13.11.2013: Enter Shikari, Hacktivist - Skaters Palace

 



Man könnte meinen, es wird irgendwann langweilig sich Enter Shikari live anzuschauen, da die Herren aus dem Londoner Norden ja nun nicht grade selten in Deutschland spielen. Jedoch ist die Band auch am heutigen Abend wieder für einige Überraschungen gut.


Los geht es jedoch mit Hacktivist die ebenfalls von der Insel kommen und gleich mit zwei Sängern auftreten. Ihre Musik genau zu klassifizieren ist schwer. Sie bieten einen Mix aus harten Riffs, atmosphärischen, cleanem Gesang und jede Menge Sprechgesang den man wohl sonst eher in HipHop-Formationen findet. Ihre Musik klagt, ähnlich wie der ein oder andere Shikarisong, die Gesellschaft und ihr kopfloses Handeln an. Ganz passend zum Namen der sich vom Neologismus Hacktivismus ableitet und einen gezielten Angriff auf Großcomputersysteme beschreibt um damit politische Ziele zu erreichen. Das Protestmittel für die Band sind eindeutig ihre Lyrics und die aggressive Art diese zu übermitteln. Für den persönlichen Geschmack mag der cleane Gesang da nicht ganz reinpassen, zumal Gitarrist/Sänger Tim eine recht spezielle Stimme hat. Dennoch eine Band auf die man in Zukunft mal ein Auge werfen sollte.


In der darauf folgenden Umbaupause wird großes Geschütz aufgefahren. Vor allem was die Lichttechnik anbelangt darf man sich bei Enter Shikari immer auf Action gefasst machen. Auf die großen, leuchtenden Dreiecke von ihrer letzten Tour hat man jedoch verzichtet. Das Dreieck gibt’s stattdessen auf dem überdimensionalen Backdrop. Da fragt man sich, was all die Bands (z.B. The Devil Wears Prada, 30 Seconds To Mars...) heutzutage nur mit ihren Dreiecken haben... Was die Londoner angeht, so erklärten sie in einem Interview mit Allschools, dass es ein Symbol für die Position der Bürger in der Gesellschaft darstellen soll. In völliger Dunkelheit betreten nun endlich Enter Shikari die Bühne. Ganz stilecht zur noch immer aktuellen Platte, A Flash Flood of Colour, mit deren ersten Tracks System und Meltdown. Dies schafft vom ersten Einsetzen des Schlagzeugs direkt Tanzlaune im textsicheren Publikum. Sänger Rou lässt es sich nicht nehmen recht zügig ins Publikum zu klettern, ganz eindeutig liebt der heute recht bärtig, anmutende Bursche das Bad in der Menge. Es folgen neuere Titel wie z.B. Destabilise , welche so gar nicht an die Band von 2005 erinnern, die mit ihrem Klatschsong Sorry You're Not A Winner berühmt wurde. Mehr Sprechgesang, mehr Elektro und eindeutig mehr Chaos, welches damit endet, dass Rou sich kopfüber hängend an einen Stahlbalken des Skaters Palace klammert und fröhlich weiter singt. Aber auch die Gelegenheit wenigstens ein wenig zur Ruhe zu kommen, geben die Jungs einem und spielen Constellations, nur um kurz darauf abermals den Stahlbalken zu erklimmen und auf dem Rückweg zur Bühne einfach so mal ein Stück der Absperrungzäune mitzuschleppen und eben jenen Zaun auf der Bühne hochkant aufzustellen. Entweder hat Rou Reynolds den berühmten Schelm im Nacken oder er ist einfach ein verdammt komischer Kerl. Auch Gitarrist Rory lässt sich dazu herab einen kleinen Kletterausflug zu unternehmen nicht entnehmen und erklimmt seinerseits die Stahlträger an der linken Außenwand. Verdammt mutige Kletteraktion die ihm auf dem Rückweg vor das bekannte Problem stellt: Der Weg nach oben war einfach, nur wie komme ich (samt Klampfe) hier nun wieder runter?!“ - was er am Ende jedoch ganz gut hinbekommt. Zum Schluss gibt’s dann nochmal mit Mothership die gute, alte Shikaripower und das durchgeschwitzte Publikum dankt ihnen ihren Auftritt mit nicht abreisendem Klatschen und Zugaberufen. Schade nur, dass Enter Shikari für die Zukunft eine längere Pause angesetzt haben. Da ist man froh diesen grandiosen Abgang miterlebt zu haben.