13.01.2012: We Came As Romans, Alesana, Iwrestledabearonce - Karlsruhe Substage

 



Manchmal ist es eben höhere Gewalt, oder einfach eine nette Geschichte die das Leben schreibt: Auf der Fahrt nach Karlsruhe sehen wir irgendwo auf der A6 einen liegengebliebenen englischen Van auf dem Standstreifen stehen - ziemlich zerschrubbt, mit Anhänger und komischen Gestalten die daneben stehen und auf den Pannenservice warten. Später, am Eingang zur Substage stellt sich heraus, dass diese Gestrandeten GLAMOUR OF THE KILL waren, die aus eben genannten Gründen heute Abend nicht spielen können.
So müssen also IWRESTLEDABEARONCE die Show an diesem Abend eröffnen. Mit ihrer recht eigenwilligen Musikmischung gelingt es der Band aus Louisiana nur bedingt, dass Publikum zu mobilisieren. Dieses Mesh-Up das nach Bands wie Walls Of Jericho, Horse The Band und Arsonists Get All The Girls klingt, wäre vielleicht noch allgemein mitreißender gewesen, wenn sich die Band nicht gar so energielos, müde und vom Jet-Lag gezeichnet präsentiert hätte. Aber so kommt vor allem rüber, dass die vier Jungs und ihre Frontfrau Krysta möglichst schnell von der Bühne runter wollen, auch weil das Publikum scheinbar nicht nach ihrer Vorstellung entsprechend auftaut. Schade, doch so bleibt nur ein Set, das musikalisch-technisch zwar ok ist, doch insgesamt ziemlich hingerotzt wirkt.
Anschließend übernehmen die Detroiter Jungs von WE CAME AS ROMANS die Bühne. Sie wirken im Gegensatz zur Vorband wesentlich energiegeladener und liefern eine kraftvolle Bühnenshow, die gleichzeitig aber auch etwas einstudiert wirkt. Negativ fällt leider der Clean-Gesang von Kyle Pavone auf, der zwar in Boygroup-Manier ständig lächelnd über die Bühne hoppst, dabei allerdings öfters mal mit den Tönen daneben greift und „wackelt“. Diese Patzer werden dafür aber vom Rest der Band wieder ausgeglichen, die auf den Punkt genau spielen. Besonders Shouter David Stephens treibt mit seinen kraftvollen Growls die Show voran und rüttelt die Crowd wach. Es wird viel vom neuen Album Understanding What We’ve Grown gespielt, doch der finale Höhepunkt ist ihr quasi-Evergreen „To Plant A Seed“ vom ersten Album.
Als ALESANA dann zuletzt die Bühne betreten schießt einem zuerst durch den Kopf, dass sie irgendwie alt geworden sind. Bei fast allen ist die Emo-Matte einem pflegeleichten Kurzhaarschnitt (wohl teilweise auch wegen den einsetzenden kahlen Stellen) gewichen und die Bierbäuchlein werden nicht mehr eingezogen sondern mit Stolz herausgestreckt. Umso absurder ist es, wenn dann aus diesen Männern die gleichen jugendlichen hohen Clean-Gesänge oder kreischenden Screams herauskommen. Aber alles klingt so, wie es klingen soll: niemand in der Band leistet sich auch nur einen Patzer und zeigen perfektes Timing. Das jahrelange Touren über die Stages der Welt lässt in ALESANA wirklich gute Live-Musiker erscheinen. Auch wirkt das Sextett wahnsinnig sympathisch auf der Bühne und scheins ist es sich auch seinem umstrittenem Ruf bewusst, was sich in Äußerungen wie „Unfortunately we are Alesana from the United States“ klar wird. Aber sie nehmen sich selbst nicht zu ernst, was sie nochmal sympathischer erscheinen lässt. Ihre Show reißt jedenfalls mit, so dass sogar erklärte Alesana-Nicht-Fans bei dem ein oder anderen poppigen Hook mit dem Fuß mitwippen.