16.03.2013: A Wilhelm Scream, The Flatliners, Vultures United, Sic Waiting, Lowbrow - Slidebar - Fullerton, CA

 

Die besten Dinge im Leben kosten manchmal bloß ein müdes Lächeln. Am morgigen Sonntag ist St. Patrick's Day - heute feiert Orange County sich und seinen ganz eigenen Arschlochtag. Da kommt Chris Cresswell der aufmüpfig volltrunkene Collegepunk mitsamt seinen in Verstärkerrichtung fliegenden Bierdosen ebenso ungelegen wie die Komplettauflösung des heutigen Ablaufplans der FLATLINERS: Vom SXSW-Festival in Texas sollte es morgens per Flugzeug Richtung Westküste gehen, scheinbar machten Partynacht und Folgeleiden den Kanadiern jedoch einen fetten Strich durch die Rechnung. Auch das Einlasspersonal der Slidebar im sonnigen Fullerton doktert ernüchternd an den Hoffnungen jener Besucher herum die nicht Punkt 17.00 Uhr um ihr Einlassbändchen baten. LOWBROW und SIC WAITING haben die gut gefüllte Kneipe bereits rundum mit Punk, Brett und Pop versorgt, VULTURES UNITED setzen lieber auf Eingemachtes und stoßen der Nachbarschaft aus Schickeria und gekämmten TV-Serienproleten haarig auf. Der grobe Bauarbeiter-like-Punkcore der Band aus Orange County bringt ersten Schwung in die Abendstunden des heutigen Sonnabends.

Bis Cresswell und Co. tatsächlich in Persona aus dem Flughafenshuttle steigen und bedient in Bühnenrichtung eilen, schlürft der ausgewachsene Partyprofi mit lokalem Wohnsitz sicher noch mindestens anderthalb Promille aus diversen Pitchern zusammen. Wochenende. Kumpels. Arschlochtag. Die Terrasse der Slidebar erinnert an einen Stadionvorplatz kurz vor Anpfiff . Entlohnt wird, wer es nach längerer Pause in den separaten und schwer bewachten Konzertraum geschafft hat, mit gewohnt souveränem Schlagzeugspiel und grantigen Stimmen zu „Carry The Banner“, der das verkürzte Set heute eröffnet. Die Bewegungsausbrüche der FLATLINERS halten sich in Grenzen, trotzdem ist den Kanadiern keinesfalls Stress oder Müdigkeit anzusehen oder –zuhören. Mit „Eulogy“ und „Monumental“ schmeckt das Dosenbier wieder, im Publikum treffen endlich trinkfreudige Besserwisser auf Gleichgesinnte - was nicht den ganzen Abend über friedlich abläuft. Eine knappe halbe Stunde bleibt den FLATLINERS, Hit an Hit zu reihen, sich dabei (bis auf einen brandneuen Song) stark am aktuellen „Cavalcade“ orientieren und mit „Count Your Bruises“ ein wahnsinnig intensives und knackiges Set beenden.

Wo Kalifornien draufsteht, ist schließlich auch Curfew drin – daher werden A WILHELM SCREAM pünktlich und lautstark zur Kasse gebeten. Frisch und gesund kann man auch mit grauen Haaren aussehen, handwerklich und feierfreudig die Hardcorepunk-Sau raushängen lassen noch besser. „Jaws 3, People 0“ lässt Smartphones und Fäuste in die Luft recken, erstere werden später hauptsächlich missbraucht, um Brian Robinsons Bassläufe bei „The Horse“ morgen noch nachvollziehen zu können – letztere hingegen helfen beim Anfeuern von „These Dead End Streets“, „Mute Print“ oder „I Wipe My Ass With Showbiz“. Der kleine Saal ist wie gemacht für Sänger Nuno, der heute im Unterhemd Kollegen und Publikum versorgt. Trotz verstreichender Jahre und ansehnlicher Tourpläne wirken die fünf Herren aus Massachusetts noch immer wie Anfang Zwanzig, sobald man im Bühnenlicht die „gefährdeten“ Häupter übersieht.
Das tighte Trommelgewitter hinter unwirklich schnellen Riffs und der Punch, den die Band live vom Stapel lässt, stehen ein weiteres Mal für sich. Sechzig Minuten lang zerknüllen „Famous Friends And Fashion Drunks“ und natürlich „The King Is Dead“ Stimmbänder und Bierdosen, dann wird im Saal schockgelüftet. Keine zehn Minuten dauert es, und der durchgeschwitzte Konzertsaal ist in einen geleckten Tanztempel für hippe Sonnenbankrocker umfunktioniert. Endlich wieder tolles Latenite-Fastfood und überteuerte Cocktails, bevor die Slidebar in einhundert Minuten für heute schließt. Die ganze laute Punkmusik - hält doch kein Mensch auf Dauer aus.