14.-17.06.2017: NOVA ROCK - Nickelsdorf - Pannonia Fields II

 

Das Nova Rock lockte in diesem Jahr über 200.000 Besucherinnen und Besucher (inklusive Tagestickets) in das beschauliche Nickelsdorf, Österreich. Die Pannonia Fields II verwandelten sich auch in diesem Jahr wieder in eine Festivaloase.

Mittwoch, 14.06.2017:

Der erste Tag beim Nova Rock 2017 hatte bereits einige Hochkaräter zu bieten. Allen voran der Headliner des Abends LINKIN PARK. Eröffnen durften das diesjährige Festival LIKE A STORM, die bereits mit ALTER BRIDGE und GOJIRA gemeinsam auf Tour waren. Bei bestem Festivalwetter spielten LIKE A STORM eine halbe Stunde lang. Es waren bereits einige Festivalisten gekommen, um sich die ersten musikalischen Klänge des Festivals zu Gemüte zu führen. Solider Start für den ersten Festivaltag. Im Anschluss spielten LA PEGATINA aus Barcelona. Man kann davon ausgehen, dass die Band eine Abwechslung zum Rest des Programms bilden sollte, letztlich wirkten LA PEGATINA aber ziemlich Fehl am Platz. Die Bandmitglieder versprühten auf der Bühne zwar jede Menge gute Laune. Der berühmt-berüchtigte Funke wollte auf das Publikum jedoch nicht so recht überspringen. Bei AIRBOURNE sah das dann schon ganz anders aus! Die australische Hard Rock Formation wirbelte über die Bühne brachte die Menge in Bewegung. Stark! Wenig später betraten STEEL PANTHER die Bühne und zelebrierten den Glam Metal in Vollendung. Man kann von den Sprüchen und der Musik halten was man will, aber STEEL PANTHER liefern immer eine gute Show. FIVE FINGER DEATH PUNCH kamen ohne ihre Sänger Ivan Moody, der (mal wieder) mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen hat, nach Österreich. Tommy Vext von BAD WOLVES wird auch die restlichen Festival-Auftritte mit der Band spielen. Benannter Tommy fegte von der ersten Minute an wie ein Wirbelwind über die Bühne, sang und schrie sich die Seele aus dem Leib. Auch der Rest der Band war in Spiellaune. Satter Sound und eine fette Lichtshow versüßten den Auftritt der Band. Auch trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Abwesenheit von Ivan Moody ein gelungener Auftritt von FIVE FINGER DEATH PUNCH.

Beim Headliner LINKIN PARK wechselten sich gute Stimmung und Ernüchterung im Publikum unheimlich schnell ab. Bei Songs wie "One Step Closer", "In The End" oder "What I've Done" tobte das Festivalpublikum bis in die letzten Reihen. Bei Songs wie "Heavy" oder "Invisible" stand ein Großteil des Publikums still. Sang weder mit noch bewegte sich zur Musik. Natürlich ist LINKIN PARK immer eine Band, die neue Dinge ausprobiert hat. Diese deutliche Fan-Reaktion dürfte aber auch der Band aufgefallen sein. Zu den Klängen vom letzten Song "Bleed It Out" führten mich meine staubigen Füße in Richtung meines Autos. Für alle, die blieben, gab es als "Late Night Act" noch FATBOY SLIM auf Ohren und Augen.

Donnerstag, 15.06.2017:

Der zweite Tag beim Nova Rock war gleichzeitig der erste Tag, an dem alle Bühnen des Festivals bespielt wurden. Die Schweden von AVATAR machten den Anfang auf der Red Stage. Vor der Bühne war für die frühe Spielzeit der Metal-Band bereits gut was los und entsprechend motiviert betraten die Mannen von AVATAR die Bühne. Eine halbe Stunde lang traten AVATAR kräftig auf das Gaspedal. Starker Start in den zweiten Festivaltag. Doch nicht bei allen Bands lief es an diesem Tag so reibungslos. Nachdem sich THE DILLINGER ESCAPE PLAN verausgabt hatten und wie gewohnt voller Energie über und neben der Bühne ihren Mathcore zelebrierten, sollten ARCHITECTS als Nächstes auf der Red Stage stehen. Eine Buspanne erschwerte den Briten jedoch erheblich ihren Auftritt. Statt 45 Minuten konnte die Band nur ein 30 Minuten-Set spielen, mit geliehenem Equipment und ohne Backdrop. Alles klang sehr roh und unperfekt. Doch genau das wusste zu begeistern. Der Sound war trotzdem richtig satt. Das Schlagzeug ballerte über die Pannonia Fields II und Sänger Sam schrie sich gekonnt durch die Songs. Von mir aus könnte die Band gerne öfter in dieser reduzierten Form auftreten. GOJIRA und ALTER BRIDGE ließen anschließend die Herzen aller Metal-Fans höher schlagen. Beide Bands, die bereits im Dezember letzten Jahres gemeinsam durch Europa getourt sind, waren definitiv zwei Highlights an diesem Festivaltag. Insbesondere das über acht Minuten lange, kolossale "Blackbird" von ALTER BRIDGE zauberte mir (wieder einmal) eine riesige Gänsehaut auf die Arme. Andere Musikrichtung, aber Energie pur, zeigten TOUCHÉ AMORÉ auf der Brandwagen Stage. Mit dem hoch gelobten "Stage Four"-Album haben TOUCHÉ AMORÉ viele neue Fans gewonnen. Live wechseln sich Songs des Albums und ältere Songs aus der Diskografie ab und geben sich die Klinke in die Hand. Immer wieder ein Erlebnis die Band live zu sehen. Ganz anders sah das im Anschluss bei GOOD CHARLOTTE aus. Die Band wirkte, trotz des großen Publikums, ziemlich unmotiviert. Die Band aus Maryland spulte ihr Programm ab, wirklich hängen blieb das aber nicht. Zurück zur Brandwagen Stage: STRAY FROM THE PATH machten dort weiter, wo TOUCHÉ AMORÉ aufgehört hatten. Nachdem ich die Band nun bereits zum vierten Mal live gesehen habe, wird mir immer mehr bewusst welches Live-Potential in ihnen steckt. Mehr davon! Glücklicherweise wurde kürzlich eine umfassende Europa-Tour angekündigt wurde. IN FLAMES und SLAYER holten auf der Red Stage zum Abschluss des Tages nochmal die volle Metal-Keule raus. IN FLAMES sind mit ihrem aktuellen Album "Battles" unterwegs, beachteten aber auch ihre restliche Diskografie. Ein tolles Set, bei dem "Only For The Weak" und "Here Until Forever" herausstachen.

Freitag, 16.06.2017:

Dritter Tag, weniger Sonne, mehr Wolken, immer noch gute Stimmung. CODE ORANGE machten auf der Blue Stage den Anfang. Für alle, die nicht dort waren: Ihr habt etwas verpasst! CODE ORANGE sind wohl eine der interessantesten (Live-)Bands momentan. Die Band aus Pennsylvania ist roh, aggressiv und steckt voller Energie. Mit einem Sänger am Schlagzeug, einer schreinden Gitarristen und einem Bassisten der wie ein Berserker über die Bühne stampft und brüllt, zeigt die Hardcore Punk Band ihr unheimliches Live-Potential.

 

Nach CODE ORANGE folgte mit FOUR YEAR STRONG, SLEEPING WITH SIRENS und PIERCE THE VEIL jede Menge Pop Punk. Ob mit harten Shouts wie bei FOUR YEAR STRONG, Emo-Einflüssen bei SLEEPING WITH SIRENS oder energiegeladener Show bei PIERCE THE VEIL. Alle drei Bands funktionieren auf einer solch großen Festivalbühne deutlich besser als ich angenommen hatte. OF MICE & MEN sind bekannterweise ohne ihren ehemaligen Sänger Austin Carlie unterwegs. Die durchaus besondere Stimme ist nicht 1:1 zu ersetzen. Bassist und Neu-Sänger Aaron Pauley gibt wirklich sein Bestes, wirkt insgesamt aber sehr steif und konzentriert. An die Stimmgewalt Austins kommt er leider auch nicht ran. Die Fans, die gekommen sind, stört das offensichtlich weniger. Es wird gecrowdsurft und mitgesungen was die Körper und Kehlen hergeben. Persönlich besonders gefreut, hatte ich mich vor dem Festival auf den Auftritt vom MOOSE BLOOD, die auf der Brandwagen Stage auftraten. Leider wurden meine Erwartungen an diesem Tag nicht erfüllt. MOOSE BLOOD wirkten müde und auch das Publikum war nicht mit dem Einsatz dabei, wie bei anderen Bands an diesem Tag. Schade! Headliner des Abends: SYSTEM OF A DOWN auf der Blue Stage. Ohne große Worten spielten SYSTEM OF A DOWN Hit nach Hit nach Hit nach Hit. Deutlich wurde bei diesem Auftritt, wie viele gute Songs SYSTEM OF A DOWN im Repertoire haben, obwohl die Band seit 2005 (!) kein neues Material veröffentlicht hat. Serj & Co. müssen sich auf der Bühne auch nicht viel bewegen, um eine gute Show zu bieten. Der leicht einsetzende Regen während des Auftritts erinnerte mich an die ausgelassene Stimmung als ich SYSTEM OF A DOWN das erste Mal live gesehen habe. Damals bei Rock Am Ring 2011 im strömenden Regen. Mein persönliches Highlight beim Nova Rock: "Lonely Day".

Samstag, 17.06.2017:

Vierter und damit finaler Tag beim Nova Rock. Auch am letzten Tag standen zahlreiche Bands auf den Bühnen des Festivals. Darunter auch ESKIMO CALLBOY, die nach längerer Abwesenheit von den Live-Bühnen beim Nova Rock ihre zweite Show der Festivalsaison spielten und dementsprechend hochmotiviert zu Werke gingen. ESKIMO CALLBOY machten das was sie immer machen: über die Bühne wirbeln, sich selbst feiern, die Fans feiern. Über die Musik lässt sich streiten, doch eine gute Show bietet die Band immer! SUICIDE SILENCE wirkten ähnlich motiviert. Voller Energie, voller Agression und absolut brachial zelebrierte die Band ihr Deathcore-Gemetzel. Durchaus sanfter ging es bei SIMPLE PLAN zu. Aber SIMPLE PLAN brachten eine große Fanschar vor die Blue Stage. Die Band fühlte sich sichtlich wohl, sang und sprang gemeinsam mit den Musikbegeisterten vor der Bühne. Eine Band, die ich vor dem Festival nur vom Namen kannte (Schande über mein Haupt), sollte als Letztes vor Headliner GREEN DAY auf der Blue Stage stehen: RANCID! Punk Rock mit Ska-Einflüssen in obercool. Sänger Tim Armstrong, mal mit Hut, mal ohne, sprang über die Bühne. Seine Kollegen und er zockten sich durch ihr Set und machten – auch mit ihrem neuen Album "Trouble Maker" auf sich aufmerksam. HATEBREED brannten am letzten Festivaltag nochmal ein kräftiges Hardcore-Gewitter ab. Zwar steckten den Besucherinnen und Besuchern vier Festivaltage in den Knochen, das hielt die Gekommenen aber nicht davon ab den Moshpit nochmal zu öffnen. Ähnlich ging es auch bei den EMIL BULLS zu. Man muss dazu sagen, dass die EMIL BULLS es wirklich nicht leicht hatten. Die Spielzeit überschnitt sich teilweise mit GREEN DAY und SABATON. Trotzdem entschied sich ein recht großer Teil den Mannen Gesellschaft zu leisten und wurden zu Recht als "wahrer Headliner" von der Band gefeiert. Die Bulls können es noch und machten eine Stunde eigentlich alles richtig! Die Stimmung war auch bei SABATON sehr gut. Inzwischen habe ich die Band nun zwei Mal live gesehen und es erstaunt mich immer wieder, dass diese Band so erfolgreich geworden ist, wie sie heute ist. SABATON sind ein Phänomen, das sich mir nicht erschließt. Den Fans hat es aber definitiv gefallen. Auch ohne Schlagzeug-Panzer, der heute nicht auf der Bühne Platz nahm. Warum ist uns leider nicht bekannt. Auch GREEN DAY ist eine Band, die ich nie wirklich gefeiert habe, aber GREEN DAY können Live Shows! 2,5 Stunden Spielzeit wurde der Band eingeräumt. GREEN DAY füllten diese für ein Festival ungewöhnlich lange Spielzeit mit vielen Hits, kleinen Spielereien, gefühlt tausend Dankessagungen und purer Energie. Insbesondere Billie Joe Armstrong wirbelte über die Bühne. Sang stehend, sitzend und liegend, holte alles aus seiner Gitarre heraus und animierte immer wieder die Fans. Ein wirklich würdiger Headliner vor dem großen Abschiedsfeuerwerk des Nova Rock 2017.

 

Vier Festivaltage, über 200.000 Besucherinnen und Besucher, drei Tage komplett ohne Regen. Das Nova Rock setzte in diesem Jahr seine Erfolgsgeschichte fort und holte (wieder einmal) internationale Top-Acts nach Nickelsdorf. Die Stimmung war letztlich durchgängig sehr gut, das Personal an allen Ecken und Kanten freundlich, ruhig und hilfsbereit. Die Speisen- und Getränkepreise nehmen inzwischen jedoch wirklich irrwitzige Höhen an. Eine Hand voll (kalte) Tortellini mit (Schinken-)Sahne-Soße für 9 Euro sind des Guten einfach zu viel. Dass die Getränke und Speisen auf solchen Veranstaltungen hoch sind, ist klar, aber irgendwann muss die Preissteigerung auch mal ein Ende finden. Wenn ich mich korrekt erinnere haben die gleichen Tortellini am gleichen "Pasta Mario"-Stand beim Hurricane 2012 schlappe 5 Euro gekostet, waren heiß und die damals noch größere Pappschachtel war auch bis zum Rand gefüllt, sodass ich satt werden konnte. Wenn das Nova Rock ein wenig auf solche Kleinigkeiten achtet, steht einer erfolgreichen Zukunft nichts im Wege. Zumal das Gelände, soweit ich das einschätzen kann, auch für eine Vergrößerung ausgelegt wäre. Bei über 200.000 Besucherinnen und Besuchern in diesem Jahr dürfte das aber nicht das primäre Ziel der Veranstalter sein. Nova Rock, wir kommen gerne wieder! Vielen Dank für vier entspannte und musikalisch hochwertige Festivaltage!

Tickets für die kommende Ausgabe gibt es bereits auf www.novarock.at. Als Late Night Special für die kommende Ausgabe wurden OTTO WAALKES & DIE FRIESENJUNGS angekündigt.