12.09.2005: The Real McKenzies, Far From Finished - Hannover - Bei Chez Heinz

 

Mal wieder ein Montagskonzert, mal wieder Bei Chez Heinz. Heute stehen THE REAL MCKENZIES und FAR FROM FINISHED auf dem Programm. Es verspricht also ein richtiger Knaller in Sachen arschtretendem Punkrock zu werden und besonders die 10.000 Shots der trinkfreudigen Kanadier haben es mir ziemlich angetan. Kurz vor 22:00 Uhr erreichen wir also das Bei Chez Heinz und man mag es kaum glauben, an diesem verregneten Wochentag haben es verdammt viele Leute ins Heinz geschafft. Der Schuppen ist zwar nicht ausverkauft aber gut gefüllt und auch draußen lungert das trinkende Konzertvölkchen. 9 Euro ist glaube ich das Höchste, was ich jemals beim Montagskonzert an der Abendkasse erlebt habe aber das scheint hier niemanden zu stören.

Keine Ahnung wer hier gerade musiziert. Die MCKENZIES und FAR FROM FINISHED sind es jedenfalls nicht und da ärgert man sich doch ein wenig. Es ist Mitten in der Woche, zumindest einige der Anwesenden müssen garantiert am nächsten Tag auf die Maloche und um 22:00 Uhr spielt noch immer die Vor-vor-Band. Naja einige Minuten später ist auch dies passé und die Umbauphase für die Bostoner Street-Punker FAR FROM FINISHED beginnt. Zügig werden die Drums aufgebaut und die Band legt auch alsbald ihren ersten Punksmasher vor. Ja das lobe ich mir: Schön viel Straße im Sound und die verdammt heiseren und fast knurrenden Vocals vom Frontmann Steve Neary, die sich über den von STREET DOGS Mitbegründer Rob Guidotti vorangepreitschten, treibenden Sound erhebt. Anfangs zeigt sich ein Großteil des Publikums noch recht verhalten und beobachtet leicht irritiert die körperliche Behinderung des einhändigen Frontmannes. Jener zeigt sich absolut unbeirrt und brilliert mit wenigen aber bedachten Ansagen und einer unglaublichen Ausdruckskraft. Nach und nach wird die Crowd lockerer, gröhlt bei den Singalongs mit ins Mic und bei dem fantastischen Cover des Klassikers "Bad Moon Rising" gehen die vorderen Reihen einfach nur ab. Der Aufforderung zum Cirle Pit wird beim zweiten Mal dann auch Folge geleistet und so prescht die Band erfolgreich durch ihr aktuelles I Scream Records Album "East Side of Nowhere". Es ist kurz vor 23:00 Uhr als die abgearbeiteten FAR FROM FINISHED unter respektablem Applaus die Bühne für die REAL MCKENZIES freigeben.

Die kanadischen Celticpunker lassen sich ein wenig Zeit, bevor der Sechsertrupp die Bühne betritt und Paul McKenzie sich mit funkelnden Augen vor dem Publikum positioniert. Just bevor man loslegen will entdeckt die wie immer in kompletter Highlands-Montur aufgelaufenen MCKENZIES einen weiteren Herren im Schottenrock in der Menge. Freundlich wird der Seelenverwandte auf die Bühne gebeten um ihn anschließend aufzufordern seinen nackten Arsch dem Publikum entgegenzustrecken. Als sich dann jedoch herausstellt das der Kilt-Träger mit Unterhose unterwegs ist kennen die REAL MCKENZIES kein Pardon mehr und jagen ihn von der Bühne. Demonstrativ werden die eigenen Kilts gelüftet um auch dem letzten im Publikum klarzumachen was der Celtic Dresscode bedeutet. Dann kann die Party auch starten und mit "Smokin' Bowl", dem Opener des aktuellen Albums "10.000 Shots, lässt man es krachen. Das Publikum lauscht begeistert dem ziemlich zugedröhnten Dudelsackspieler und geht gemeinschaftlich vor der Bühne ab. Das Bei Chez Heinz ist sehr gut gefüllt und schnell entwickelt sich die Location zur Sauna in der gemeinschaftlich geschwitzt wird und die Leute sich die Shirts vom Leibe reißen. Selbst die penibelst gestylten Iros des ein oder anderen Punks müssen der Luftfeuchtigkeit Tribut zollen und sind nur noch ein kümmerlicher Schatten ihrer selbst. Auf der Bühne interessiert das kaum, die Band hat einfach Spaß und Paul McKenzie gibt amüsante Weisheiten und Statements von sich. Er stellt sich selber die Frage, wieso man so viele Lieder von Robbie Burns im typischen MCKENZIES Style zum Besten gibt und die simple Antwort ist, dass der Kerl "fucking cool" sei. Voller Stolz gibt man die Tatsache bekannt, dass man noch dieses Jahr 50 werde und zählt verschiedenste, verblichene Bandmitglieder einiger wegweisenden Musikgrößen auf, denen man das ein oder andere Lied widmet. Es wird weiter gefeiert, Hits von damals bis heute gespielt, und auch die MCKENZIES legen ob der Hitze ihre Oberteile ab. Immer wieder wird das ein oder andere Bier gestürzt und Paul McKenzie hält stets ein Bier in der einen Hand das Mic in der anderen. Dann bekommen auch noch die Queen und die Royal Navy ihr Fett weg, bevor die REAL MCKENZIES das erste mal die Bühne verlassen. Um eine Zugabe zu bekommen muss dann auch brav, wie angeleitet, "MCKENZIES, MCKENZIES!" gerufen werden und so kehren die Recken wenig später für einige Songs zurück. Der absolut schweißtreibende Feier-Abend endet gegen 0:30 Uhr. Ein tolles Konzert!