12.03.2012: Fates Warning - Bochum - Matrix

 


Bei FATES WARNING habe ich gelernt, dass man unbedingt die Vorband sehen muss. Letztes Jahr im Essener Turock imponierten SUN CAGED mit einem Bassisten, der mit seinen acht Saiten ganz schön auf die Brause gehauen hat.

2012 hatten nun BEYOND THE BRIDGE die Ehre, ordentlich Eindruck zu schinden. Und die Truppe hat tatsächlich ihr gesamtes Geschirr mit gebracht: Doppelt besetzter Gesang (weiblich und männlich), zwei Keyboarder, sechs Saiten am Bass und acht an der Gitarre. Die hatten also alle während der 3/4 Stunde gut zu tun. Der Sound bot mit viel Frickelei, Breaks und Tempiwechseln keine großen Überraschungen, wusste aber durchaus zu gefallen. Selbst technische Probleme, wodurch uns die die Gitarre phasenweise lediglich visuell zur Verfügung stand, taten dem überzeugenden Auftritt keinen Abbruch. Auch nach dem Konzert war die Band noch fleißig und verteilte Bildchen mit der Aufschrift: "This is not a flyer - it's a picture of your favourite band". Cool!

21:15 Uhr kamen, begleitet von frenetischen Jubelrufen, FATES WARNING auf die Bretter.
Der Start mit "One" war schon mal der gleiche wie letztes Jahr. Der Unterschied bestand allerdings in der Wucht, mit der uns Bobby Jarzombek seine Drums um die Ohren donnerte. Erst nach ein paar Minuten war der Sound gut ausgesteuert und angemessen - das ist natürlich ein generelles Problem in der Matrix. Trotzdem bleibt das Schlagzeug von Bobby der einzige, kleine, Kritikpunkt. Ein Mark Zonder bringt die vielen Fills und Details einfach am besten und passend für FATES WARNING rüber.

Dafür ist seit 1987 Ray Alder die perfekte Besetzung am Mikro. Trotz, dass er eigentlich ein eher lustige Gemüt und viel Humor hat, bringt er mit seiner Stimme mehr Melancholie und Wehklagen in die Welt, als alle Bayern Fans zusammen in einem Jahr ohne Meistertitel.
Seine Gestik harmoniert in einer eindrucksvollen Art und Weise zur Musik und zieht das Publikum magisch in den Bann. Das Gespann an der Gitarre mit Jim Matheos und Frank Aresti zeigt quasi locker aus dem Ärmel, was man mit dem Instrument alles so machen kann. Joey Vera schließlich komplettiert mal zupfend, mal slappend und mal mit Plektrum einen musikalischen Teppich, der vollends eine Liga für sich darstellt.

Live sind es die Übergänge zwischen den Songs, die eine eigene Atmosphäre schaffen. Es ist immer wieder spannend, welcher Song sich als nächstes entfaltet. FATES WARNING haben genug Material, den Abend kurzweilig zu gestalten und haben in rund 90 Minuten eine feine Zusammenstellung geschaffen, die das Publikum zum Mitgehen animierte.

Mangels aktuellem Material (laut Ray werden gerade neue Songs komponiert!) besteht zwar der Kern seit Jahren aus unbedingten und genial vorgetragenen Klassikern wie "11th Hour", "Point Of View" und diversen Parts von "A Pleasent Shade of Grey", aber das soll ja auch genau so sein. Die Würze an diesem Abend bestand in einer tollen und unerwarteten Version von "Outside Looking In". Hierzu wurde eine Neuauflage vom dazugehörigen "Inside Out" Album (welches live sonst gerne vernachlässigt wird) angekündigt. Mal schauen, denn das 20jährige Jubiläum dazu ist ja erst in zwei Jahren. Auch "Heal Me" und "Another Perfect Day" kamen besonders gut rüber und repräsentierten das letzte Album "X". Man konnte zwischendurch immer nur wieder staunen, wie locker und dennoch präzise Song an Song kredenzt wurden.

Insgesamt war es ein großartiger Abend mit fantastischer Musik von Vor- und Hauptband. Beim Gedanken an das finale "Eye To Eye" bekomme ich immer noch eine Gänsehaut.

Bitte nächstes Jahr wieder!

Setlist:
01 One
02 Life In Still Water
03 A Pleasent Shade Of Grey III
04 Outside Looking In
05 Down to The Wire
06 Heal Me
07 Still Remains
08 Another Perfect Day
09 The Ivory Gate Of Dreams (IV-Quietus)
10 A Pleasent Shade of Grey XI
11 11th Hour
12 Point Of View
13 Different Eyes
14 Monument
15 At Fate's Hands
16 Eye To Eye


Ray Alder: Vocals
Jim Matheos: Guitar
Frank Aresti: Guitar
Joey Vera: Bass
Bobby Jarzombek: Drums