12.11.2015: MARILYN MANSON, NEW YEARS DAY - Stuttgart - Porsche Arena

 

In der Porsche Arena hatten NEW YEARS DAY vor MARILYN MANSON ihren großen Auftritt. Die weibliche Sängerin, die Haare zur Hälfte rot und zur anderen schwarz, hat eine starke Stimme. Aber auch der Background Sänger kann sich echt hören lassen. Sie präsentieren eingängige Melodien, die Lust auf mehr machen. Schade nur, dass die Bühne sehr schlecht beleuchtet ist, sodass man kaum erkennt, wer da vor einem steht.

Sein Ruf eilt MARILYN MANSON voraus. Ehrenmitglied der Church of Satan ist er. Düster und skandalös. Gleichzeitig eine der geheimnisvollsten und schillerndsten Figuren der Musikgeschichte. Als Befürworter von Selbstverstümmelung, spielte Blut auf der Bühne schon öfters eine Rolle. Aber was Brian Warner in Stuttgart abgeliefert hat, war ein Skandal ganz anderer Sorte.

MARILYN MANSON betritt die nebelverhangene Bühne. Eine eindrucksvolle Lichtshow unterstützt  seinen großen Auftritt. Mansons Gesicht ist schwarz-weiß geschminkt. Zebra trifft auf Streifenhörnchen. Er schleudert sein Mikro herum, tritt seinen Mikroständer um, leert Wasserflaschen aus und wirft Trommeln um. Auf der Bühne ist ständig ein armer Mitarbeiter nur mit aufräumen und putzen beschäftigt. Bei „Sweet Dreams“ kommt Manson auf Stelzen auf die Bühne. Ein Übergott, der wie Gru mit seinen Minions kommuniziert. Man kann sich nur schwer der Faszination Mansons entziehen. Er strahlt eine mystische Anziehungskraft aus. Die Stimmung ist angespannt. Man will wissen was als nächstes passiert. Wie bei einem guten Krimi. Teilweise kehrt Manson dem Publikum den Rücken zu und singt weiter. Dann macht er aber wieder einen Abstecher in die erste Reihe und gibt sich den fordernden Händen seiner Fans hin. Er betreibt ein Katz-und-Maus-Spiel. Die Musik zieht ebenfalls magisch an, zieht das Publikum in den Bann. Teilweise wirkt Manson sehr neben der Spur (nach eigenen Angaben ist er High gewesen) und improvisiert Texte. Irritierte Blicke der Fans sind keine Seltenheit. Aber irgendwie fehlt da noch was. Man wartet auf den großen Knall. Auf das, worüber alle Anwesenden an diesem Abend noch in 10 Jahren reden werden. „Ich war dabei als Manson...“. Doch: Fehlanzeige. Manson verbrennt eine Bibel. Mehr nicht. Nach 11 Liedern verlässt er die Bühne. Das Publikum denkt zunächst, er kehre gleich zurück. Denn die vorherigen Pausen zwischen den Liedern waren ebenfalls ungewöhnlich lang, während die Bühne im Dunkeln lag. Ein paar Lichter gehen an. Ein schlechtes Zeichen. Die ersten Leute geben auf und verlassen die Halle. Aber: noch keine Roadies auf der Bühne...Ein paar Fans fassen sich ein Herz und stimmen Manson-Sprechgesänge an. Vergebens. Das Licht geht an, Bühnenarbeiter mit Helmen betreten die Bühne. Jetzt fliegen leere Becher und es hagelt Buhrufe. Manson ist einfach so gegangen, ohne Zugabe oder eine Verabschiedung. Und genau das ist der Skandal. Nicht mehr Blut oder Predigten auf Satan. Nein. Manson ist älter geworden. Hat sich vielleicht sogar von seinen früheren Ansichten verabschiedet. Aber der Druck, den Leuten etwas Skandalöses zu bieten bleibt. Irgendwie ist das auch okay, wenn Manson die Bühne so verlässt. Man verzeiht es ihm. Denn er ist nun mal Marilyn Manson, von dem man so etwas erwarten kann.