15.01.2009: You Me At Six, Emmy Shot A Unicorn - Köln - Underground

 

Pünktlich auf die Sekunde zum Beginn des Auftritts von EMMY SHOT A UNICORN treffe ich im Ehrenfelder Underground ein. Die Jungs aus Oberhausen unterstützen an diesem Abend die Jünglinge von YOU ME AT SIX, einer sich selbst als Pop-Punk bezeichnenden Truppe aus Weybridge, Großbritannien. Dort sorgen die Fünf bereits seit ca. eineinhalb Jahren für Furore und füllen ohne weiteres Hallen mit 1000 und mehr Leuten. Hier und heute würde ich sie bereits zum zweiten Mal sehen. Vor ca. einem Jahr supporteten sie Angels And Airwaves auf ihren Shows in London. Mir haben Sie damals gut gefallen, auch wenn ich nicht viel mitbekommen habe. Ein Grund mehr mir Ihre Show heute anzuschauen.

Dicht vor der Bühne haben sich schon einige sehr junge Leute gedrängt, die meisten davon weiblich und mit Digitalkamera bewaffnet. So gut besucht wie in der Heimat von YOU ME AT SIX ist das Konzert hier jedoch nicht mal annähernd. Die Weiberhorde kann man gut und gerne auf 30 oder 40 Halbstarke schätzen. Den sich weiter hinten im Raum tummelnden Rest des Publikums nochmal ca. auf dieselbe Anzahl an Konzertbesuchern. Doch das sowie die Abwesenheit eines Lichttechnikers stört EMMY SHOT A UNICORN eher weniger. Sie legen direkt mit "Marvelous" los, einer rasante Mischung aus Synthieintro, Keyboardaction und Screamogeschrei. Die bis vor kurzen noch zu fünft auftretende Spaßkombo weiht heute ihren neuen Gitarristen Sam als sechstes Bandmitglied ein. Da wird es fast schon ein wenig eng auf der Bühne. Erstrecht, weil die Jungs es sich nicht nehmen lassen, wild über die Selbige zu wirbeln und die Gitarren oder das Mikro schwingen zu lassen. Besonders die Keyboardeinlagen und die lebendigen Synthiesounds können sich echt hören lassen. Aber die Band kann nicht nur laut und wild, sondern auch gefühlvoll sein. Etwa zur Mitte des Sets verschwinden einige Bandmitglieder von der Bühne. Nun folgt eine fast schon romantisch angehauchte Klavier- und Vocaleinlage mit dem Song "Better Ways". Sänger Sasa lässt sich auf die Knie fallen und versucht Stimmgewalt zu beweisen. Dies gelingt im anfangs jedoch nur mühsam. Nicht desto trotz schaffen es EMMY SHOT A UNICORN die Meute zum Jubeln zu bringen. Das wird mit ein paar neuen Songs belohnt. Da kann man auch schon mal über das schräge Outfit des Bassisten hinwegsehen, der in grüner Satinboxershorts und Muskelshirt doch eher ein wenig albern neben seinen Skinny-Jeans Kollegen aussieht. Wem's gefallen hat, die nächsten Tage verbringen die Jungs mit Songwriter Luke Pickett auf Tour, welche auch einen Stop in Köln einlegen wird.

Der Umbau geht rasend schnell voran, kaum Zeit genug für die Teeniemeute den Merchstand von YOU ME AT SIX zu belagern. Denn diese betreten direkt im Anschluss unter großem Geschrei der Zuschauer die Bühne. Dies motiviert die Jungs bei ihrem ersten Song so sehr, dass sie sich direkt von ihrer besten und ungestümsten Seite zeigen. Spielerisch muss man YOU ME AT SIX echt ein Kompliment aussprechen. Die Jungs beherrschen ihre Instrumente perfekt. Das Publikum bekommt einen klaren Sound und gut abgestimmt wirkende Songs zu hören. Ein weniger perfektes Verhalten legt jedoch Sänger Josh Franceschi im Verlaufe des Auftritts an den Tag. Denn nicht jeder der Konzertbesucher scheint der englischen Sprache mächtig zu sein. So wird auf seine Ausrufe und Fragen so gut wie gar nicht geantwortet, was den quirligen Kerl total aus dem Konzept wirft. Er scheint es gewöhnt zu sein, auch von größeren Menschenmassen verstanden und angehimmelt zu werden. Und während ich schon schmunzeln muss, verstehen einige Konzertbesucher nicht, dass sie so eben als schüchtern und bewegungsfaul abgestempelt wurde. Und auch die Nummer mit dem "Circlepit" ist wohl eher als schlechter Scherz zu verstehen. Die anfängliche Euphorie scheint nun komplett von den so aktiv wirkenden Engländern gewichen zu sein. Was nicht so schlimm wäre, würde man es das Publikum nicht mit jedem Satz spüren lassen. Obendrein wird das Publikum kurz darauf vor die Wahl gestellt "Lieber ein langes Set spielen oder lieber noch drei Songs die ihr alle kennt?". Klar das der Jubel beim der Aussage "…three more songs…" da größer ausfällt, wenn man sonst ja nichts begreift. Danke Kinder, ich hätte die erste Variante bevorzugt. Und so folgt mitten im Set der Hit der Jungs "Save It For Your Bedroom", der kräftig abgefeiert wird. Zumindest vom Publikum. Trotz allem lassen sich YOU ME AT SIX dazu herab ein paar Songs aus ihrem Album "Take Off Your Colours " zum Besten zu geben. Darunter auch den gleichnamigen Titeltrack. Kurz darauf folgt schon der letzte Song für heute Abend: "The Romour". "Hold your hands in, into the air - Hold your hands up as if you care". Wenigstens das funktioniert und das Publikum wirft die Arme in die Luft. Jedoch wird der letzte Part des Songs unterschlagen. Und so gibt es anstatt einer Schreieinlage eine Interpretation des Fall Out Boy Hits "Sugar We Are Going Down". Ganz schön überflüssig… Nach knapp 40 Minuten hat das Ganze dann sein Ende gefunden. Da nützt es auch nicht, noch nach einer Zugabe zu verlangen. Die Band wirkt schlichtweg so, als habe sie keine Lust mehr, schade eigentlich. Aber wenigstens haben YOU ME AT SIX am Ende alle diejenigen eingeladen, die Englisch sprechen, mit ihnen noch ein Bier zu trinken. Schließlich darf man das in Deutschland schon ab 16 Jahren und das sogar in der Öffentlichkeit.

Für mich war es eher ein enttäuschender Abend. Ich hatte mir mehr von dem ersten und für diese Tour einzigen Deutschlandgig von YOU ME AT SIX erwartet. Traurig, wenn eine Band so mit ihrem Publikum umgeht. Aber vielleicht werden meine Erwartungen ja noch erfüllt. Der letzte Auftritt in Deutschland soll es angeblich nicht gewesen sein.