14.03.2014: Twitching Tongues, Code Orange Kids - Frankfurt - Batschkapp

 

Der erste Gig der großen Europa Tour „Love is Love // There is no Law“, die erste Tour als Headliner von COK und meine erste Show im (neuen) 11er Club, Frankfurt.

Der erste Eindruck der Location hat positiv überzeugt, ähnlich wie der alte 11er ein überschaubarer, tief gelegener Raum mit gut zugänglicher Theke. Der schmale Platz vor der Bühne ist in Kombination mit den seitlichen Stufen zur Bar und dem dunklen Backstage-Bereich sehr gut geeignet für jedes bewegungslastige Genre. Zumindest für meinen Geschmack.

Mit sieben Dates in Deutschland, mehreren in England und fünf in den Nachbarstaaten Belgien, Österreich, Frankreich, Tschechien und den Niederlanden klappert diese erste größere Tour für beide Headliner-Bands somit einige Szene-Metropolen Europas ab.

Auch wenn es eine Menge Zeit in Anspruch nimmt Konzerte zu planen als Veranstalter, finde ich es immer wieder schade - eher lästig - wenn nirgends klar ersichtlich ist welche Vorbands denn nun jetzt spielen werden, oder diese ausschließlich in einem sozialen Netzwerk und sehr kurzfristig engekündigt werden. Es ist zwar meistens von Vorteil noch mehr Bands ins Boot zu holen, ich höre mir die Vorgruppen jedoch gerne vorher an, wenn Material irgendwo auffindbar ist.

Wie angekündigt startet die sehr jung besetzte, aus Frankfurt kommende Band „UNIQUE“. Aufgrund der nachfolgenden Bands habe ich zwar etwas anderes erwartet was die Musikrichtung angeht, aber bemängeln, was „Unique“ bei einem ihrer ersten Auftritte abgeliefert haben, kann man definitiv nicht. Mit stellenweise sehr hohem Clean-Gesang,
live solide gespielten Metal-Riffs hier und da kann man die Gruppe irgendwo zwischen Post- und Progressive-Rock einordnen. Das, was für eine Live-Performance, gerade bei den ersten Auftritten, am wichtigsten ist, hat an diesem Abend gestimmt. „Unique“ hatten offensichtlich Spaß. Sie haben versucht, ihre gute Stimmung mit kurzen Ansagen, ihrer Musik und einem abschließenden Cover, auf das Publikum zu übertragen. Bei frischen Bands wirkt das oft gekünzelt und gezwungen, nicht an diesem Abend. Das Cover von RATM - „Killing in the Name“ war eher ein politisches Statement als eine musikalische Bereicherung, irgendwas an der Umsetzung hat gestört und die Riffs haben nicht zum Bewegen angeregt wie im Orginal. Das nicht ansatzweise vollständige Publikum hat mitgenickt.

Bereits beim Soundcheck von wird sich vereinzelt bewegt. Der Raum hat sich sichtlich gefüllt, die „obilgatorische Tanz-Sicherheits-Zone“ vor der Bühne ist leer. Der Laden ist kurz vor Auftrittsbeginn voll. Trotz zahlenmäßig nicht vieler Leute scheinen schon bei den ersten beiden Songs alle, die „TT“ kennen, Spaß zu haben. Sichtlich erheitert singen viele die Sing-A-Longs mit, textsicher wird mehrfach nach dem Mikrofon gegriffen, in bester Manier verleiten „TT“ alle Anwesenden zu manischem Kopfnicken. Wie auf der Platte schlagen die Moshparts ein wie sie sollten. Mein persönlicher Kritikpunkt an der Musik der aus LA kommenden Band, die sich im Internet selbst als „Massakrierer der Melodie“ nennt, ist Live deutlich spürbar. Die packenden Vocals, hämmernden Drums und tragende Basslines sind höchst ansprechend, jedoch sind einige Ideen in komische Songstrukturen gepackt und das Wechselspiel zwischen stumpfen Mosh-Riffs und eingängigem Clean-Gesang mit schleppender Gitarrenbegleitung wirkt an einigen Stellen zusammengewürfelt. Der Versuch Spannung aufzubauen, sobald es (wieder) auf einen der (vielen) Songhöhepunkte zu geht, gelingt nur selten.

Dem Publikum gefällt jeder Song, selbst die eher neuen Songs werden derbe abgefeiert. Ein Gastauftritt ist mein persönlicher Höhepunkt, auch wenn die Growl-/Deathmetall-Stimme wenig zu TT passt, die Performance ist energiegeladenen. Im Pit läuft es größtenteils rücksichtsvoll ab, nur selten wird dabei so „frohlockend“ gut gelaunt mitgesungen, wie bei TT an diesem Abend.


Astigmatism (Of The Phallic Muscle)
Feed Your Disease
Preacher Man
In Love There Is No Law
Sleep Therapy
World War V
7. Insane & Inhumane

Im Internet findet man nachträglich Kommentare über die Show, in denen das Publikum als Wrestler beschimpft oder mit einem „Affenmesserkampf“ verglichen werden. Teilweise berechtigte Kritik, aber bei jeder guten Band der Musikrichtung macht das für die Gäste den meisten Spaß aus, sich zu bewegen. Wenn das ganze ins „Ge-pose“ und in Rücksichtslosigkeit abdriftet ist das mehr als unschön, verglichen mit anderen Shows ging es jedoch sehr human zu. Wenn einzelne Gäste aus der Reihe tanzen kann man nicht mehr machen als sie drauf hinweisen, niemand hat vorsätzlich verletzen wollen. Dass man 15m von der Bühne weg steht und wachsam sein muss, ist nicht anders möglich bei einem schmalen Raum, wenn 10 Leute Spaß haben. Und ich meine wachsam, nicht ängstlich.

Das Loch vorne im Publikum und der anscheinend sehr niedrige Bekanntheitsgrad des Headliners CODE ORANGE KIDS wurde diesen leider zum Verhängnis. Im Gegensatz zu ihren ersten Europa Shows, bei denen sie leicht nervös und nicht ganz sicher auftraten (Ich habe nur New Noise Festival 7, Fluff 2012 als Referenz), wirkten sie im 11er an diesem Tag sehr souverän. Unterschwellig machte sich bei den Bandmitgliedern etwas schlechte Laune breit, da wirklich keiner etwas von der Band gehört zu haben scheint außer 4-5 Leute. Die, die sich vorne bewegen, schrecken die restlichen Besucher ab nach vorne zu kommen, und sind auf ihre Tanzkünste fixiert und nicht auf die Musik. Ich habe den Auftritt sehr genossen, die Songs haben richtig abgerissen wie auf der Platte, der wechselnde Gesang zwischen Frontfrau Reba und Drummer Jami war perfekt getimed und kam mit der gewohnten Brutalität daher, die einfach ergreift. Es muss sich nicht viel im Publikum bewegen damit es mir gefällt, aber den Leuten muss die Musik gefallen. Einige schauten die mir sympathische, junge Band nur entgeistert an und konnten mit den Songs nicht gerade viel anfangen.

Nach dem Auftritt von COK verließen sie wie immer zügig die Bühne, aber nicht gut gelaunt und dankend wie sonst. Eine „endlich vorbei!“ -Stimmung schien in der Luft zu liegen.

Nächste Woche mache ich mich auf in‘s Café Nova nach Essen und hoffe, dass COK wieder alles geben und es ein gutes Konzert wird. An dem neuen Album lag die Stimmungs-Flaute in Frankfurt nicht, das Album knüpft dort an wo die EPs aufhören und stellt für mich eine Entwicklung dar, ich rechne noch mit großem Erfolg mit COK als Live-Band. Damit war ich an diesem Abend wahrscheinlich einer der wenigen - trotzdem wird jeder, der da war zugeben, dass es nicht an der Performance lag wenn es ihm nicht gefallen hat, sondern einfach an Desinteresse an dieser Musikrichtung oder fehlenden „Moshbarkeit“. Schade eigentlich, beim Fluff wurden selbst Zuschauer mitgerissen, die noch nie von dieser Band gehört haben. Ebenso schade, dass an diesem Abend eine mindestens gleich gute Band soviel weniger Aufmerksamkeit bekommen hat.

Vermutlich würde beiden Bands, COK und TT, eine große Europa-Tour gut tun, auf der sie mit Stil-ähnlicheren Bands zusammen spielen (Wie TT mit „Frustration“ 2012, oder COK im selbigen Jahr mit „All Teeth“+“Tidal Sleep“). --Twitchign Tongues+Power Trip/Black Breath/Nails-- oder --Code Orange Kids + The Ghost Of a Thousand/Graf Orlock-- wären wohl eher konsistentere Tourpakete.


Bis nächste Woche in Essen!

Alte Kommentare

von also 19.03.2014 08:18

teilweise schlimm zu lesen. trotzdem nett ins detail gegangen und im großen und ganzen ein nettes review

von Johnster 30.03.2014 16:47

insane inhumane wurde halt nicht gespielt in ffm