14.12.2011: Morbid Angel, Necrophobic, Benighted, Nervecell - Bochum - Matrix

 



Es ist mit Sicherheit für alle Beteiligten ein wenig undankbar, wenn ein Line-Up, wie das der „Illud Divinum Insanus Tour“, an einem Mittwochabend in die Bochumer Matrix lädt. Ist doch im Vorfeld schon davon auszugehen, dass die Besucherzahlen eher mager ausfallen würden. Und das obwohl, oder gerade weil, der Headliner MORBID ANGEL heißt, da diese mit ihrem letzten Album selbst die Gemüter ihrer treuesten Fans gespalten haben. Dementsprechend luftig ist die Matrix dann auch zu Beginn der Show gefüllt, was sich aber im Laufe des Abends aber ein wenig bessern wird.

Den Opener machen NERVECELL. Dieses Mal von dem Ausnahmetalent Kevin Foley am Schlagzeug verstärkt, der danach auch noch bei BENIGHTED auf dem Hocker sitzen wird, liefern die Herren aus Dubai mit ihrem Mix aus technischem und OLD SCHOOL DEATH METAL eine solide, aber unspektakuläre Show ab.

Danach betreten die sympathischen Franzosen von BENIGHTED die Bühne. Am leicht erhöhten Andrang vor der Bühne merkt man, dass die Erwartung an die Franzosen, aufgrund des überragenden letzten Albums „Asylum Cave“, aber auch wegen der mageren Livepräsenz der letzten Jahre hoch gesteckt sind. Leider muss man sagen, dass die wirklich überzeugende und energiegeladene Show von BENIGHTED dem für die Matrix typischen „Soundmatsch“ zum Opfer fällt. Der detailreiche Mix aus DEATH- und GRINDCORE geht an vielen Stellen einfach unter und die Songs sind oft nur zu erahnen.

Dann ist es Zeit für die Schweden von NECROPHOBIC, die mit einem neuen Line-Up den Job als „CO-Headliner“ angetreten waren. Die Vertreter des tiefschwarzen DEATH METAL spielen sich in ihrem knapp 40-minütigen Set zwar souverän durch ihre Diskografie, haben aber die Götter, oder besser gesagt die Dämonen des Sounds, auch nicht gerade auf ihrer Seite. So kommen die Hits wie „The Crossing“ oder „The Nocturnal Silence“ eher dünn aus der Anlage und NECROPHOBIC wirken insgesamt mehr wie der Lückenfüller vor den großen MORBID ANGEL.

Um Punkt 22 Uhr ist es dann endlich so weit. Die Band um Fronter David Vincent begibt sich auf die Bühne, der nun zur gut 2/3 gefüllten Matrix. Man kann schon sagen, dass im Vorfeld angespannt darüber diskutiert wurde, wie MORBID ANGEL sich und die Songs vom umstrittenen "Illud Divimum Insanus" präsentieren werden. Ein Umstand der MORBID ANGEL sicherlich bewusst ist, von dem man sich aber sichtlich nicht beeinflussen lässt. Denn als man das Set mit dem Opener „Immortal Rites“ vom ´89 Debut „Altars Of Madness“ beginnt, präsentieren sich die Herren sehr selbstbewusst. Danach setzt man weiter auf die Großtaten der Vergangenheit und lässt u. a. mit Songs wie „Fall From Grace“, „Rapture“ oder „Day Of Suffering“ weitere Klassiker folgen. Eine Taktik, die sich beim Publikum auszahlt und gebührend honoriert wird. Nach einer guten halben Stunde präsentiert man dann mit „Existo Vulgoré“ den ersten Song vom aktuellen Release, der im Anschluss nicht ganz so frenetisch bejubelt wird wie die Klassiker. Beim anschließenden „Nevermore“, mit dem MORBID ANGEL bereits seit 2008 unterwegs sind, sieht das Ganze wiederum anders aus. Erstaunlicherweise spielt man mit „I Am Morbid“ dann noch einen weiteren, letzten Song vom neuen Album, welcher bereits im Vorfeld immer wieder vom Publikum angestimmt wurde. Nach einer kurzen Pause kehren MORBID ANGEL dann mit dem „Domination“-Klassiker „Where The Slime Live“ zurück und spielen sich mit weiteren Songs durch die Höhepunkte ihrer Werke, wobei man die Songs der „Tucker“-Ära (verständlicherweise) unbeachtet lässt. Nach zwei Zugaben und dem Finalen und unzählige Male geforderten „Chapel Of Ghouls“ verlässt man dann nach gut 90 Minuten die Bühne.

Was bleibt, ist die Gewissheit, dass MORBID ANGEL sicherlich niemanden der Anwesenden mit der abgelieferten Performance enttäuscht haben sollten. Der Sound kam erstaunlicherweise satt und klar aus den Boxen, was besonders die Songs der Frühwerke perfekt und druckvoll erscheinen lies. Auch das Engagement der einzelnen Protagonisten stimmte mehr als zufrieden. Trey Azagthoth versteckte sich zwar permanent hinter seiner Mähne, wirkte aber durchaus vital und motiviert. „Neumitglied“ Thor Anders Myhren lieferte einen souveränen und technisch hochwertigen Job ab und David Vincent entpuppte sich mit seinen Sprüchen und passender Performance als Bret Michaels des DEATH METAL. Nur Drummer Tim Yeung fiel mit seinem übertriebenen Gepose etwas aus dem positiven Gesamtbild.
Alles in allem eine wirklich gelungene Show, die jeden Zweifel an der Qualität von MORBID ANGEL bis aufs weitere verstummen lassen sollte.