15.12.2015: DIE NERVEN, LEVIN GOES LIGHTLY - Weinheim - Cafe Central

 

Kalendarisch stecken wir mitten im Winter. Es ist der 15. Dezember, 9 Tage bis Weihnachten, es wird spät hell und früh wieder dunkel. Nur die Temperaturen wollen (mal wieder) nicht so richtig mitspielen. 9 Grad, die Winterjacke ist wieder im Schrank verstaut und der Weg (ohne Jacke) zum Cafe Central fällt auch nicht so schwer wie noch vor ein paar Wochen. An die Wetterlage angepasst ist auch die Rauchergemeinde vor dem Cafe Central beachtlich hoch und es wird schnell klar, das heute mehr Musikfreunde den Weg nach Weinheim gefunden haben(, als vor 20 Tagen bei RADIO HAVANNA).

Und auch von Innen ist das Cafe Central gut besucht. Nicht zu leer und nicht zu voll. Angenehm befüllt. In kleineren Grüppchen wird nett geplaudert, der Merchandise-Tisch unter die Lupe genommen und das ein oder andere Bier geleert. Ein Dienstagabend, wie man sich ihn wünscht.

21:00 Uhr. Los geht es dann, auf die Minute genau, um 21:00 Uhr mit LEVIN GOES LIGHTLY. Ein Mann, ein Keyboard(/Synthesizer), ein Mikro. Mehr nicht. Mehr bedarf es für den relativ minimalistischen Sound des Stuttgarters aber auch gar nicht. Keine größeren Ausbrüche, keine unerwarteten Wendungen. Die Musik plätschert so dahin und sucht sich fließend ihren Weg. Ganz einfach. Ohne irgendwelche Schnörkel, Verzierungen oder unnütze Anhänge. Und so ist auch der Aufbau (von jedem der Songs) relativ simpel:  Zu Beginn jedes Stückes wird ein Beat aus dem Drumcomputer gepickt, der den Rest des Liedes durchrattert,  eine einfache Klavier-Melodie gespielt und sanft und gefühlvoll drüber gesungen. Das war’s. 5-7 Minuten pro Stück und es beginnt wieder (in leicht abgewandelter Form) von vorne. Das Ganze knapp mehr als eine halbe Stunde und das Set von LEVIN GOES LIGHTLY ist musikalisch perfekt zusammengefasst. Was gelesen ziemlich langweilig klingt, klingt live allerdings wie das genaue Gegenteil. Man hängt förmlich an Levins Lippen, wartet auf den nächsten Satz, darauf  dass sich der Song etwas aufbaut (wenn auch nur minimal), um dann wieder zusammenzubrechen. Schön.

21:55 Uhr. Es folgt, wie von LEVIN GOES LIGHTLY angekündigt, die Gewalt (in Form DIE NERVEN). Schluss mit Liebesliedern, „keinen größeren Ausbrüchen und keinen unerwarteten Wendungen“. Ab Minute 1 an geht es mit Vollgas in die Kurve, um dann, auf freier Strecke einfach stehen zu bleiben. DIE NERVEN sind die Meister der unerwarteten Wendungen. Ein einzelner Song baut sich mehrfach auf, ab, halb auf, ab, um dann in einem kompletten Rauch der Klänge zu enden. Selbst wenn man die Songs kennt wird man manchmal von den abrupten, unerwarteten Wechseln von leise auf laut überrascht. Minutenlange Instrumentalparts, ein Schema das minutenlang nur minimal verschoben oder abgeändert wird, 3 Stimmen die man so nicht an jeder Ecke trifft – das sind DIE NERVEN. Und auch die kranken Psyscho-Blicke gehören zu einer NERVEN Show, genauso wie das Schlagzeug oder der Bass. Auch wenn ich die Jungs in diesem Jahr drei Mal live gesehen habe, frage ich mich noch immer was genau mit den Dreien nicht stimmt. Wieviel Show und wieviel Realität hinter einer NERVEN Show steckt. Alles nur gespielt, alles real? Man weiß es nicht. Aber nach den 3 Konzerten sieht es ganz so aus, als würde doch mehr Realität als Show hinter all dem stecken.

22:55 Uhr. Der letzte (50 Sekunden lange) Song ist zu Ende. Der kürzeste von allen bisher gespielten. Kevin Kuhn tritt hinter seinem Schlagzeug hervor (dieses mal ganz ungewohnt mit Hose(!!!), wenn auch keiner besonders schönen), es wird sich die Hand gegeben und das Set als beendet erklärt. DIE NERVEN sind und bleiben live eine Macht. Was hier live so passiert, kann man auf Platte gar nicht einfangen. Das T-Shirt „Ich hab DIE NERVEN live gesehen und es war furchtbar“ hat zwar seine Berechtigung, sollte aber unter keinen Umständen zu ernst genommen werden(, wie vielleicht bei anderen Künstlern, die sich selbst megahammabombekrassgeil finden). "Ich habe die Nerven live gesehen und es war super" - bitte sofort in den Druck geben!