sie noch vor drei Jahren das was man als Synthie-Rock mit starken EBM Einflüssen bezeichnet, so sind sie heute mehr eine Rockband die sich elektronischer Unterstützung bedient und damit massenkompatible Musik publiziert. Und das mit Erfolg. Sowohl ältere Titel wie "Kathy's Song" oder "Non Stop Violence", als auch neuere Tracks wie "In This Together" oder den Erfolgshit "Shine On" werden vom Publikum kräftig gefeiert. Und man mag es kaum glauben, auch auf meine Freundinnen und mich springt der Funke bzw. das Feuer das APOP verbreiten ohne Probleme über. Eine atemberaubende Lichtshow, Digiwalls über die Textfragmente laufen und aufblinken, ein Regen an Seifenblasen, Strobolichtgewitter, top Stimmung im Publikum und eine Band die einen interessanten Musikmix darbietet - was braucht es mehr für einen unterhaltsamen Konzertabend?

Nach zwei Stunden , 19 Songs und zweimaligen Zugaben verlassen APOPTYGMA BERZERK die Bühne und haben bleibenden Eindruck hinterlassen. Am Ende ist es nicht falsch gewesen "Hollywood Undead" zu verschmähen. Wer hätte das gedacht…