15.11.2014: Close Your Eyes, Polar, Every Man Is An Island - Saarbrücken - Garage

 


Ein kleines Melodic Hardcore Schmankerl in fast schon familiär anmutendem Ambiente.
Es ist Samstagabend und man kennt sich. Gut, das ist nicht schwer, schließlich ist man im Saarland und es sind zu Beginn auch nur gut 50 Mann im heimeligen Kleinen Club der Garage. Wen allerdings kaum jemand kennt, sind die Brasilianer von EVERY MAN IS AN ISLAND, die heute als aller erstes das Parkett betreten. Hardcore aus Brasilien mutet ja doch zunächst sehr exotisch an, weshalb ihnen das Publikum auch eine sehr faire Chance zu Beginn gewährt. Doch nach wenigen Songs ist klar, dass auch hier die Globalisierung zugeschlagen hat. EVERY MAN IS AN ISLAND klingen leider im besten Sinn nach Durchschnitt und können auch live nicht wirklich überzeugen. Dafür entdeckt man zu viele kleine Patzer und auch der Gesang ist etwas unstet. Als man sich nach einiger Zeit umdreht, ist der kleine Raum halb leer. So viel zur fairen Chance.
Nicht mehr ganz unbekannt sind die englischen Jungs von POLAR. Dieses Jahr waren sie auf dem Summerblast Festival in Tier bereits ein ziemlicher Erfolg und konnten auch schon bei einigen Gigs mit lokalen Bands viele Fans für sich gewinnen. Diese Schar versammeln sie jetzt um sich und legen gleich mit viel Druck los. Ganz treue Fans drücken sich nach vorne um an das Mikrofon heranzukommen und es werden sogar einige Crowdsurfs versucht – was sich bei dem kleinen und lichte stehendem Publikum meistens als schwierig erweist. Doch leider überträgt sich diese Stimmung nicht auf das ganze Publikum: Bereits nach einigen Reihen herrscht eher stoisches Abwarten vor, als überzeugtes Mitwippen. Auch die Band merkt das. Für ihre Fans hauen sie ein akustisches Goodie nach dem anderen raus, doch insgesamt ist ihr Auftritt eher solide und routiniert, als besonders einprägsam.
Wieder ganz anders sind da die Texaner von CLOSE YOUR EYES. Die schaffen es tatsächlich, in einen nasskalten dunklen Novemberabend etwas von der warmen texanischen Sonne und Lebensfreude hinein zu zaubern. Auch können sie endlich das Publikum begeistern, die zuvor häufig nur anstandsweise motiviert gewirkt hatten. Plötzlich ist Leben im Kleinen Club und die Stimmung ist positiv bis beinahe euphorisch. Das liegt zum einen an den Persönlichkeiten auf der Bühne: Die Band ist mit Leidenschaft, Liebe und viel Humor bei der Sache. Während man ihnen zusieht, bekommt man wirklich den Eindruck als würden da alte Freunde zusammen Musik machen und dabei ist alles erlaubt, was Spaß macht. Sänger Sam Robinson verlässt schon sehr bald die niedrige Bühne und stellt sich für seine Vocals meistens mitten unter das Publikum. Um ihn herum entstehen dann Circle Pits, oder er schnappt ein Girlie und trägt es ein paar Meter mit sich herum, lacht und setzt es wieder ab, oder animiert die Crowd zum wilden Gehüpfe. Dann lacht er in der Pause zwischen den Songs über ihr schaumig gewordenes Flaschenbier. Während den Rockpop-lastigen Refrains singt das Publikum fröhlich und dankbar mit. Bei all dem Rumgeblödel und dem wilden Tanz zwischen Aggression und Melodie, sitzt allerdings jeder Ton. Ein wirklich erfrischender und kurzweiliger Abend, der viel zu schnell nach „Friends Are Friends Forever“ als Zugabe endet.