13.03.2014: Frank Turner, Andrew Jackson Jihad, Ducking Punches - Karlsruhe - Substage

 



Nicht wirklich verwunderlich, dass seit einigen Wochen das “Ausverkauft“ Schild über der Veranstaltung thronte. Wo FRANK TURNER derzeit auftaucht, sorgt er für volle Hallen. Nachdem er im Jahre 2010 im Jubez in Karlsruhe zu Gast war, ging es diesmal also in den Substage.
Wir kamen ziemlich pünktlich um 20 Uhr im Substage an und es war schon verdammt voll und ein weiter nach vorne kommen gestaltete sich schon jetzt relativ schwierig.

DUCKING PUNCHES waren schon auf der Bühne, viel mehr nur Lead Sänger und Gitarrist Dan, also nicht in Bandformation, sondern eben wirklich nur Gesang und Akustik Gitarre. Mit jeder Menge Gefühl und Inbrunst im Gepäck, wusste er jedoch auch in Solo-Rolle zu gefallen. Wirklich störend war jedoch, dass die Lautstärke zu diesem Zeitpunkt relativ dezent war. Dies schien einen Großteil der Anwesenden dazu verleiten, sich über die komplette Dauer zu unterhalten. Im Endeffekt waren das Gemurmel des Publikums dann fast lauter als DUCKING PUNCHES auf der Bühne, was ein konzentriertes Zuhören fast unmöglich machte. Sehr schade, so konnte wirklich nur schwerlich Stimmung aufkommen. Zumindest auf der Bühne selbst war die Lautstärke wohl ausreichend, so dass sich Dan dadurch nicht beirren ließ. Bei den letzten Songs wurde er noch unterstützt vom Keyboarder von ANDREW JACKSON JIHAD. Hoffentlich ein anderes Mal unter besseren Voraussetzungen.

Eine Umbaupause gab es quasi nicht, der Keyboarder blieb einfach auf der Bühne, holte seinen Bandkameraden mit der Gitarre zu sich und los ging es mit ANDREW JACKSON JIHAD. „Rejoice“ und „Brave As A Noun“ vom Album „People Who Can Eat People Are The Luckiest People In The World“ machten den Anfang. Wirklich unterhaltsam das Duo aus Phoenix Arizona. Coole Jungs mit absolut abgefahrenen Texten. Der Gitarrist machte fast schon nervöse Zuckungen auf der Bühne und bestach durch permanente Beinarbeit. Ungefähr nach der Hälfte des Sets von ANDREW JACKSON JIHAD gesellte sich Mister FRANK TURNER persönlich bei „Heartilation“ zu den Beiden auf die Bühne und setze sich mit Trommelstöcken bewaffnet hinter das Schlagzeug. Wer dachte es wäre eine kurze Stippvisite für einen Song, sah sich getäuscht, FRANK TURNER blieb gut 15 Minuten hinterm Schlagzeug bis zum Ende des Sets sitzen und gab sein Bestes. Er wusste dabei sicher keine Bäume auszureißen, aber es hat einfach wunderbar reingepasst zu der an sich schon eh recht einfach gestrickten Musik von ANDREW JACKSON JIHAD und man merkte ihm an, dass er da saß, weil er schlicht und ergreifend Bock drauf hatte. „Hate&Kill“ bildete den Abschluss eines wirklich guten und amüsanten Auftritts, welcher natürlich durch den Gastauftritt noch mehr die Aufmerksamkeit der Anwesenden fand.

War die Umbaupause zuvor nicht existent gewesen, dauerte es nun dafür umso länger. Nach einer guten halben Stunde versuchte das Publikum mit rhythmischem Klatschen FRANK TURNER auf die Bühne zu locken. Erstaunlich wie bunt gemischt das Publikum an diesem Abend war, zwischen gerade volljährig bis kurz vor der Rente waren fast alle Altersklassen vertreten. Das Warten hatte dann auch irgendwann ein Ende und FRANK TURNER kam mit THE SLEEPING SOULS auf die Bühne und legte mit „Photosynthesis“ los. Ein Refrain der direkt perfekt geeignet war die Anwesenden dazu zu bewegen selbst mitzusingen und natürlich wurde das dann auch textsicher getan. Ein guter Start für Konzert Nummer 1584. Weiter ging es mit „Plain Sailing Weather“ vom aktuellen Album „Tape Deck Heart“ und so wurde es auch das erste Mal richtig laut und fast schon heavy. Für mich persönlich übrigens die FRANK TURNER Live Premiere und ich muss sagen, auf Platte konnte er mich schon überzeugen, aber auch wenn es sicher genügend Bands gibt, welche man dann auf Platte doch fast besser fand, so ist es in diesem Fall wirklich Live um ein Vielfaches besser, eindrucksvoller, einfach intensiver als auf Platte. Dafür verantwortlich selbstverständlich FRANK TURNER himself, welcher völlig in seiner Musik, in seinem Gitarrenspiel, in seinem Gesang aufgeht und seine ganze Energie und Leidenschaft dort hineinsteckt. Zudem ist er einfach ein sympathischer und großartiger Entertainer. „Peggy Sang The Blues“, „Losing Days“, „Glory Hallelujah“ bildeten den nächsten Block, zwischenzeitlich verließ die Band die Bühne und der Meister konnte einige Songs alleine mit seiner Gitarre zelebrieren.
Gecovert wurde an diesem Abend von THE WEAKERTHANS, nach eigener Aussage seine absolute Lieblingsband, der Song „Plea from a Cat Named Virtue“. Nach den Songs „The Road“ und „Cowboy“ verabschiedeten sich FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS anschließend mit dem viel umjubelten „Recovery“ erstmals von der Bühne.
Nach der folgenden Zugabe verließen alle nach gut 1,5 Stunden gut gelaunt und mehr als zufrieden den Ort des Geschehens im Bewusstsein einen verdammt schönen Abend gehabt zu haben.