13.10.2015: ADAM ANGST, KMPFSPRT, YOUTH MAN - Wiesbaden - Kesselhaus

 

ADAM ANGST, KMPFSPRT und YOUTH MAN beweisen wieder einmal, dass Punk nicht nur am Wochenende, mit jeder Menge Alkohol und ausschlafen, sondern auch an einem Dienstag-Abend, wenn am nächsten Tag früh morgens der Wecker klingelt, funktioniert.

AUSVERKAUFT heißt es vor der Türe des Schlachthofs in Wiesbaden. ADAM ANGST, KMPFSPRT und YOUTH MAN haben es tatsächlich geschafft, das Kesselhaus in Wiesbaden bis auf den letzten Platz voll zu bekommen. Während gegenüber, in der großen Halle, gerade MILLENCOLLIN ein Konzert spielen, wird es im kleinen, neuen Kesselhaus kuschelig. Schon vor der ersten Band ist der Laden gut gefüllt, wenn auch hier und da noch etwas Platz ist. Pünktlich um 19:45 geht es mit den Engländern von YOUTH MAN los. Anders als der Name vermuten lässt ist am Mikro kein YOUTH MAN, sondern eine YOUTH WOMAN, die nur so vor Energie strotzt, vertreten. Laut und impulsiv. Schnelle, energiegeladene Songs suchen sich geradeweg ihren Weg nach vorne. Ein Song reiht sich an den Nächsten, ohne größere Unterbrechungen. YOUTH MAN würden gut zur Dortmunder SPATIC FANTASTIC RECORDS-Crew passen, denn in Sachen Geschwindigkeit und Energie, stehen die Birminghamer (heißt das so?!) den Dortmundern in nichts nach. Ohne Rücksicht auf Verluste wird das Set durchgezogen, was mit den ersten Pogo-Versuchen vor der Bühne gewürdigt wird. Kein Wunder dass die CD nach 7 Tagen on Tour bereits ausverkauft ist bzw. D.I.Y.-mäßig neu aufgelegt werden musste.

Direkt im Anschluss, ohne große Umbaupause, geht es weiter mit KMPFSPRT. Und auch wenn die 4 den Ruf als Emo-Pop-Punker weg haben, liefern die Kölner voll ab. Lustige Ansagen, neue Songs, fetter Sound. Was will man eigentlich mehr?
Die 2 Neuen Songs klingen vielversprechend und machen Lust auf mehr. Sooo lange kann es ja nicht mehr dauern mit dem neuen Album. Dabei ist es ja immer so eine Sache neue Songs, die noch keiner kennt und somit auch keiner mitträllern kann, live zu präsentieren, ohne dass sich die Stimmung in den Keller verabschiedet. KMPFSPRT gehen dieser Schwierigkeit gekonnt aus dem Weg, in dem sie mit witzigen Ansagen („Stellt euch einfach vor wir wären BON JOVI“) die Stimmung, kurz vor den Songs, nach oben pushen und danach direkt mit altbekannten, beliebten Songs weitermachen. Nur der oft angesagte und gewünschte Moshpit will einfach nicht größer werden. Da hilft auch kein Bitten und kein Betteln. Trotzdem.  KMPFSPRT spielen ein klasse Set, haben Spaß und machen Spaß!

 

Doch mit dem was dann passiert können die Kölner nicht mithalten: Zu guter Letzt gehen ADAM ANGST auf die Bühne. Um es mit heftig.to zu sagen: Was dann passiert, hätte ich nicht für möglich gehalten! Der zuvor so kleine und schmächtige Moshpit weitet sich beinahe über den kompletten Raum aus. Alles pogt. Alles springt. Alles singt mit. „Jesus Christus“ ist noch nicht einmal zu Ende gespielt und die Menge steht schon Kopf. Und das an einem Dienstag-Abend! Ich habe ADAM ANGST dieses Jahr schon so einige male auf Festivals und Solo-Shows live gesehen, so ging es allerdings noch auf keinem Konzert ab. Jeder Song ihres Debüts wird frenetisch bejubelt. Keine Verschnaufpause. Im Gegenteil. Es geht ausnahmslos nach vorne. Die erste Reihe wird immer wieder so gegen die, je nach Person, Schienbein- bzw. Knie hohe Bühne gedrückt das selbst Felix zwischenzeitlich Angst um deren Gesundheit hat. Den anderen Anwesenden und der ersten Reihe, ist dies allerdings egal und so wird weiter alles gegeben. Vor „Professoren“ gibt es eine packende Ansprache, gegen das ganze PEGIDA-besorgte-Bürger-Rassistenpack, mit dem Aufruf, nicht nur auf facebook den großen Macker zu machen, sondern auf die Straße zu gehen und sich den Vollidioten in den Weg zu stellen. Geantwortet wird mit „Nazis raus“ und „Alerta Antifascista“-Rufen. Ach,… wenn doch die ganze Welt so denken würde,…
Mit einem lauten „Fick dich Adam!“ wird das Intro von Altar, dem wohl poppigsten Punk Stück der Welt, eingeleitet. Doch, egal wie poppig der Song auch ist - die Masse singt und feiert mit.
Die Zugabe dürfte mittlerweile auch schon jedem bekannt sein, der iiirgendwann mal ADAM ANGST live gesehen hat. Darin, sich neue Sachen auszudenken, sind ADAM ANGST wohl nicht die Besten. Und so geht es zum x-ten mal, während dem Wohl besten Song auf der Platte „Splitter von Granaten“, ins Publikum, um dort sein Set zu Ende zu spielen. Mit der Gitarre im Gesicht endet der Abend. Und was für ein Abend! Schweißgebadet geht es ans Auto, um sich schnellstmöglich in die warme Jacke zu schmeißen. Hach,… der Festival Sommer ist zwar schön, aber gegen solch schwitzigen Clubshows, stinkt jede große Festivalbühne ab. Danke Adam!